Patrick Stewart

Wie verabschiedet man sich von einer Legende? Von einem Menschen, der so vielen etwas bedeutet hat. Nicht nur durch seine jahrzehntelange Arbeit in Theater, Film und Fernsehen. Patrick Stewart hat sich auch privat für Menschen eingesetzt. Seine Freundschaft mit Ian McKellen ist ein Vorbild, dem man nur nacheifern kann. Die beiden in Interviews zu sehen, war stets ein Genuss. Doch auch seine Auftritte bei der „Graham Norton Show“ und anderen Talkshows kann ich sehr empfehlen. Natürlich sind es nur kleine Fenster in das Leben dieses Mannes, aber man bekommt den Hauch eines Eindrucks dieses Menschen.

Seit ich mich erinnern kann, ist Patrick Stewart für mich das Gesicht von „Star Trek“. Immerhin startete „The Next Generation“ zwei Jahre bevor ich geboren wurde. Er war immer präsent. Sei es, dass man ihn im Fernsehen durch die ganzen Reruns gesehen hat oder später in seiner Rolle in den X-Men-Filmen. Oft standen seine Charaktere für eine bessere Zukunft. Sie sind Vorbilder, denen man nacheifern kann. Nicht alles muss mit Konflikten gelöst werden. Manchmal muss man Gesetzestexte lesen, um zu einem friedlichen Ende zu kommen. Wie etwa in Star Trek gezeigt wurde.

Seit ich von seinem Tod erfahren habe, spült mir YouTube etliche Zusammenschnitte aus Szenen seiner Filme und Serien hoch. Mir ist aufgefallen, dass Serien wie „Star Trek“ heute nicht mehr gemacht werden. Darin gibt es immer wieder Momente, wo keine Musik läuft, niemand sagt etwas, die Beleuchtung ist neutral gehalten. Die Charaktere stehen da und starren auf einen Bildschirm oder es ist still, weil man auf etwas wartet. Nie lange, aber doch ein paar Augenblicke, sodass es auffällt. Ich mag das. Und Patrick Stewart steht für mich für eine solche Zeit in Serien. Nicht alles muss blinken und leuchten und Geräusche machen. Gute Schauspieler*innen, die ihre Charaktere mit Leidenschaft verkörpern, und ein Drehbuch, das sie ernst nimmt, können souverän mit Stille umgehen. Vielleicht sollte ich mal wieder TNG schauen.

Vor ein paar Jahren habe ich die Biografie von Patrick Stewart gelesen – „Making It So“. Der Text ist hier nachzulesen: Von Büchern und der Kunst, Dinge zu Ende zu bringen. Was ich damals kritisiert habe, sehe ich heute etwas anders. Er hat darin zwar viel über seine Kindheit geschrieben und wie er aufgewachsen ist. Doch nach seinen ersten Schauspielerfahrungen tritt das Privatleben in den Hintergrund und er fokussiert sich auf seine Karriere. Dass er nichts über seine Kinder schreibt oder sehr wenig, ist vielleicht eine Art, sie zu schützen. Nicht jede erzählenswerte Geschichte muss in die Öffentlichkeit getragen werden. Wenn seine Kinder diese erzählt wissen möchten, können sie es selbst tun. Mit etwas Abstand sehe ich es als positiv an. Ich kann das Buch nur empfehlen.

Das Buch gibt einen Einblick darin, wie sich Patrick Stewart mit Ausdauer und Leidenschaft seine Karriere erarbeitet hat. Viele wie ich kennen ihn erst seit Star Trek. Dabei stand er davor fast 30 Jahre auf der Bühne. Sein internationaler Durchbruch in Film und Fernsehen kam erst mit 47 Jahren. Auch dahingehend finde ich Patrick Stewart ein Vorbild. Es ist nie zu spät, etwas Neues auszuprobieren, ein Risiko einzugehen oder eine Leidenschaft auszuleben.

„Farewell, mon capitaine.“