Invincible | S01E08 – Where I Really Come From

Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit. Dieses Zitat aus »Desperate Housewives« hat sich in mein Gedächtnis gebrannt. Bree sagt es zu ihrem Sohn, der immer wieder versucht, sie wegzustoßen, aber sie gibt nicht auf. Das ist eine furchtbar verkürzte und ungenaue Darstellung eines staffelübergreifenden Handlungsstrangs, aber ein wichtiger Kern ist diese Aussage. Diese Gleichgültigkeit spürt man auch im ersten Staffelfinale von »Invincible«. Nolan erklärt Mark, was die wahre Natur der Viltrumites ist: dass sie dazu auserkoren sind, das Universum zu beherrschen, die Stärksten zu sein und über die restlichen Insekten zu urteilen. Es hilft natürlich, wenn die eigene Spezies mit der Zeit nur stärker wird, mit zunehmendem Alter langsamer altert und über außergewöhnliche Kräfte verfügt.

Ich war wirklich nervös vor diesem Finale. Ich wusste, was mich erwartet, und als ich diese Szenen das erste Mal im Comic gelesen habe, hatte ich danach einen Knoten im Magen. Es ist schwer, mitanzusehen, wie Nolan seinen eigenen Sohn dermaßen zurichtet und gleichzeitig seiner Ehefrau jedwede Daseinsberechtigung entzieht, sie zu einem Augenzwinkern im größeren Schicksal seines ach so glorreichen Lebens degradiert. J. K. Simmons macht einen furchtbar guten Job in diesen Szenen. Man hört diese Gleichgültigkeit in seiner Stimme, aber trotzdem versucht er, um seinen Sohn zu kämpfen, ihn zur »Vernunft« zu bringen. Und am Ende nimmt er sogar seinem Sohn alles, indem er sagt, dass er jederzeit einen neuen Sohn haben kann. Es waren ja nur 17 Jahre.

Aber einen gewissen Eindruck scheinen Debbie und Mark doch hinterlassen zu haben. Wie wir später von Allen erfahren, ist es noch nie vorgekommen, dass ein Viltrumite seinen Posten verlässt, aufgibt, weiterzieht oder sonst wie einen Planeten zurücklässt. Bevor sie einen Planeten aufgeben, zerstören sie ihn lieber. Es ist eine Andeutung, dass sich etwas ändern könnte. Aber es ist auch eine Warnung: Wenn Nolan den Job nicht zu Ende bringt, wird es jemand anderes tun. In den Rückblenden haben wir schon manche der Viltrumites gesehen, die der Erde einen Besuch abstatten werden. Erst einmal wollen aber die Wunden geleckt, die Schäden repariert und das Trauma überwunden werden.

Es ist erstaunlich, wie es die Serie schafft, zwar mit einer gewissen Hoffnungslosigkeit zu enden, doch trotzdem das metaphorische Bat-Signal am Himmel zu lassen. Das Leben geht weiter, Heldinnen und Helden gibt es immer noch, die Welt dreht sich weiter und Traumata können überwunden werden – mit Zeit, Geduld und Freunden, die für einen da sind. Gleichzeitig werden offene Handlungsstränge gezeigt, die zukünftig noch auf uns warten. Doch zunächst gilt es, die Highschool abzuschließen.