Invincible | Special – Atom Eve

Was mich an Superheldencomics wie »Green Lantern« immer wieder erstaunt, ist die mangelnde Kreativität, wenn es um den Einsatz ihrer Superkräfte geht. Wir haben hier Wesen, die mit Ringen ausgestattet sind, die alles erschaffen können, was man sich nur vorstellen kann. Das Limit sind die eigenen Gedanken, die eigenen Kreationen, die man sich ausdenken kann. Und doch sind es bei Green Lantern meist handliche Waffen, Flugzeuge oder sonstige herkömmliche Dinge. Natürlich nicht immer, aber es ist das, was man am meisten zu Gesicht bekommt. Die Möglichkeiten sind buchstäblich unendlich, doch die Charaktere nutzen das im Kampf nicht.

Samantha kann Moleküle sehen, Atome beeinflussen und Elektronen manipulieren. Materie bedeutet für sie nichts, da sie alles erschaffen und verändern kann. Sei es ein Burger zum Mittagessen statt eines Sandwiches oder Schutzschilde, die sie vor den Schlägen anderer schützen. Für die meiste Zeit dieses Specials ist sie ein Teenager und beginnt erst so richtig, ihre Macht auszuprobieren und kennenzulernen. Deshalb hat es mich so erstaunt, dass sie nicht nur einfache Schilde kreiert, sondern sich eine Rüstung baut, Autos umleitet sowie Waffen und Projektile erzeugt. Sogar den anfänglichen Schutzmechanismus, der sie daran hindert, lebende Wesen zu verändern, durchbricht sie am Ende.

Atom Eve ist eine der mächtigsten Kreaturen im Universum von »Invincible«. Doch wenn das Potenzial endlos ist, muss man sie für die Geschichte beschneiden, sie eindämmen, und sei es nur beim kreativen Einsatz ihrer Fähigkeiten. Das kann man gut machen oder eben nicht, so wie in manchen »Green Lantern«-Geschichten.

Das Special rund um Atom Eve zeichnet eine einsame, tragische Figur. Immer wenn ich Worte wie „normal“, „weird“ oder „Freak“ höre, fühle ich mich gereizt. Es sind Worte, die von Menschen gebraucht werden, die ein äußerst beschränktes Weltbild haben. Die sich nicht in die Realitäten anderer Menschen hineindenken können oder wollen. Die denken, ihre kleine, traurige, unwichtige Existenz wäre alles, was möglich ist.

Eves Adoptiveltern sind die Personifikation dieses Klischees, das in unserer echten Welt leider nur allzu sehr um sich greift. Diese Denkweise unterdrückt Menschen, die eben anders sind, anders denken und nicht in eine Box passen. Sie grenzt aus, macht einsam und kostet im schlimmsten Fall Leben. Sei es, weil es die einzelnen Personen nicht mehr ertragen, oder weil sie aktiv verfolgt werden. Es ist grausam, auf so vielen Ebenen. Das Special rund um Atom Eve fängt das perfekt ein.