
Die Maulers sind faszinierende Gegenspieler zu Mark. Wenn man sie überhaupt so bezeichnen kann. Sie sind keine reinen Bösewichte oder Schurken. Natürlich verfolgen sie ihre eigenen Ziele und schrecken nicht davor zurück, über Leichen zu gehen, aber alles in einem gewissen Rahmen. Außerdem sind sie im Grunde Wissenschaftler und gehören zu den schlausten Wesen auf dem Planeten. Vor allem, wenn es um die Themen Klonen, Biologie und Technologie geht, macht ihnen so schnell niemand etwas vor. Nicht ohne Grund hat sich Robot, jetzt bekannt als Rudy, für sie entschieden, um sich endlich einen funktionstüchtigen Körper geben zu lassen. Und Angstrom Levy wendet sich in dieser Folge ebenfalls an sie, um die Welt besser zu machen.
Es ist geschickt gemacht, die Idee eines Multiversums einzuführen. Staffel 2 ist vielleicht etwas früh, aber es funktioniert. Vor allem, weil »Invincible« nicht das ausgelutschte Wort »Multiversum« verwendet, sondern Dimensionen. Das hört sich frischer und unverbrauchter an und klingt nicht gleich nach einem Vergleich mit dem Marvel-Universum, wo man sich auf diverse Serien- und Filmableger gefasst machen muss. Die Serie macht ihr eigenes Ding und »Dimensionen« klingt in jedem Fall besser. Wir sehen auch, was passiert wäre, wenn sich Mark seinem Vater angeschlossen hätte. Überraschend dagegen ist zu hören, dass sich Mark scheinbar in den meisten Dimensionen gegen die Erde und für Viltrum entschieden hat. Vielleicht war also Marks innerer Kampf, sich seinem Vater zu widersetzen, sehr viel mehr on the edge, als wir dachten.
Dass es ihm sichtlich nicht leichtfiel, erleben wir in dieser ersten Folge. Mir gefällt es sehr, dass sich die Serie Zeit nimmt, die Nachwirkungen, inneren Kämpfe, Zweifel und stillen Hilfeschreie zu zeigen. Mark macht nicht einfach weiter. Er hat Angst, so zu werden wie sein Vater. Nicht alle glauben ihm, dass er sich endgültig für die Erde und gegen Viltrum entschieden hat. Er gibt sich selbst die Schuld am Tod so vieler Menschen, dabei hat er alles getan, um ihnen zu helfen. Seine Mutter Debbie kämpft ihre eigene Variante dieser Kämpfe. Und sie wäre in diesen allein, wenn Olga nicht wäre. Mir gefällt es sehr, wie Kirkman und das Autorenteam es schaffen, die Geschichte sichtlich zu modernisieren und jedem Charakter eigene Facetten zu geben. Wenn ich mich recht erinnere, hatte Debbie im Comic ein Alkoholproblem, das eher fragwürdig behandelt wurde. Hier scheint es mir sehr viel subtiler, glaubhafter und nuancierter behandelt zu werden. Aber es ist noch zu früh, um das richtig einordnen zu können.
Die Maulers jedenfalls wissen sich zur Wehr zu setzen. Vor allem, wenn sie Unterstützung durch sich selbst aus diversen Dimensionen haben. Langsam bin ich zwar etwas müde davon, Mark immer wieder verlieren und blutig geschlagen zu sehen, aber das ändert sich hoffentlich mit der Zeit. Klar sind die Maulers stark und in der Überzahl, aber Mark so oft hilflos zu zeigen, ist dann doch irgendwie zu viel. Erst war es gegen Battle Beast, dann gegen seinen Vater und jetzt schon wieder – alles innerhalb weniger Episoden. Hier hat der Comic einen Vorteil, da man sich über mehr Ausgaben hinweg Zeit lassen kann, um Charaktere sich entwickeln und Dinge verarbeiten zu lassen. Zum Glück hat Mark Amber und beide gehen zukünftig auf die Upstate University.
Der Mauler realisiert dagegen, dass er nur sich selbst und seinem Klon vertrauen kann. Die letzten Jobs, die sie angenommen haben, endeten eher suboptimal für sie. Erst haben sie Robot zu einem Körper verholfen und nichts bekommen. Dieses Mal haben sie Angstrom Levy geholfen und ebenfalls nichts als Gegenleistung bekommen. Nur waren sie an der Origin-Story eines Superschurken beteiligt. Es gefällt mir, dass die Maulers trotzdem stets eine Art moralischen Kompass haben und sogar versuchen, Levy von der Wahrheit zu überzeugen. Doch wenn man so viele Informationen aus so vielen Dimensionen in sich vereint, kann man schon mal durcheinanderkommen. Deshalb schreibe ich mir alles auf. So kann man nichts vergessen. Ob das bei Levy auch hilft, wage ich allerdings zu bezweifeln.
