
So etwas hatte ich mir nach dem Ende der ersten Folge von Staffel zwei gewünscht. Verständlicherweise muss man die Auswirkungen des großen Aufeinandertreffens behandeln. Das macht »Invincible« sehr gut. Jedoch sind mir die Konfrontationen und auch die Art, wie Mark ständig durch die Gegend geprügelt wird, zu viel geworden. Das passiert hier zwar zum Teil auch, aber er geht siegreich aus den Kämpfen hervor und gewinnt sie auf seine Weise. Wir sehen zwar in einer anderen Dimension, wie Cecil einen Mark gefangen hält, aber das wird doch sicherlich nicht in dieser Welt passieren. Ganz sicher. Und der Kampf in Atlantis hat Cecil sicher keine Idee für eine Waffe gegen Viltrumites gegeben.
Na ja, jedenfalls ist diese Folge eine gute Mischung aus lockeren und hoffnungsvollen Momenten, aber auch Lektionen, die teilweise hart gelernt werden müssen. Eve bekommt etwa von ihrem charmanten Vater erklärt, warum sie beinahe viele Menschen das Leben gekostet hätte. Alle Moleküle und Atome neu anordnen zu können, ist zwar eine sehr mächtige Fähigkeit, aber man darf dabei das größere Ganze nicht aus dem Blick verlieren.
So wie etwa bei der Storyline rund um den geflüchteten Marsianer. Die Marsmission liegt immerhin schon Monate zurück und der Typ konnte sich bisher unauffällig verhalten. Nun plötzlich wirkt er unsicher, kann sich nicht zusammenreißen und lässt beinahe sein Cover auffliegen? Das wirkt auf mich nicht gerade glaubhaft. Auch, dass er mehr oder weniger aus Versehen mitbekommt, wie Martian Man einer DER Helden der Erde geworden ist, wirkt seltsam. Wusste man das auf dem Mars nicht? Ich dachte, die Planeten leben in Frieden nebeneinander her. Es gibt zwar keinen Austausch oder so, aber zumindest sollte man das wohl mitbekommen haben. Die Geschichte mutet etwas gehetzt und holprig an. Ich lasse mich aber gerne positiv überraschen, wenn sie mit etwas mehr Liebe zum Detail ausgearbeitet wird.
So wie der Zusammenbruch von Debbie. Sie beginnt wieder zu arbeiten. Aber ein nicht gerade vorbildlicher Ehemann, der seine Frau unterdrückt, zeigt ihr, dass sie noch nicht bereit ist, sich mit solchen Konflikten auseinanderzusetzen. Die Wunde, die Nolan hinterlassen hat, ist noch zu frisch und sitzt zu tief. Ich fand es ein schönes, trauriges Detail, dass sie zuerst auch Mark von sich wegschiebt, bevor sie sich umarmen lässt. Auch Debbie muss wohl erst vollends akzeptieren, dass Mark nicht sein Vater ist. Genauso wie Mark und wahrscheinlich noch ein paar andere Personen.
Diese zweite Folge findet eine gute Balance, um die emotionalen Schwerpunkte weiter zu behandeln, aber doch einen lockeren Ton anzuschlagen. Es geht um Highschool-Abschlüsse, Feiern, darum, Menschen zu helfen, Doc Seismic zu blamieren, Darkwings Sidekick bloßzustellen – sorry, Assistent – und um die seltsamen Hierarchien der Lizard League. Die Folgen sind wirklich dicht gepackt, aber noch stimmt der Rhythmus. Es sollte nur nicht zu viel werden.
