Invincible | S02E03 – This Missive, This Machination!

Zwei Folgen entsprechen etwa 90 Minuten. Wenn man dreizehn Ausgaben von »Invincible« liest und etwa 20 Minuten pro Ausgabe rechnet, was wahrscheinlich etwas zu viel ist, landet man bei unter 260 Minuten. Aber liest man so viele Ausgaben wirklich hintereinander weg? In einem normalen Setting, wenn man eine Reihe monatlich verfolgt, entspricht das einem Jahr. Also subjektiv gesehen sehr viel Zeit. Sehr viel mehr, als für die Charaktere vergangen ist. Aber worauf möchte ich mit diesem mathematischen Rätsel hinaus? Sehen wir uns die dritte Folge etwas genauer an.

Wir starten mit der Originstory von Allen. Ich finde es gut, dass die Serie den Fokus zwischenzeitlich auf andere Charaktere verlegt. So sehen wir, wie Allen zu seinem Job kam. Eigentlich sollte er der Hoffnungsträger seiner Spezies sein, aber selbst eines der stärksten gezüchteten Wesen kommt nicht gegen Viltrumites an. Also testet er die Champions von Planeten, um jemanden zu finden, der ihm überlegen ist. Denn wer Allen besiegen kann, könnte auch eine Chance gegen Viltrumites haben. Nur gibt es innerhalb der Coalition of Planets einen Spion. Es ist ein toller Thriller, der allerdings zur Mitte der Folge schon wieder aufgelöst wird. Allen liegt halb tot im Krankenbett und regeneriert sich, während ihm sein eigentlicher Vertrauter und Vorsteher des Councils, Thaedus, die Maschinen abdreht.

Eine Nebenhandlung, die ich sehr genossen habe, war diejenige der Guardians. Nicht nur kommt es zu einem Gespräch zwischen Rex und Kate. Rudy fragt endlich Amanda, ob sie mit ihm ausgeht, und die beiden haben eine klassische Date-Night. Ein Horrorfilm gehört genauso dazu wie Burger essen und neue Dinge herausfinden. Rudy hat immerhin die meiste Zeit seines Lebens in einem Tank verbracht und als Robot die Welt erkundet. Ihm fehlen viele Erfahrungen. Amanda gefällt es sichtlich, ihm diese Erfahrungen beizubringen.

Eine weniger spaßige Erfahrung macht Debbie bei ihrem ersten »Spouses of Superheroes«-Treffen. Wie sich herausstellt, hat all die Geheimhaltung durchaus ihren Sinn. Denn so sind alle gleich. Nur leider halten sich Debbie und ihr Vertrauter nicht an diese Regel. Natürlich musste sie auf den Ehemann von Green Ghost treffen. Nolan hat Green Ghost getötet und ihr Ehemann hat wenig Verständnis für die Leiden von Debbie. Hätte sie es wissen sollen? Woher? Was hätte sie tun sollen? Eigentlich lächerliche Vorwürfe, aber irgendwie auch verständlich. Solch ein Verlust ist schwer zu ertragen. Egal auf welcher Seite.

Unterdessen steht Mark vor einer Entscheidung: auf Cecil zu hören oder seinem Instinkt zu folgen. Sein Comicheld Seance Dog stattet ihm einen Besuch ab. Dabei handelt es sich aber um einen getarnten Thraxan, der seine Hilfe erbittet. Mark will anders als sein Vater sein und entscheidet sich deshalb, mit ihm zu kommen. Gerade als er feststellt, dass er Amber wirklich liebt. Aber er kann ihr das sicherlich noch sagen, wenn er denn das Aufeinandertreffen mit dem Anführer der Thraxans überlebt: einem gewissen Omni-Man, Nolan Grayson.

Ich habe im ersten Compendium von »Invincible« nachgeschaut, wie viele Ausgaben zwischen dem Kampf von Nolan und Mark und ihrem Wiedersehen auf Thraxa liegen: Dreizehn Ausgaben. In der Serie kommt es mir zu schnell vor. Wir haben gerade den Schock überwunden, Debbie kann noch kein normales Leben führen und ich sehe schon das nächste Aufeinandertreffen vor mir. Dabei liegt das erste Staffelfinale gerade einmal zwei Folgen zurück.

Der Vorteil des Comics ist, dass er sich mehr Zeit lassen kann. Vielleicht hätten der Serie 25-minütige Folgen bessergetan. Aktuell geht mir alles viel zu schnell. Ich bin froh, den Comic so gut zu kennen und zu wissen, was noch auf uns zukommt. Die Charaktere bekommen keine Atempause. Es geht immer Schlag auf Schlag, meist buchstäblich.

Ich schaue auf jeden Fall weiter. Die Serie ist handwerklich großartig gemacht. Ich bin mir nur noch nicht sicher, ob ihr das hohe Erzähltempo guttut. Ich hatte frühestens gegen Ende von Staffel 2 damit gerechnet, dass die Thraxan-Storyline beginnt. Deshalb tun die Nebenhandlungen dieser Folge so gut, sie nehmen das Tempo etwas heraus. Auch der überraschende, aber willkommene Einsatz eines Erzählers sorgt für Abwechslung. Aber eben nicht genug, damit die Haupthandlung fast stillsteht. Einem Viltrumite kann eben nicht einmal das Pacing etwas anhaben.