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Mini Burg Blaustein

Was ist besser als eine Burg Blaustein? Richtig, zwei Burg Blausteine (Burgen Blaustein? Burgen Blausteinen?). Noch besser ist es allerdings, wenn diese zweite Burg mit Mini-Blocks gebaut wird. Mini-Blocks sind im Unterschied zu normalen Klemmbausteinen ein Drittel kleiner. Das hört sich erst einmal nach wenig an, macht aber einen großen Unterschied. Das Bauen der Burg ist sehr viel kleinteiliger und feinmotorischer, als es beim Original der Fall ist.

BlueBrixx hat vor ein paar Monaten in einem Preview-Video diese Version von Burg Blaustein angekündigt. Ich fand das eine sehr nette Idee. Nicht jeder hat den Platz, um eine über 40.000 Teile umfassende Burganlage aufzustellen. Auch wenn es sehr beeindruckend aussieht, ist der Platzbedarf nicht gerade gering. Und so eine kleinere Burg Blaustein ist perfekt für Schreib- oder Esstisch. Ich hatte mir schon überlegt, die Grundburg noch einmal zu kaufen, einfach um darstellen zu können, wo diese lange Reise durch das Mittelalter einmal angefangen hat. Nach all den bisherigen Erweiterungen ist die Grundburg kaum mehr zu erkennen. Nun die Mini-Version daneben stellen zu können. Macht das alles noch einmal beeindruckender.

Wenn man dann wieder die gewohnten Klemmbausteine in die Hand nimmt, wirken diese plötzlich immens groß. Es ist ein bisschen surreal, zwischen diesen beiden Formaten zu wechseln. Ich denke, im Laufe der Zeit wird BlueBrixx diese Mini-Version ebenfalls mit den Erweiterungen ausstatten. Je nachdem, wie gut sie sich natürlich verkauft. Aber wieso sollte es kein Verkaufsschlager werden? Die erste Version von Burg Blaustein ist sicher eines ihrer meistverkauften Sets und ist zum Markenzeichen von BlueBrixx geworden. Eine kleinere Version davon zu machen, war ein logischer Schritt.

Die Mini-Version hat sogar etwas mehr Teile als das Original. Das liegt aber daran, dass nicht alle Teile in Mini-Blocks vorhanden sind. Diese müssen dann nachgebaut werden. Zum Beispiel die großen Gesteinsteile. Ansonsten ist der Bau bisher allerdings sehr identisch mit dem größeren Vorbild. Ich weiß tatsächlich noch nicht, ob ich mir alle Erweiterungen zulegen werde, wenn diese in den nächsten Jahren dafür erscheinen. Der Bergfried muss auf jeden Fall noch her. Der gehört einfach dazu. Der Rest muss sich noch herausstellen. Empfehlen kann ich das Set auf jeden Fall. Für „nur“ 100 € bekommt man immerhin über 5.500 Steine und kann eine neue Sammlung an Mini-Bricks beginnen.

Analog oder Digital

Wenn es um Bücher und/oder um Comics geht, ist die Frage relativ einfach zu beantworten: Was auch immer dazu führt, dass man gerne liest. Einen E-Reader in die Tasche zu werfen und immer dabei zu haben, ist sehr viel einfacher, als ein 1000-seitiges Taschenbuch mitzuschleppen. Geschweige denn, dass man sich ein Hardcover-Buch kauft und dieses tatsächlich lesen möchte. Insofern gibt es vielleicht noch eine dritte Kategorie: diejenigen Bücher, die man im Bücherregal ausstellt.

Hier kann es sich um schöne Hardcover-Bände handeln, die vielleicht sogar in einem schön verzierten Schuber daherkommen. So wie etwa meine Ausgabe vom Hobbit, mit Illustrationen von Tolkien. Die Ausgabe habe ich tatsächlich auch in diesem Format gelesen, weil ich die Zeichnungen zur Geschichte haben wollte. Einfach zu lesen war das allerdings nicht. Zwar ist der Hobbit ein vergleichsweise kurzes Buch, doch mit dickem Papier, schwerem Umschlag und der sonstigen Gestaltung kann ein solches Buch zu einem Schmöker werden.

Meine Einstellung hat sich in letzter Zeit etwas geändert. Ich hatte immer das Bedürfnis, dass die Bücher, wenn ich sie gelesen habe, schön aussehen. Das ist bei Taschenbüchern nicht immer so einfach, da sich der Rücken schnell durchbiegt oder Knicke aufweist. Aber wie ein YouTuber vor Kurzem in einem Video meinte: Bücher sind ein Werkzeug. Wenn man ein Buch das erste Mal liest, sollte es nicht als dickes, schweres Hardcover sein. Lieber auf das Taschenbuch warten. Darin kann man Passagen unterstreichen, sich Notizen machen, Ecken zur Markierung umknicken – es verwenden. Sich mit dem Inhalt, der Geschichte, auseinandersetzen.

Aktuell lese ich viel auf meinem E-Reader (einem Boox Palma 2). Hier lassen sich Passagen markieren und Notizen machen. Außerdem habe ich ein eigenes Notizbuch, wo ich mir Passagen und Zitate herausschreibe, Inhalte zusammenfasse und mir Gedanken mache. Es ist ein anderes Erlebnis, wie ich finde. Analog oder digital ist gar nicht so wichtig. Viel wichtiger ist, dass man Freude am Lesen hat, sich gerne mit einem Buch hinsetzt und sich damit auseinandersetzt.

Das Einzige, was ich raten würde, ist, sich keinen Kindle zu kaufen. Ebenso keinen Tolino oder Kobo oder wie sie alle heißen. Stattdessen würde ich zu einem Boox Go greifen oder anderen offenen E-Readern. Geräte, die mit einem Android-Betriebssystem daherkommen. Darauf kann man die Lese-Apps installieren, die man möchte. Sei es Amazons Kindle, die Tolino-App oder eine Lese-App wie der KOReader für Bücher, die man sonst wo digital erworben hat. Per HumbleBundle zum Beispiel. Ich mag es nicht, eingeschränkt darin zu sein, wo ich meine Bücher und Comics und Inhalte kaufe. Allerdings muss man sich damit auseinandersetzen wollen. Erneut gilt, das zu machen, was für einen selbst am einfachsten und komfortabelsten ist.

Supernatural Rewatch | The Family Business

Zu dem Zeitpunkt, wo ich diese Zeilen zu digitalem Papier bringe, ist es beinahe 20 Jahre her, dass Supernatural das erste Mal über unsere Bildschirme flackerte. Da war ich 15 Jahre alt. Unfassbar. Es gab viele Serien, die mich lange begleitet haben, aber wohl keine so intensiv und stetig, wie es Supernatural getan hat. Charmed und Stargate SG-1 kommen dem wohl noch am nächsten, genauso wie Criminal Minds. Eigentlich eine sehr interessante und abwechslungsreiche Auswahl, wenn man es sich genau ansieht. Neben Criminal Minds ist Supernatural aber die Serie, die ich am längsten während ihrer Laufzeit verfolgt habe. Immerhin lief sie 15 Jahre lang. Und auch wenn ich zwischendurch mal nicht geschaut habe und ein paar Jahre pausierte, so komme ich doch immer wieder zu ihr zurück. Man könnte es als »comfort food«, »guilty pleasure« oder Ähnliches bezeichnen. Doch ich mag diese Begriffe nicht. Sie sind für mich zu negativ behaftet, als wäre es etwas Schlechtes, sich mit diesen Dingen zu beschäftigen.

Supernatural ist einfach eine gut gemachte, spannende Serie. Waren die ersten 5 Jahre der Höhepunkt? Wie haben sich die folgenden Staffeln in den Gesamt-Mythos eingearbeitet? Was entwickelte sich überhaupt erst in den späteren Staffeln, das man eigentlich für ein Markenzeichen der Serie hält? Alles Fragen, denen ich im Laufe dieser Textreihe nachgehen möchte. Manche Episoden werde ich nur kurz besprechen, manche etwas länger. Es ist ein Experiment. Vielleicht breche ich es auch nach nur wenigen Folgen oder Staffeln ab. Doch will ich dieses Experiment wagen. Der MCU-Rewatch hat mir sehr viel Freude bereitet. Warum es nicht auch mit einer Serie versuchen. Wenn wir jede Woche eine Folge besprechen, dauert es immerhin nur sieben Jahre, bis alle Texte dazu veröffentlicht sind.

Auf jeden Fall hatte ich Lust, mich eingehender mit der Serie zu beschäftigen. Erneut in die Welt von Dean und Sam einzutauchen. Ihren brüderlichen Querelen, ihren Familien-Dramen und ihren Kämpfen gegen das Böse zu folgen. Vor vielen Jahren habe ich für den Blog Rogues Portal eine Retrospektive geschrieben, bevor ich dazu übergegangen bin, mir die Serie anzuschauen und Staffelbesprechungen zu machen. Sechs Staffeln weit bin ich gekommen. Vielleicht streue ich eine Übersetzung der Texte zwischendurch in diese Textreihe ein. Allerdings scheint es nur ein logischer Schritt, dass ich mich nun mit den einzelnen Episoden auseinandersetze.

Mal sehen, wo diese Reise hinführt. Es ist alleine schon daran zu erkennen, wie alt die erste Staffel von Supernatural ist, weil die erste Folge schlicht »Pilot« genannt wird. Keine großartige Bezeichnung, wie es ab Folge zwei sein wird. Einfach nur »Pilot«. So wie es sich eben gehört hat. Fangen wir also an, mit unserem wahrscheinlich längeren Unterfangen, die Welt von Supernatural en détail zu besprechen.

MCU Rewatch | Ant-Man and the Wasp: Quantumania

Mittlerweile bin ich bei MCU-Filmen stets skeptisch. Thor: Love and Thunder hat mich zu sehr schockiert, mit seiner unterirdischen Story, wankelmütigen Atmosphäre und abstrusen Charakteren. Doch Black Panther: Wakanda Forever war hervorragend und ein Testament dafür, was Marvel-Filme erreichen können. Ant-Man and the Wasp: Quantumania liegt irgendwo zwischen den beiden Vorgängern. Mit Quantumania starten wir in die fünfte Phase des MCU, die im Mai dieses Jahres, mit den Thunderbolts auch schon wieder zu Ende geht.

Grundsätzlich erzählt Quantumania eine interessante Geschichte. Janet van Dyne (Michelle Pfeiffer) war immerhin 30 Jahre in der gleichnamigen Welt, die sich quasi unter oder in unserer befindet, gefangen. Dann wurde sie von ihrem Mann Hank (Michael Douglas) und Tochter Hope (Evangeline Lilly) gerettet. Es war nur logisch, im dritten Film zu dieser Welt zurückzukehren. Zwei Filme lang wurde der Quantum-Realm als gefährlich eingestuft und angeteasert. Es wurde Zeit, in zu besuchen.

Das Kernthema des Films bleibt weiterhin Familie. Scott (Paul Rudd) gönnt sich eine Auszeit nach den Strapazen mit Thanos, hat ein Buch geschrieben und genießt sein Leben. Doch seine Tochter Cassie (Kathryn Newton) hält ihn ganz schön auf Trab. Sie macht bei Demonstrationen mit, engagiert sich sozial und wird regelmäßig verhaftet. Sie macht ihrem Vater sogar vorwürfe, dass er nichts macht. Eine steile These und nicht ganz nachvollziehbar. Wenn man das Universum gerettet hat, darf man sich mal eine Auszeit gönnen und mit dem eigenen Buch auf Tour gehen. Zudem hat Cassie mit Hank und Hope am Quantum-Realm geforscht (ohne Janet zu fragen, da diese nicht darüber reden will, was in den 30 Jahren passiert ist). Das Ergebnis ist, dass sie alle in diese winzige, doch ausufernde Welt gezogen werden und nun einen Ausweg finden müssen.

Wie gesagt, die Geschichte an sich ist toll. Die Dialoge zwischen Scott und Cassie gefallen mir, mit den Ausnahmen am Anfang des Films, recht gut. Sie kommen zwar nicht an den Charme der ersten beiden Filme heran, doch man spürt eine Verbindung zwischen den beiden. Genauso die Familie van Dyne. Es sind drei tolle Charaktere und von Schauspielgrößen gespielt, die keine Wünsche offen lassen. Die Welt des Quantum-Realms ist ebenso kreativ und reichhaltig gestaltet. Die Wesen strotzen nur so vor Fantasie, sehen überzeugend aus und die (digitalen) Kulissen wirken imposant. Marvel hat es geschafft, eine neue Welt zu erschaffen und uns näherzubringen, wäre da nicht ein kleines Problem namens The Volume.

Beim Volume dreht man Szenen auf einer Soundstage, die im Hintergrund mit hochauflösenden LED-Wänden ausgestattet ist, auf denen alles Mögliche projiziert werden kann. Am besten selbst einmal googeln. Es ist eine faszinierende Technologie, um CGI-generierte Welten direkt beim Dreh zu erfassen. Diese Technik wurde zum ersten Mal für The Mandalorian entwickelt und eingesetzt. Seitdem verbreitet es sich wie die Pest in anderen Produktionen. Denn so toll es sein mag, als Drehtechnik, so sehr sieht man es den Szenen an, dass sie im Volume gedreht wurden. Die Beleuchtung ist irgendwie falsch, die Charaktere passen nicht so recht zum Hintergrund und heben sich zu sehr davon an. Besonders am Anfang von Quantumania tat ich mir sehr schwer, in den Film reinzukommen.

Dann taucht auch noch M.O.D.O.K. auf. Ein Charakter, der mehr oder weniger ein schwebender Kopf ist. In den Comics mag ich ihn zwar auch nicht sonderlich, doch die Umsetzung dort ist einfacher. Er wirkt besser in einem Comic. In Live-Action sieht es lächerlich aus und reißt mich jedes Mal aus dem Film. Ja, ich bin tatsächlich irgendwann über die Offensichtlichkeit des Volumes hinweggekommen. Das ist aber weniger der guten Integration der realen und digitalen Welt zu verdanken als den schauspielerischen Leistungen. Trotzdem hat es eine Dreiviertelstunde gedauert, bis sich der »suspension of disbelieve« einstellen konnte. Bis ich also dem Film seine Welt abkaufte und mich auf die Erzählung richtig einlassen konnte.

Die schauspielerischen Leistungen, die durch die Bank fantastisch sind, inkludieren auch Jonathan Majors als Kang, The Conquerer. Er ist ein gewaltiger, Furcht einflößender Gegner und hätte der nächste große Bösewicht des MCU werden sollen. Wenn Majors nicht ein dummes, feiges, gewalttätiges Arschloch (bitte verzeiht die Wortwahl) wäre, das seine Freundin schlägt und misshandelt hat. Marvel hat ihn zu Recht gefeuert. Scheinbar haben sie nach Ersatz gesucht, aber es war schwer, ihn zu ersetzen, genauer gesagt jemanden zu finden, der den Charakter stattdessen verkörpern wollen würde. Ich finde es schade, dass die Handlungen eines Menschen solchen Einfluss auf das MCU haben können. Ein neuer Schauspieler hätte den Charakter sein eigen machen können. Es hätte sich mit Sicherheit jemand gefunden. Dafür kommt jetzt Robert Downey Jr. als Dr. Doom zurück. Man kann es noch so drehen, dass es zur Geschichte von Quantumania passt, nur die Mid-Credit-Szene muss man ignorieren.

Quatumania erzählt eine mitreißende Geschichte. Man merkt allerdings, dass die Effekte zu schnell gemacht wurden und The Volume ist kein Ersatz für gebaute Kulissen, das sieht man deutlich. Der Film hat scheinbar knappe 400 Millionen Dollar gekostet. Das ist doch absurd. Für dieses Geld erwarte ich mehr. Da kann man doch zwei Filme von Ant-Man and the Wasp drehen. Die Charaktere stehen für mich nicht unbedingt für solche Mega-Produktionen. Hier möchte ich etwas Kleineres, Intimeres erleben, so wie es die Vorgänger geschafft haben. Das gelingt Quantumania nur zum Teil. Auch wenn das Finale einiges wettmacht.

Android

Seit 14 Jahren bin ich begeisterter Apple-Benutzer. Mit dem iPhone 4 hat alles angefangen. Wobei es eigentlich etwas früher war. Meine Einstiegsdroge in das Apple-Universum war ein weißes MacBook. Wenn ich mich richtig erinnere, hatte das noch ein Kunststoffgehäuse. Doch es fühlte sich wertig an. Die Verarbeitung war toll und das Betriebssystem, im ersten Moment noch befremdlich, funktionierte einfach. Man musste sich keine großen Gedanken machen, sondern konnte es ohne Probleme nutzen. Windows Vista hat mich damals von Microsoft weggedrängt und in die Welt von Steve Jobs geführt.

Zehn iPhones habe ich seither besessen. Für 15 Jahre sehr viel, eigentlich. Es gab Zeiten, da habe ich fast jährlich gewechselt, dann wieder drei Jahre dasselbe benutzt. Wie es mir eben gerade hineinpasste bzw. ich es mir leisten konnte und wollte. Ich war stets zufrieden. Vor allem, weil das Ökosystem in sich hervorragend synergierte. MacBook, iPhone, iPad und Watch bilden ein gemeinsames Ganzes. Es ist bequem, unkompliziert und so lange es funktioniert und man mit den Geräten zufrieden ist, die Apple einem vor die Nase wirft, ist alles in Ordnung. Jedoch haben sich in letzter Zeit meine Anforderungen etwas geändert. Und alles begann mit einem kleinen eReader: dem Boox Palma 2.

Diesen habe ich mir vor einigen Monaten gekauft, weil ich einen offenen eReader wollte. Der Boox Palma 2 kommt mit Android ausgestattet daher. Das heißt, man kann sich beliebige Apps installieren. So bin ich in der Lage, nicht nur meine Kindle-Bücher zu lesen und den Kindle-Unlimited-Service zu nutzen. Tolino, Kobo oder auf HumbleBundle gekaufte Bücher sind kein Problem. Die Reader-App von Boox ist fantastisch und für die eigene Bibliothek mehr als ausreichend. Zudem kann ich darauf meine Zeitungen installieren (Falter und Salzburger Nachrichten) sowie in Instapaper gespeicherte Artikel laden. Es ist ein tolles Gerät. Doch für den alltäglichen Einsatz gab es ein Problem: Ich hatte nun immer zwei smartphoneförmige Geräte bei mir. Da musste es etwas Besseres geben.

Also habe ich gesucht, ob es nicht vollwertige Smartphones mit einem E-Ink-Display gibt. Der Boox Palma 2 hat keine Mobilfunk-Ausstattung, sondern nur WLAN. Doch ein reines E-Ink-Display wollte ich auch nicht. Wer schon einmal mit einem eReader hantierte, wird wissen, was ich meine. Zum Lesen sind sie großartig, aber die flüssigste Bedienung ist darauf nicht unbedingt möglich. Schließlich bin ich nach so einigen YouTube-Videos und Artikeln zum Thema auf die Marke TCL gestoßen. Die machen nicht nur Fernseher, sondern auch Smartphones. Eine Reihe ist mit ihrem NXTPAPER genannten Display ausgestattet. Dabei handelt es sich um eine angeätzte, matte Displaytechnologie, die E-Ink zu imitieren versucht. Das scheint sehr gut zu funktionieren, wie diverse Rezensionen und Tests berichten. Und es kostet „nur“ 250€; Mal mehr, mal weniger, je nachdem, wo man es gerade lagernd findet.

Bislang bin ich mit dem Gerät sehr zufrieden. Das Einrichten und Übertragen der Daten hat einige Zeit in Anspruch genommen. Ich weiß nicht, wie viele Passwörter ich eingegeben habe im Laufe der ersten zwei Tage, aber es waren viele. Zum Glück sind nun die wichtigsten in meinem Passwort-Manager der Wahl gespeichert, sodass ich immer und überall Zugriff darauf habe. Die meisten Apps konnte ich im Google Play Store finden und musste nur wenige Alternativen heraussuchen. Natürlich muss ich mich erst an die Bedienung von Android und dem TCL im Speziellen gewöhnen, doch das sollte ich hinbekommen. Immerhin dauert es ein bisschen, bis vierzehn Jahre Muskelgedächtnis überwunden sind.

Am meisten bin ich vom Display begeistert. Dieses hat drei Modi: Normal, Ink-Paper-Mode, Colour-Paper-Mode und Max-Ink-Mode. Es ist wirklich erstaunlich, was TCL in der Lage ist, aus dem Display herauszuholen. Die Ink-Modi sehen E-Ink zum Verwechseln ähnlich. Der Max-Ink-Mode ist nicht nur eine schwarz-weiße E-Ink-Imitation, sondern beschränkt die Nutzung auf acht Apps, die man frei wählen kann. Dann bekommt man nur mehr von diesen acht Apps Benachrichtigungen. Der Rest wird unterdrückt und Hintergrundaktivitäten werden auf ein Minimum reduziert. Das erhöht die Akku-Leistung gewaltig. In den nächsten Tagen und Wochen werde ich das Smartphone eingehend testen. Jedoch bin ich gewillt, ins kalte Wasser zu springen und es für mindestens ein Jahr zu verwenden. Dann kann ich wirklich sagen, ob es etwas taugt oder nicht. Das iPhone 16 Pro wird verkauft.

iOS hinter mich zu lassen bedeutet das Ende einer Ära. iPhones und Apple Watches haben mich durch viele Situationen hindurch begleitet. Aber es ist an der Zeit, etwas Neues auszuprobieren. Google und Apple sind beides amerikanische Firmen. Am Smartphone-Markt gibt es aktuell und auf absehbare Zeit nur diese beiden Player. Android oder iOS war viele Jahre eine fast schon religiöse Frage. Beide Systeme haben ihre Vor- und Nachteile. Jetzt schaue ich mir eben die andere Seite an.

Fachrizal Maulana | Unsplash

Kopflos?

Am Wochenende bin ich endlich dazu gekommen, mir die Köpfe in Salzburg anzuschauen. Erst musste natürlich die Aussicht vom Stieglkeller aus genossen werden. Im Sommer ist es Pflicht, eine Tour durch die Stadt dort zu starten. Wobei das Wetter hier nicht allzu sehr mitspielte. Deshalb suchten Freund J. und ich unter einer mit Wein überwachsenen Bank Platz. Doch der Regen wich schnell und so konnten wir uns auf den Weg über den Domplatz hin zum Residenzplatz bahnen. Natürlich pflasterten so einige Touristen den Weg, aber es war weniger los als befürchtet.

Nach dem leckeren (für mich alkoholfreien) Bier im Stieglkeller gingen wir also an den Köpfen vorbei. Man kommt aktuell ja kaum an einer Zeitung vorbei, in der nicht darüber berichtet wird. Anders als für die sonstigen modernen Kunstwerke, die in der Stadt verteilt sind, handelt es sich hierbei nur um eine temporäre Installation. Die Stadt hat dies scheinbar aus eigener Hand bezahlt und es war nicht gerade billig. Jedoch ist ihnen mit dieser Aktion durchaus etwas Eindrucksvolles gelungen. Die Fotos werden den tatsächlichen Köpfen nicht gerecht.

Sie sind sehr schmal, wenn man direkt davor steht. Die Dreidimensionalität erreichen sie durch eine gewisse verzerrte Darstellung der Gesichter, sodass sie beim Betrachten wieder normal aussehen. Es hat etwas Surreales an sich. Aber wieder einmal hat es die Stadt geschafft, dass man über sie spricht, und das nicht nur im Kontext des Jedermanns. Dessen Aufführungen finden aktuell ebenfalls statt. Aber mit den Köpfen können die Texte, die darüber geschrieben werden, einen neuen Spin erhalten. Großartig. Schade nur, dass sie ab Ende August wieder weg sind. Ich hätte sie gerne in der Stadt verteilt gesehen.

Lesen, statt Scrollen

Mein E-Reader, ein handlicher Boox Palma 2, hat das Format eines Smartphones. Nur eben mit einem E‑Ink-Display. Das macht es leicht, ihn überallhin mitzunehmen oder einfach in die Hosentasche zu stecken. Auch wenn ich weder bei Instagram noch bei Ex-Twitter oder einem anderen sozialen Netzwerk angemeldet bin, ist die Versuchung des Smartphones groß. Sei es, kurz mal eben etwas zu googeln, auf YouTube herumzusuchen und Shorts anzuschauen oder zu kontrollieren, ob nicht doch ein Newsletter eingetrudelt ist, den man nicht lesen möchte. Alles Ablenkungen und kurzfristige Stimulationen für das Gehirn.

In den vergangenen Wochen bin ich nun dazu übergegangen, meine Taktik etwas zu wechseln. Wenn ich mit dem Zug in die Arbeit fahre, habe ich einen Rucksack dabei. Für Ausflüge nach Salzburg eine kleine Umhängetasche. Normalerweise werfe ich den E-Reader in diese Taschen hinein und habe das iPhone in der Hosentasche. Das ist insofern praktisch, als meine go-to-Unterhaltung, wenn ich unterwegs bin, Podcasts sind. Aber ich will mehr lesen und nicht ständig das iPhone in der Hand haben und auf den Bildschirm starren. Nun werfe ich also das iPhone in den Rucksack und habe den E-Reader in der Hosentasche. Eine kleine Änderung mit großer Wirkung.

Der Zugang zum iPhone ist so etwas umständlicher. Ich nehme stattdessen den E-Reader raus, wenn ich irgendwo warten muss oder ein paar Minütchen Zeit habe, und lese ein paar Seiten eines Buches oder einen Artikel, den ich mir auf Instapaper gespeichert habe. Ein E-Ink-Display ist eben etwas anderes als die OLED-Screens von Smartphones und Co. Manchmal liest man dadurch natürlich Seiten oder Absätze doppelt, wenn man sich nicht mehr genau erinnert, was zuletzt passiert ist, aber das verstärkt nur das Gelesene und somit das Erlebnis der Geschichte.

Lesen ist nichts, wofür man sich speziell Zeit nehmen oder ein elaboriertes Ritual daraus machen muss. Man kann natürlich beispielsweise abends eines daraus machen. Um runterzukommen und zu entspannen. Aber ansonsten kann man quasi immer und überall lesen. eReader machen das äußerst einfach. Aber selbst Taschenbücher lassen sich leicht mitnehmen. Wobei ich das noch genauer testen muss. In den vergangenen Monaten habe ich durch die äußerst einfache und komfortable Handhabung des Boox Palma 2 nur E-Books gelesen.

Mit der Zeit lernt man, schneller und intensiver in die Welten einzutauchen. Durch weniger Ablenkungen von Google, Social Media und anderen tollen Dingen, die das Internet einem bietet, denkt man länger über das Gelesene nach. Es kann nachwirken. Ich mag das. Natürlich haben die Tools des Internets ihren Platz, aber zwischendurch und nur als Ablenkung, weil man zwei Minuten Zeit hat, ist vielleicht nicht der richtige. Stattdessen lieber ein paar Seiten lesen. »Dungeon Crawler Carl« von Matt Dinniman zum Beispiel. Großartige Fantasyliteratur wie diese Reihe macht es umso leichter, das iPhone liegenzulassen und stattdessen weiter die Welt von Carl und Donut zu erkunden.

Homework for Life

Vor ein paar Monaten habe ich mit der Praxis »Homework for Life« aufgehört. Ja, ich weiß, das ist etwas kontraintuitiv. Ich habe Bullet Journaling mehr in den Fokus meiner täglichen Rituale gerückt und es fühlte sich für einige Zeit gut und richtig an. Doch ich vermisse es. So gut Bullet Journaling an sich ist und so gut es grundsätzlich funktioniert, so genial und einfach ist das Prinzip von »Homework for Life«. Matthew Dicks hat damit etwas Wunderbares geschaffen und ich möchte es nicht mehr aus meinem Leben missen.

Natürlich kann ich meine Notizbücher durchgehen und darin schmökern, was ich an diesem Tag vor drei Jahren gedacht oder getan habe. Eine Liste mit mindestens 365 Einträgen ist jedoch um einiges praktikabler. Also habe ich wieder damit angefangen. Es dauert vielleicht eine Minute, die Liste jeden Tag zu pflegen und ein Ereignis einzutragen. Diese Minute ist allerdings so viel wert. Ich mache es in einer Tabelle. Jeder Tag bekommt eine Zeile. Spalte 1 beinhaltet das Datum. In Spalte 2 trage ich das Ereignis ein, das mir am wichtigsten ist.

Manche würden jetzt wahrscheinlich sagen, dass es nicht jeden Tag etwas einzutragen gibt. Das stimmt aber nicht. Mit etwas Übung findet man jeden Tag etwas. Manchmal sogar mehr. Dann füge ich entsprechend viele Zeilen zu dem Tag hinzu. Matthew Dicks stellt die einfache Frage: Wenn ich jemandem für 5 Minuten von meinem Tag berichten müsste, was würde ich erzählen? Manchmal sind es tiefgreifende Gedanken, Gespräche oder Ereignisse, genauso oft aber etwas Alltägliches, das an diesem Tag aus irgendeinem Grund besonders war. Und so befüllt man die Tabelle. Zeile für Zeile, Tag für Tag.

Ich habe für mich gemerkt, dass es eine Praxis ist, die ich sehr gerne mache. Die Jahresübersicht zu haben, ist beeindruckend. Man überfliegt die Liste immer mal wieder und erinnert sich an Dinge, die man schon wieder vergessen hat. Die Zeit fliegt nicht mehr so schnell an einem vorbei, sondern verlangsamt sich. Man wird sich bewusst, was an einem Tag alles passieren kann. Ich kann »Homework for Life« nur empfehlen. Wer es lieber analog machen möchte: Es gibt von Leuchtturm ein 5-Jahres-Journal »Some lines a day«. Das eignet sich ebenfalls sehr gut für »Homework for Life«. Wie man es macht, ist nebensächlich. Es zählt die tägliche Praxis. Es ist die beste Hausaufgabe, die man bekommen kann.

Apokalyptischer Dungeon

Nachdem ich das Video von Daniel Greene gesehen habe, in dem er die komplette Fantasyliteratur zusammenfasst, begab ich mich auf die Suche nach einem Buch. Ich wollte mal wieder gute Fantasy lesen. In eine Welt eintauchen, die ich zuvor noch nicht gekannt oder auch nur davon gehört hatte. Etwas Neues. Erst habe ich überlegt, ob nicht »His Dark Materials« (Der goldene Kompass) diese Buchreihe sein könnte oder »Wheel of Time« (Das Rad der Zeit). Aber beide haben mich nicht wirklich gepackt. Die kommen später dran. Stattdessen habe ich mich für »Dungeon Crawler Carl« entschieden.

Diese Bücher gibt es aktuell nur auf Amazon, zumindest was die digitale Distribution anbelangt. Ich glaube, sie sind exklusiv und die komplette Reihe (bisher sind sieben Bücher erschienen) ist bei Kindle Unlimited verfügbar. Autor Matt Dinniman war sehr produktiv in den vergangenen Jahren. Allein 2021 sind drei Teile von »Dungeon Crawler Carl« erschienen, wenn ich das richtig gesehen habe. Demnächst soll ein Webcomic zu der Reihe erscheinen. Den Trailer dazu hat Daniel Greene in einem seiner »Fantasy News«-Videos angeschnitten. Dieser kleine Ausschnitt hat mich endgültig davon überzeugt, die Bücher zu lesen. Aber worum geht es eigentlich?

Der Anfang erinnert stark an »Hitchhiker’s Guide to the Galaxy« (Per Anhalter durch die Galaxis). Im Universum gibt es vielfältiges, intelligentes Leben. Komplexe politische Systeme, über die wir nach und nach mehr erfahren. Die Erde hat davon nichts mitbekommen. Eines Tages stürzen plötzlich, ohne Vorwarnung, sämtliche Gebäude mit Dach ein. Seien es Häuser, Pavillons, Autos, vielleicht sogar Regenschirme – einfach alles, was auch nur einem Dach ähnelt, wird dem Boden gleichgemacht. Unser Protagonist, der titelgebende Carl, steht zufälligerweise draußen und versucht gerade, die Katze seiner (Ex-)Freundin wieder einzufangen, die aus dem Fenster gesprungen ist.

Eine Stimme ertönt in den Köpfen der Menschen. Sie berichtet darüber, dass die »Borant Corporation« Regentschaft über das Sonnensystem hat und nun die Ressourcen der Erde beansprucht. Wir hätten Einspruch erheben können, aber die Frist ist längst verstrichen und das verantwortliche Büro viele Lichtjahre entfernt. Aber keine Sorge, denn Subsection 35 vom »Indigenous Planetary Species Protection Act« räumt den Bewohner*innen von Welten ein Recht ein, für ihren Planeten zu kämpfen. Wie viel das bringt, nachdem schon alles zerstört ist und der Großteil der Bevölkerung damit ausgelöscht wurde, sei einmal dahingestellt. Für diese „Kämpfe“ gibt es verschiedene Optionen. Die Borant Corporation hat sich für den »World Dungeon« entschieden. Ein Dungeon, unter der Erde, mit 18 Ebenen. Gefüllt mit Monstern, Bossen und NPCs. Wenn es jemand schafft, diese 18 Ebenen zu meistern, bekommen wir die Erde wieder? Ich bin mir nicht ganz sicher. Überall auf der Welt öffnen sich Portale und den Menschen bleibt die Entscheidung überlassen, ob sie auf der Oberfläche zu überleben versuchen oder sich im Dungeon probieren.

Carl rennt mit Princess Donut (so der Name der Katze) in das nächste Portal. Wo er sich gerade befindet, ist nämlich tiefster Winter. Und er trägt quasi nichts. Nur Boxershort, eine dicke Lederjacke, die er sich kurzfristig übergeworfen hat und pinke, zu kleine Crocs. Nun fängt er also an sich mit der Katze durch das Dungeon zu kämpfen. Wie das mit einer Katze genau funktioniert, dazu müsst ihr euch überraschen lassen. Es entspinnt sich ein Abenteuer, das seinesgleichen sucht. Denn das Dungeon ist aufgebaut wie ein Computerspiel – ein Rollenspiel, um genau zu sein. Carl (und auch Donut) bekommt einen Lebensbalken in sein Sichtfeld eingeblendet, einen Mana-Balken und sogar eine Minimap. Man kann sich hochleveln, Skills freischalten (die ebenfalls gelevelt werden können) und natürlich Achievements mit mal mehr, mal weniger nützlichen Belohnungen. Es gibt Kleidungsstücke und Schmuck mit Buffs, Waffen, die man findet, und so viel mehr. Eben alles, was ein Rollenspiel braucht, ist vertreten. Es ist fantastisch.

Vor allem gefällt mir, wie nach und nach die Welt immer größer und tiefer wird. Durch Itembeschreibungen erfährt man von verschiedenen Organisationen, Firmen oder sonstigen Einrichtungen, die es im Universum gibt. NPCs erzählen immer mal wieder kleine Schnipsel und so erhält man Schritt für Schritt ein immer vollständigeres Bild. Donut und Carl müssen zwischendurch Interviews machen. Dungeon Crawler ist natürlich eine der erfolgreichsten Shows im Universum und wird von Aberbillionen Wesen geschaut. Selbstverständlich gibt es Interviewshows, in denen die erfolgreichsten, beliebtesten Crawler eingeladen werden. Denn jeder Crawler (so der Name der kämpfenden Menschen im Dungeon) kann Follower, Favorites und Patrons akquirieren. Dadurch haben sie die Chance auf bessere Items und eventuell eine bessere Überlebenschance.

Die Welt von »Dungeon Crawler Carl« ist durchdacht und mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Zwar hatte ich bei manchen Aspekten immer mal wieder die Sorge, dass etwas mit der Zeit nervig werden könnte oder die ständigen Interviews langweilig werden würden. Doch Matt Dinniman findet die perfekte Balance. Das erste Buch bildet die ersten zwei Ebenen des Dungeons ab und das ist mehr als genug. Wenn er in diesem Detail weitermacht, freue ich mich auf die weiteren Bücher. Aktuell bin ich mitten im zweiten Teil. Carl und Donut sind fantastisch geschriebene Charaktere. Immer mal wieder bekommt man Schnipsel aus ihrer Vergangenheit mit, besonders natürlich von Carl, was ihn zu einem echten, nachvollziehbaren Charakter macht. Aber auch sämtliche NPCs und Nebencharaktere wirken ausgearbeitet. Als wären es echte Wesen mit einer turbulenten Geschichte, eigener Motivation und Antrieb.

»Dungeon Crawler Carl« ist mit recht eine äußerst beliebte Fantasy-Reihe. Sie ist actiongeladen, weiß aber ebenso ruhige, herzerweichende, tiefgründige Momente zu schaffen. Ich würde gerne das Regelbuch sehen, denn der detailgrad überrascht mich immer wieder. Standen sämtliche Regeln des Dungeon im Vorhinein fest oder arbeitet es Matt Dinniman zum Teil on-the-fly aus? Was auch immer es sein mag, er hat etwas einzigartiges geschaffen. Ich kann es kaum erwarten, in die nächsten Bücher und Ebenen des Dungeons einzutauchen.

MCU Intermission | Fantastic Four

Bevor Marvel die »first family« ins MCU einführt und ein hoffentlich würdiges, filmisches Abenteuer inszeniert, muss ich mir die früheren Versuche noch einmal anschauen. Dazu zählen vorwiegend die beiden Teile mit Ioan Gruffudd als Reed Richards, Jessica Alba als Susan Storm, Chris Evans als Johnny Storm und Michael Chiklis als Ben Grimm. Victor von Doom wird dargestellt von Julian McMahon. 20 Jahre ist dieser Film alt. Eigentlich ein schönes Jubiläum, dass Marvels first family nun ins MCU einzieht.

Als ich mir die Blu-Ray-Hüllen angesehen habe, war ich äußerst überrascht von der Laufzeit. Der erste Teil hat knapp über 100 Minuten, der zweite gerade einmal knapp über 90. Man sehe und staune, welch kompakte Filme man machen kann, wenn man sich auf eine Geschichte konzentriert und diese konsequent erzählt. Es gibt wenige bis keine Nebenhandlungen, Nebencharaktere werden auf ein Minimum beschränkt. Das ist äußerst erfrischend. Die Frage ist nur: Kann man sich Fantastic Four heute noch gut ansehen? Oder merkt man ihnen zu deutlich die Zeichen ihrer Zeit an?

Nein und Ja. Johnnys Umgang mit Frauen ist nicht gut gealtert. Der nicht gerade unterschwellige Sexismus, das Begrabsche und dauernde Heranmachen an die Frauen in seiner direkten Umgebung, ohne jede Rücksicht oder Scham oder auch nur einen Hauch von Nachdenken, tut weh. Dieser Aspekt des Films ist nicht einfach zu ertragen. Johnny ist allgemein ein Kind seiner Zeit. Die Aufmachung, seine Einstellungen, wie er gespielt wird, ist nicht mehr zeitgemäß. Seine »Witze« über Bens Aussehen und die Streiche, die er ihm spielt, sind ebenso überholt, wie sein übertrieben draufgängerisches Gehabe. Kaum zu glauben, dass Chris Evans später Captain America mimt.

Ich habe den ersten Film seit mindestens 17 Jahren nicht mehr gesehen. Doch ich konnte mich an gewisse Szenen und Augenblicke noch gut erinnern. Früher mochte ich den Film durchaus. Doch man war jung und naiv. Gelegentlich liest oder hört man Entschuldigungen, wie: Man muss den Film als das bewerten, was er ist, und berücksichtigen, aus welcher Zeit er stammt. Nur entschuldigt das gar nichts. Es ist einfach nur falsch und unverzeihlich. Besonders in einem Film wie Fantastic Four.

Doch auch die Entwicklung des Teams ist gespickt mit Klischees. Sie müssen sich zerstreiten und trennen, um am Ende doch zusammenzufinden. Die zugrundeliegende Origin-Story ist prinzipiell nicht schlecht und hätte viel Potenzial gehabt, zu etwas bemerkenswerten zu werden. Fantastic Four kommt aber nicht über seine großen Schwächen hinaus. Hier hätte man mehr Weitsicht beweisen müssen.

Der zweite Teil, Rise of the Silver Surfer, ist zwar besser als sein Vorgänger, doch er wiederholt ebenso viele Fehler. Johnny ist nicht mehr ganz so nervig wie zuvor, doch der gelegentliche Sexismus und seine Überheblichkeit trüben die Erfahrung des Films. Die Hochzeit von Susan und Reed ist so vorhersehbar wie langweilig. Die gescheiterte Hochzeit, die kalten Füße, das Crashen der Hochzeit von Silver Surfer und Reed, der nicht anders kann, als ein Gerät mitzubringen, das die Zeremonie nicht nur einmal unterbricht – all das strotzt nur so vor unkreativen Entscheidungen.

Am schlimmsten finde ich die schlecht geschriebenen Dialoge. Da kommen Logiklücken zum Vorschein, da wird selbst Silver Surfer neidisch. Reed wird nach dem ersten Scheitern seines Experiments vom Militär angeschnauzt und beschuldigt. Dabei waren sie es doch, die etwas von ihm wollten. Es ergibt alles keinen Sinn. Die Dialoge sind nur so geschrieben, weil den Autoren nichts Besseres eingefallen ist, um Dr. Doom wieder zurückzubringen. Dazu kommen noch offensichtliche Fehler. Beispielsweise das riesige Loch, das der Silver Surfer in die Seine in Paris macht. Das führt dazu, dass der ganze Fluss austrocknet. So funktionieren Flüsse nicht. Es würde trotzdem noch Wasser fließen, nur eben das Meiste in das Loch. Flüsse sind keine Becken, die man wie eine Badewanne ausleeren kann.

Ben und Alicia sind ein nettes Paar. Vor allem Alicia scheint die einzig vernünftige Person zu sein. Ben verkommt leider auch zu einem Comic-Relief, so wie eigentlich alle. Die ständigen Streite zwischen ihm und Johnny waren schon im ersten Teil nicht lustig. Einziger Lichtblick in dem Ganzen ist der Silver Surfer an sich. Ich finde ihn toll gemacht und für 2007 sind die Effekte nicht schlecht. Laurence Fishburne spricht den Charakter, was ihm sowieso einen großen Bonus verleiht. Aber grundsätzlich bekommt auch der Surfer nicht viel zu tun und kann daher nicht viel falsch machen. Galactus haben sie degradiert zu einer großen ominösen Wolke. Das ikonische Design von Jack Kirby sieht man nur andeutungsweise.

Es heißt ja immer »never meet your heroes«. Man wird enttäuscht sein. Ähnliches gilt für Serien und Filme, die man als Kind geliebt hat. Über die Jahre und Jahrzehnte redet man sich die Sachen schön, Erinnerungen sind sowieso konstanten Änderungen unterworfen und man vergisst Details, sodass die positiven Aspekte überwiegen. Ich hatte nur nicht vermutet, dass es bei der Fantastic Four Duologie genauso sein würde. Es sind einfach keine guten Filme. Schade. Dafür geht es in zwei Wochen mit Phase 5 des MCU weiter. Mal sehen, welche Überraschungen uns hier erwarten.

Und nein, den Reboot der Fantastic Four von 2015 schaue ich mir nicht an. Den musste ich bereits im Kino ertragen. Das reicht.