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Alkoholfrei

Im Februar diesen Jahres habe ich einen Dry January gemacht. Freund J. hat dies initiiert und ich habe mich solidarisch angeschlossen. Es fiel uns beiden nicht schwer, auf Alkohol zu verzichten. Es ist ein Genussmittel und genauso behandle ich es auch. Ich trinke nicht jeden Tag. Ein klassisches Feierabendbier ist mir fremd. Gelegentlich gibt es ein Glas Wein zum Abendessen, aber das ist auch schon das Höchste der Gefühle. Üblicherweise habe ich nur in Restaurants oder (Wein-)Bars Alkohol getrunken. Mir sind auch keine negativen Auswirkungen durch den Verzicht auf Alkohol aufgefallen. Keine Entzugserscheinungen oder ein permanentes unterschwelliges Verlangen danach. Bis ich meine Einstellungen zu diesem Experiment geändert habe.

Mir sind zwar keine negativen Effekte durch meinen Verzicht auf Alkohol aufgefallen, aber sehr wohl positive. Es reichen schon ein oder zwei Gläser Weißbier und dann vielleicht noch ein Glas Rotwein, um den Effekt von Alkohol zu spüren. Das hat natürlich Auswirkungen auf den Schlaf. Wenn ich mal länger unterwegs war, Freitagabend etwa, und am Samstag trotzdem früh aufstehen wollte, hat sich der Alkohol durchaus bemerkbar gemacht. Ich mag auch das Gefühl, angetrunken zu sein, nicht. Das bedeutet nicht, dass ich mich zugeschüttet habe. Wie gesagt, der Effekt von Alkohol kann sich schon nach ein oder zwei Gläsern Bier bemerkbar machen. Je nachdem, wie viel man verträgt, was man gegessen hat oder wie die Tagesverfassung ist. Dieses Gefühl habe ich nicht vermisst.

Diese positiven Auswirkungen haben mir gefallen. So ist aus einem trockenen Februar ein trockenes halbes Jahr geworden. Meinen letzten Tropfen Alkohol habe ich im März getrunken. Das war ein Gläschen Rotwein an einem lauen Frühlingstag in Salzburg. Ich schreibe immer wieder, dass ich gerne in den Stieglkeller gehe oder eine Weinbar besuche. Doch in diesen Etablissements gibt es auch alkoholfreie Getränke. Ich mag die Sportweiße von Stiegl und in der Weinbar gibt es Eistee oder gute Fruchtsäfte.

Ich hatte immer wieder Befürchtungen, dass es mir schwerfallen würde, keinen Alkohol zu trinken. Weniger aus einem inneren Verlangen heraus, sondern mehr aus gesellschaftlichem Druck, wenn man es so bezeichnen möchte. Doch diese Befürchtungen haben sich bisher nicht eingestellt. Bei Grillfeiern fragt man einfach nach alkoholfreien Alternativen oder bringt eigene mit. In Bars kann man sich durch die alkoholfreien Cocktails und Biere testen, was ich mittlerweile äußerst genieße und immer wieder erstaunlich köstliche Getränke zum Vorschein bringt. Mir fehlt der Alkohol nicht und ich schätze die positiven Auswirkungen, die durch den Verzicht darauf zum Vorschein gekommen sind. Ich habe nicht vor, wieder mit dem Trinken von Alkohol anzufangen. Im Zweifel bediene ich mich eben beim Wasser. Dem besten aller Getränke.

MCU Rewatch | The Marvels

Vor wenigen Minuten liefen die letzten Zeilen der Credits von The Marvels über meinen Fernseher. Es war das erste Mal, dass ich diesen Film gesehen habe. Es ist das letzte Mal, dass ich diesen Film gesehen habe. Ich habe ehrlich keine Ahnung, was gerade passiert ist. Wie beim sprichwörtlichen Autounfall kann man einfach nicht wegsehen. Ich weiß nicht, was die Handlung war. Ich kenne kaum welche von den Protagonist*innen. Es wird nichts wirklich erklärt. Aber von vorne.

Wir steigen ein, mit einem Bild einer toten Sonne, vielleicht. Schwer zu sagen, ohne Kontext. Dann sind wir auf einem Mond, ob es unser Mond ist oder irgendwo anders (er ist irgendwo anders), ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Eine Frau mit Ronans Hammer sucht einen Armreif, der ihr Kräfte gibt. Warum? Keine Ahnung. Wie sie heißt? Keine Ahnung. Ich bin mir nicht sicher, ob ihr Name je fällt. Sie wirkt weder furchteinflößend, noch wird je so richtig ausgearbeitet, wer sie ist, was sie will, warum sie tut, was sie tut. Zawe Ashton mag eine tolle Schauspielerin sein, aber hier ist sie fehlbesetzt. Außerdem gibt ihr das Drehbuch nie wirklich was zu tun.

Dann kommt Kamala Khan. Sie ist in ihrem Kinderzimmer. Hat eine unfassbare Anzahl an Captain-Marvel-Zeug an ihrer Wand und zeichnet fiktive Comics über deren gemeinsame Abenteuer. Sie nennt sich sogar Ms. Marvel. Was ihre Kräfte sind? Wenn ich die Comics nicht gelesen hätte, wüsste ich es nicht. Es wird kaum erklärt. Ihre Familie (Vater, Mutter, Bruder) bleibt, glaube ich, namenlos? Außer dass sie sich Sorgen um Kamala machen, bekommen sie nichts zu tun. Nur, dass ihr Haus sinnlos zerstört wird. Was Kamala will, erfährt man ebenso wenig. Das Einzige, was ihr als Motivation gegeben wird, ist, dass sie Captain-Marvel-Fangirl ist. Das war’s.

Carol Danvers aka Captain Marvel, liegt in ihrer ersten Szene auf dem Bett. Sie hat ein Gerät auf dem Kopf, das ihr helfen soll, verlorene Erinnerungen hochzubringen. Wir bekommen Rückblenden zum ersten Film, sehen, was passiert ist. Sie bekommt eine Einführung. Warum nicht auch Kamala? Carol bekommt in dem Film noch am ehesten eine Story-Arc, wenn man es so benennen möchte. Sie hat wegen etwas ein schlechtes Gewissen und wird von den Kree als »the Annihilator« bezeichnet. Eine Referenz auf die Comics, die hier völlig unangebracht ist, weil es eine andere Geschichte ist. Carol hat Monika seit ihrer Kindheit nicht mehr gesehen. Zwischen den beiden passiert auch so etwas wie ein Story-Arc, aber das geht in all dem Wirrwarr des Films unter.

Monika hat allerdings nun auch Kräfte. Sie kann irgendwas mit dem Lichtspektrum machen und Energie in sich speichern, glaube ich. Wird auch nicht näher erklärt. Ich habe es schon in WandaVision nicht richtig verstanden. Da die Kräfte von Monika, Carol und Kamala auf Licht basieren, teleportieren sie sich an die jeweilige Position der anderen, wenn sie zufällig gleichzeitig ihre Kräfte benutzen. Nein, ich denke mir das nicht aus. Warum das so passiert? Keine Ahnung. Weil Licht. Deal with it. Dieses Hin- und Herwechseln soll wahrscheinlich lustig sein, mir tat hauptsächlich das Haus von Kamalas Familie leid, die unschuldig in die ganze Sache hineingeraten ist. Das Teleportieren ist am Ende des Films wieder weg. Auf mysteriöse Weise. Weil Drehbuch. Niemand hinterfragt es oder erklärt, warum das so war.

Die Bösewichtin wird nie erklärt. Ihre Motivation bleibt völlig im Dunkeln und es ist ein wirklich schlecht geschriebener Charakter. Überhaupt fehlt dem Film der erste Akt. In der ersten Hälfte des Films (er dauert zum Glück nur knapp 100 Minuten; ohne Credits) habe ich mich immer wieder gefragt, worum es geht, aber niemand erklärt es. Weder die Charaktere noch der Film an sich noch lässt es sich aus dem Kontext schließen. Nichts. Ich weiß nicht, was die Charaktere wollen, weil niemand es erklärt. Ich kann mich nicht für Charaktere interessieren, wenn ich nicht weiß, warum es mich kümmern soll. Es dauert über 50 Minuten, bis wir etwas Hintergrundwissen bekommen. Und erst kurz vor dem Finale erfahren wir, was Carol gemacht hat. Und es ergibt dann immer noch keinen Sinn.

Im Grunde ist es wie Spaceballs. Es gibt sogar eine Szene im Film, wo einem Planeten die Luft abgesaugt wird. Nur die »Weltraum-Putze« fehlt. Jedenfalls hat Carol nach den Ereignissen des ersten Films die »supreme intelligence« der Kree zerstört. Aus irgendeinem fadenscheinigen Grund war deshalb die Luft auf ihrem Planeten weg und ihre Sonne ist erkaltet? Dann gab es einen Kree-Skrull-Krieg. Der »Kree-Skrull-War« ist eine DER Geschichten aus der frühen Marvel-Zeit, die immer wieder gelobt wird. Das MCU überspringt den einfach und wir bekommen nur eine kleine Zusammenfassung? Wie kann Carol die »supreme intelligence« einfach so zerstören? Carols Zusammenfassung klingt sehr viel spannender als alles, was in dem Film tatsächlich passiert. Kommt das in einer Serie vor? Es sollte kein Muss sein, die Serien anzuschauen. Die Filme sind der Kern. Die Serien nur Bonus.

Das ist ein viel zu langer Text für so einen schlecht geschriebenen Film. Die Tonalität ist inkonsistent (ich habe noch gar nichts von dem Highschool-Musical-Planeten erzählt) und die Charaktere bekommen quasi keine echte Motivation. Neue Charaktere werden nicht eingeführt. Wie Carol mit Valkyrie Kontakt aufnimmt oder sie kennt, außer dass sie kurz in Endgame gemeinsam gegen Thanos gekämpft haben, erklärt auch niemand. Das Ende mit den Katzen fand ich weder lustig, sondern eher befremdlich. Dass dieser Unfall über 300 Millionen Dollar gekostet haben soll, verstehe ich noch weniger als die Story. Am Ende frage ich mich einfach nur: Warum?

Hitze und Sport

In den vergangenen Wochen bin ich äußerst motiviert, Sport zu treiben. Noch mehr als üblich. Ich verausgabe mich gerne. Besonders die 30-minütigen Einheiten von anstrengendem Krafttraining mit Apple Fitness Plus mache ich gerade sehr gerne. Abwechselnd Oberkörper und Beine, dann sind vier Einheiten in der Woche kein Problem. Nur mit dem schwülen Wetter und drückender Hitze, so wie es an manchen Tagen im Moment ist, wird das sehr anstrengend. Man schwitzt und es fordert einen mehr. Daher muss man auch mehr trinken. Dazu noch ein Proteinshake am Tag und ich dachte, das wäre damit erledigt.

Dazu kommen noch Ausflüge nach Salzburg. Die sind zwar an sich nicht so anstrengend, aber dafür die Fahrt in die Stadt selbst. Bei der Lokalbahn hat man die Klimaanlagentechnik noch nicht entdeckt. Das heißt, die metallenen Boxen, die sich Züge schimpfen, verwandeln sich im Sommer in einen Ofen. Besonders heftig war der Freitag, an dem ich mir ein Theater in der Festung angesehen habe. Die Fahrt nach Salzburg war alles andere als angenehm. Das hat man auch den anderen Fahrtgästen angemerkt. Es wird Zeit, dass die neuen Garnituren ankommen. Aber das dauert wohl noch ein bis zwei Jahre.

Wenn man viel schwitzt, muss man viel trinken. Der Wasserhaushalt leidet an solchen Tagen besonders. Doch was ich wirklich unterschätzt habe, ist, wie viele Mineralien und Elektrolyte der Körper verliert. Denn besonders in der vergangenen Woche habe ich mich erschöpft und ausgepowert gefühlt. Erst konnte ich mir nicht so recht einen Reim darauf machen, was die Ursache sein könnte. Dann habe ich mir bei der Apotheke entsprechende Brausetabletten besorgt, die den Körper unterstützen, die abgebauten Stoffe wieder aufzufüllen. Schon nach nur einem Tag habe ich einen Unterschied bemerkt. Wer also viel Sport treibt oder allgemein viel in Bewegung ist bei dieser Hitze, dem kann ich nur empfehlen, in die Apotheke zu gehen und sich etwas beraten zu lassen.

Was für den Menschen gilt, gilt im Übrigen auch für Tiere. Letzte Woche habe ich den Kater so sehr hecheln und Speichel spucken gesehen wie nie zuvor. Die Hitze und eine gerade überwundene Darmentzündung haben ihm ordentlich zugesetzt. Sorgt also für genügend Flüssigkeit. Wir überzeugen ihn mit einer 1:1-Mischung aus Wasser und Katzenmilch. Und natürlich ausreichend Nassfutter. Aber man merkt ihm auch sein stolzes Alter von 14 Jahren an. Mit etwas Vorbereitung und Achtsamkeit steht einem schönen Spätsommer (kann man es schon so bezeichnen?) nichts mehr im Weg.

Portionsgrößen

Ein kulinarischer Ausflug durch Salzburg beginnt im Sommer stets im Stieglkeller. Die Aussicht ist fantastisch, man ist vom Lärm der Stadt weg und kann sich in Unterhaltungen verlieren. Doch bereits das zweite Wochenende in Folge musste dort auch gespeist werden. Das liegt an der aktuellen Schwammerlsaison. Man findet auf der ersten Seite der Speisekarte diverse Eierschwammerlgerichte, die natürlich probiert werden müssen. Letztens war es die klassische Eierschwammerlsauce mit Serviettenknödel. Die Schwammerl waren grob geschnitten und von erstaunlicher Größe. Es schmeckte herrlich.

Dieses Mal habe ich mich für eine Eierschwammerlcremesuppe entschieden. Ich wollte nicht zu viel essen und hatte keinen besonderen Appetit, also habe ich mich mit zwei vermeintlichen Vorspeisen begnügt. Das war zum einen die eben genannte Suppe und zum anderen eine klassische Brettljause. Da sie mit der Suppe unter den Vorspeisen geführt war, ging ich von einem überschaubar belegten Brettl aus. Ein bisschen Wurst, ein bisschen Käse, ein bisschen Brot und vielleicht noch ein bisschen Aufstrich. Die Gerichte wurden kurz nach Bestellung auch schon auf dem Tisch platziert.

Die Suppe schmeckte gut, nur leider waren die Schwammerl fein püriert. Ich hatte mir etwas Bissfesteres erhofft. Dann kam die Jause. Das Brettl war wie erwartet kleiner und auf den ersten Blick überschaubar bedeckt. Doch unter einem Häufchen grünen Salats, der mit Kren gemischt war, verbargen sich doch noch einige kulinarische Schätze. So war das Essen deutlich üppiger als gedacht. Trotzdem schmeckte es sehr gut. Zu Hause esse ich in letzter Zeit häufig Tomaten aus dem eigenen Garten, die kiloweise gepflückt werden können, in unterschiedlichen Konstellationen. Da ist eine klassische Brettljause eine gute Abwechslung.

Den Nachmittag bzw. Abend hat man dann auf der Steinterrasse ausklingen lassen. Wir erwischten einen Platz in der vordersten Reihe. So bot sich ein fantastischer Blick auf die Stadt. Es wurden leckere Getränke geschlürft, die ein oder andere Biene verscheucht und der rege Verkehr auf der Staatsbrücke beobachtet. Ein gelungener Nachmittag.

Supernatural | S01E01 | Pilot

Wir beginnen diese Folge mit einem Zeitsprung von 22 Jahren. Da die Serie 2005 gestartet ist, befinden wir uns also wahrscheinlich im Jahr 1983. Baby Sammy wird von seiner Mutter ins Bett gebracht, bevor sich diese ebenso schlafen legt. Das Babyfon weckt Mary allerdings in der Nacht auf. John ist nicht im Bett. Sie geht zu Sammy. Scheinbar steht John über seinem Bett und kümmert sich um ihn. Auf dem Weg zurück ins Schlafzimmer sieht Mary allerdings einen schlafenden John auf dem Sessel sitzen. Panik. Entsetzen. Sie läuft nach oben. Ein Schrei. John wacht auf und kann nur dabei zusehen, wie seine Frau von Flammen verschluckt wird und kann gerade so seine beiden Söhne, Sammy und Dean, retten. Das Schicksal der Winchester-Familie nimmt ihren Lauf.

Es ist eine spannend gemachte Sequenz. Dunkel, düster, wenig Dialog. Aber ausufernden Dialog braucht es auch nicht. Die Bilder, der Sound, alles spricht eine deutliche, visuelle Sprache. Wenn man jetzt völlig frei vom Wissen der Serie und Prämisse an die Folge herangeht, weiß man gar nicht, dass der Kern der ersten Staffeln eine Jagd nach einem Dämonen ist. Nicht einmal John weiß, was seine Frau getötet hat. Nur, dass es mit etwas Übernatürlichem zu tun haben muss. Sonst wäre sie nicht an der Decke gehängt und von unnatürlichen Flammen verschluckt worden. Deshalb sehen die Effekte auch heute noch gut aus. Es sollen am Anfang der Sequenz keine realistischen Flammen sein. Es ist Höllenfeuer oder etwas Ähnliches. Ein toller Einstieg in den Piloten.

Regie führte im übrigen David Nutter, der sich ebenso für die zweite Folge verantwortlich zeichnen wird. Leider hat er für Supernatural ansonsten keine Folgen als Regisseur mehr begleitet. Eine kleine Recherche hat ergeben, dass er im Serienbereich durchaus bekannt ist. Er war bei vielen Projekten beteiligt und hat zwischen 1995 und 2011 sechzehn Piloten gedreht, die alle als Serie umgesetzt wurden. Von Space: Above and Beyond (1995) über Dark Angel (2000) und Smallville (2001) hin zu Tarzan (2003), Terminator: The Sarah Connor Chronicles (2007) und The Mentalist (2008). Erst mit The Doctor (2011) endete dieser Lauf. Er hat eine beeindruckende Filmografie.

Nach dem Zeitsprung in die Vergangenheit geht es in die Gegenwart zur Stanford University, wo sich Sam ein Leben als Student aufgebaut hat. Er hat eine Freundin, scheinbar einen guten Freundeskreis und ist drauf und dran, Jurist zu werden oder zumindest in diese Richtung studieren zu wollen. Wenn ihm da sein Bruder nicht einen Strich durch die Rechnung machen würde. Der Kampf und vor allem die Neckereien sind ein Markenzeichen der Brüder und der Serie. Schon im Piloten wird klar, dass sie sich vertrauen. Vor allem, wenn es um übernatürliche Sachen geht, also ihren Job, dann schalten sie in einen professionellen Modus um und konzentrieren sich auf die Sache. Sie wissen, was der andere tut, agieren intuitiv und schnell. John hat sie eben gut ausgebildet, als »warriors«, wie es Sam nennt.

Was auch klar wird, sind die Weltanschauungen von Sam und Dean. Sam sieht den Job, den sie von Kindheit auf gelernt haben, als etwas, das sie nicht ihr Leben lang machen müssen. Es gibt Alternativen. Er wünscht sich eine Familie, vielleicht Kinder. Ob es aber etwas ist, wo er in Ruhe leben kann, wo er doch weiß, was da draußen, in der Dunkelheit wartet? Dean auf der anderen Seite folgt seinem Vater, macht, was dieser (scheinbar) von ihnen will und tut alles, was er sagt. Er ist ein Jäger durch und durch. Dean lebt in dieser Welt, ist in ihr zu Hause. Für ihn gibt es kein normales Leben, weil die Jagd dieses normale Leben ist, sofern es dieses Konzept überhaupt geben kann. Diese Dichotomie so früh zu etablieren, war für die Serie wichtig. So versteht man als Zuschauer*in, wo unsere Protagonisten stehen, und warum sie das tun, was sie tun.

So muss Jess, Sams Freundin, als motivierender Faktor sterben, damit Sam seine Reise antreten kann. Sowohl Sam und Deans Mutter, Mary, als auch Jess, sind, wenn wir uns eines Begriffs aus der Comic-Welt bedienen, gefridged worden. Ihr Dasein, erst einmal, dient nur dazu, um unsere Protagonisten auf ihrer Heldenreise zu motivieren. Sie sind der Startschuss, ohne den diese Serie nicht losgegangen wäre. Mutig finde ich von der Serie, zwei Frauen auf die gleiche Art zu töten. Das hängt natürlich damit zusammen, dass es dasselbe Wesen sein muss und für die Protagonisten als auch die Zuschauer*innen klar sein muss, wer es war. Trotzdem ist es viel, innerhalb von 40 Minuten zweimal auf denselben Effekt zu setzen. Allerdings muss man Eric Kripke zugutehalten, dass es sehr effektiv ist und funktioniert.

Der Rest der Episode ist der typische Fall der Woche. Ein Konzept, das uns noch ein paar Staffeln begleiten wird. Mit der Zeit nehmen übergreifende Fälle und Themen zu, aber erst einmal etablieren wir die Welt und die Charaktere von Supernatural sowie die Dynamik der Winchesters durch das Monster der Woche. Im Piloten ist es die »Woman in White«, die Männer bestraft, die ihre Frauen betrügen. Die Effekte sind gut gemacht, und der Fall an sich spannend. Die Auflösung ist vielleicht etwas simpel, funktioniert für mich aber recht gut. Der Geist, Constance Welch, kann nicht nach Hause, also fährt Sam das Auto einfach in die Ruine des Hauses. Einfach, aber effektiv. So muss sie sich den Geistern ihrer toten Kinder stellen, die sie im Bad ertränkt hat. Kein einfaches Thema, für eine erste Folge. Aber auch dafür steht Supernatural, dass eben auch schwierige Themen behandelt werden. Mal sehen, wie sich das wirklich fortsetzt oder ich mir das in meiner Erinnerung schönrede.

Was ich mir überlegt habe, ist, dass ich die Kilometer sammle, sofern möglich, die die Brüder im Laufe der Zeit zurücklegen. Dieses Mal fahren sie von Stanford nach Jericho, beides liegt in Kalifornien. Leider ist Jericho eine fiktive Stadt. Also schon mal ein guter Anfang, wenn die erste Stadt der Serie nicht existiert. Was ich allerdings dank Google Maps gefunden habe: Es gibt eine Breckenridge Road in Kalifornien. Das ist der Name der Straße, wo die »Woman in White« ihr Unwesen treibt. Wenn wir das als Punkt verwenden, wo diese fiktive Stadt in etwa sein soll, dann sind es rund 470 km pro Strecke. Das heißt, in der ersten Folge haben die Winchesters bereits 940 km auf dem Tacho.

Der Pilot von Supernatural ist ein toller Auftakt für die Serie. Selbst 20 Jahre später kann man sich die Folge noch gut anschauen. Die Menge an Effekten wird gering gehalten und wenn, dann gut eingesetzt. Dem zuträglich ist natürlich der finstere Look der Serie. Dean und Sam bekommen es ebenfalls schon mit dem Gesetz zu tun und ihnen wird Johns berühmtes Journal überreicht. Es darf Deans Liebe für sein Auto, einen schwarzen 1967er Chevrolet Impala, genauso wenig fehlen, wie die fantastische Musik. Alle Zutaten liegen also bereit. Wir kennen die Protagonisten, wir wissen ihr Ziel und was sie machen. Starten wir also unseren Rewatch von Supernatural.

Warum warten?

Es ist bereits etwas länger her, dass ich mit einem Rewatch zu »Supernatural« bzw. »Charmed« angefangen habe. Doch weiter als Episode 6, respektive 2, bin ich noch nicht gekommen. Es sind Spiele und Bücher dazwischengekommen, die meine Aufmerksamkeit erforderten. Nicht zu erwähnen all die anderen Dinge, die im Leben nun einmal passieren. Die Texte dazu habe ich mir aufgehoben. Ich hatte eine Idee und einen Plan ausgearbeitet, wann und wie ich die Episodenbesprechungen veröffentlichen möchte. Doch: Warum warten?

Es geht hier in diesem Blog darum, spontan zu sein und über die Dinge zu schreiben, die mich beschäftigen und interessieren. Wenn es ein Aufkeimen nostalgischer Gefühle ist, sich alten Serien zuzuwenden, dann ist das eben so. Wenn dieses Gefühl von etwas anderem abgelöst wird und sich so der Rewatch und die Veröffentlichung der Texte dazu verzögern, dann ist das auch in Ordnung. Immerhin habe ich es geschafft, den »MCU Rewatch« jeden Samstag durchzuziehen. 56 Texte, fast 48.000 Worte und mindestens jede Woche ein Text dazu. Während ich in Island war, gab es sogar jeden Tag einen Text zu den X-Men-Filmen. Ein tolles Projekt, das mir viel Freude bereitet hat.

Doch Serien sind ein anderes Kaliber. Wie ich im ersten Text zu Charmed geschrieben haben werde (der Text kommt im September), sind es über beide Serien verteilt über 500 Episoden. Das sind 500 Texte. Diese Projekte benötigen Zeit. Sie werden mich über Jahre begleiten, wenn ich sie denn wirklich so durchziehe. Ich lasse mich überraschen. Man muss nicht immer alles penibel planen. Vor allem wenn es um ein Hobby geht, das einem Spaß machen soll, wo Leidenschaft dahintersteckt. Zu viel Planung oder ein zu restriktives Vorgehen können dieser Leidenschaft manchmal im Weg stehen.

Die ersten Texte zu Supernatural erscheinen bereits. Charmed folgt dicht dahinter. Kommen noch mehr Texte? Wahrscheinlich. Aber wann genau das sein wird und in welcher Frequenz, das werden wir herausfinden.

Die Suche nach einem eReader

Eigentlich könnte es so einfach sein. Ein ePaper-Display, ein handliches Format, eine entsprechende, angepasste Version von Android als Betriebssystem und nicht zu teuer. Vier Komponenten, die man wohl zusammenbringen kann? Es gibt eReader wie Sand am Meer. Jede Firma und jedes Unternehmen hat einen eigenen eReader. Es sollte doch möglich sein, einen passenden zu finden. Doch weit gefehlt. Weiterhin scheint Amazon die einzige Firma zu sein, die in der Lage ist, einen wirklich herausragenden eReader zu produzieren. Und in all dem Gewusel von Alternativen habe ich nur einen einzigen gefunden, der dem auch nur nahekommt. Aber alles der Reihe nach.

Ich habe mein iPhone gegen ein Android-Gerät eingetauscht. Wobei „eingetauscht“ zu hoch gegriffen ist, denn das TCL 60 SE NXTPAPER ist sehr viel günstiger als das iPhone. Ich berichtete (Android). Da ich nun ein Gerät hatte, das sowohl als Smartphone fungiert als auch ein angenehmes Display zum Lesen aufweist, wollte ich noch einen größeren eReader. Der Boox Palma 2 ist ein tolles Gerät, aber die größeren Geräte, die etwa das Format eines Kindle Paperwhite aufweisen, sind durchaus verlockend. Also habe ich mich umgesehen, was es so gibt.

Kindle, Kobo und Tolino fallen gleich mal raus. Der Kindle aus moralischen Gründen und die anderen beiden, weil ich dort ebenfalls in einem Ökosystem gefangen bin. Ich kann keine anderen Apps installieren, geschweige denn meine Kindle-Bücher darauf lesen. Marken wie Pocketbook oder Remarkable sind zwar etwas offener, aber auch dort kann ich keine Kindle-Bücher lesen. Schließlich hat sich noch die Frage gestellt: Lohnt sich ein eReader mit Farbdisplay? Schlussendlich bin ich also wieder bei Boox gelandet und habe mir den »Go 7 Color (Gen 2)« bestellt.

Für schlappe 300 € bekommt man hier ein Gerät mit einem Farbdisplay. Erst hatte ich es bei Boox direkt bestellt. Diese hatten aber Lieferschwierigkeiten (warum auch immer), also habe ich es dort storniert und bei Amazon bestellt. Zwei Tage später war das Gerät in meinen Händen. Bereits das Einrichten des Go 7 war mühsam. Der Touchscreen fühlte sich nicht zuverlässig an, das Farb-eInk-Display überzeugte mich nicht wirklich und wirkte unscharf. Testweise habe ich ein bisschen darauf gelesen, doch wirklich Freude machte es mir nicht. Jedes Mal, wenn ich mit dem Betriebssystem interagieren musste, war es mir ein Graus. Und es hatte eine eigene Oberfläche. Der Boox Palma 2 hat Android und ich kann den Homescreen so einstellen, wie ich das haben möchte. Bei Go 7 ist man um einiges restriktiver.

Bei der Handhabung des Gerätes schwebten mir immer wieder die 300 € vor Augen, die dieses Gerät kostet. Das sind 50 € mehr als mein TCL-Smartphone und 100 € mehr als der Palma 2. Und dafür ist der Go 7 Color (Gen 2) einfach nicht gut genug. Ich habe ihn wieder fein säuberlich verpackt und zurückgeschickt. Ich behalte mir also erst einmal den Palma 2. Es ist ein handliches Gerät, das Betriebssystem ist flott, der eInk-Bildschirm reagiert schnell und zuverlässig. Es ist und bleibt ein fantastisches Gerät.

Doch mein Leseverhalten darauf hat sich geändert. Immerhin hat das TCL-Smartphone mit dem NXTPAPER-Display ein sehr ähnliches Verhalten wie ein eInk-Display. Es ist immer wieder erstaunlich, zwischen den verschiedenen Modi hin und her zu schalten. Für den Falter, die Salzburger Nachrichten, gespeicherte Texte in Instapaper, Newsletter oder sonstige Texte benötige ich den Boox Palma 2 nicht mehr. Diese Lücke schließt das TCL-Gerät bravourös selbst. Ich benötige den Palma 2 eigentlich nur mehr zum Lesen von eBooks. Dafür reicht er vollkommen aus. Nur: Manchmal wäre ein größeres Gerät praktisch. Mal sehen, ob mir noch ein passendes Gerät vor die Füße läuft.

Das Problem ist nur, dass man an Kindle-Bücher nicht vorbeikommt. Gewisse Autor*innen vertreiben ihre Sachen exklusiv über Amazon bzw. müssen es so machen, um überhaupt eine Möglichkeit zu haben, gehört zu werden. Ich kann nur immer wieder den YouTube-Kanal von Daniel Greene empfehlen, der die Probleme mit Amazon und Audible wunderbar erklärt. »Dungeon Crawler Carl« zum Beispiel gibt es aktuell nur bei Kindle (Unlimited). Genauso wie einige andere Fantasy-Reihen und Bücher, die ich noch gerne lesen würde. Amazon ist einfach zu groß und mächtig, als dass man der Firma als Publisher den Rücken zukehren könnte. Hier ist es tatsächlich so, dass man dagegen nur auf höherer Ebene etwas machen könnte. Als Leser*in sind einem quasi die Hände gebunden.

Keine Frage, es gibt tolle Alternativen. Ich kaufe mir gerne bei Thalia oder über HumbleBundle und andere Stores meine eBooks. Doch meist lese ich sie dann trotzdem über die Kindle-App. Deshalb ist die Frage, ob ein Kindle Paperwhite nicht doch die bessere Wahl ist. Schwierige Entscheidung. Wie gesagt: Aktuell reicht der Boox Palma 2. Der nächste Black Friday könnte natürlich gewissen Entscheidungen einen Schubs in eine bestimmte Richtung geben. Wie wir schon des Öfteren festgestellt haben: Manchmal ist das Beste, was man machen kann, nichts zu tun.

MCU Rewatch | Guardians of the Galaxy: Volume 3

Ich glaube, der dritte Teil von Guardians of the Galaxy ist mein liebster Marvel-Film seit Endgame. Ich zähle ihn allgemein zu einem der besten »Superheldenfilme«, wenn man diesen überhaupt so bezeichnen kann. Er schafft das Unmögliche und schließt eine Trilogie perfekt ab. Und das mit einer Geschichte, die mich emotional mehr mitgerissen hat als alle anderen einunddreißig Filme. Es ist ein »emotional rollercoaster«, wie man im Englischen so schön sagt. Außerdem hat er über 100 Millionen Dollar weniger gekostet als Quantumania, sieht aber um Welten besser aus und das bei einer längeren Laufzeit. Er zeigt, was mit einer klaren Vision alles möglich ist.

Das Einzige, wo ich mir nicht ganz sicher bin, ist, ob Volume 3 ohne Kontext funktioniert. Doch wer schaut sich schon einen dritten Teil einer Filmreihe an, ohne die anderen beiden gesehen zu haben? Und das ist das Schöne an den Guardians-Filmen. Sie zeigen, dass es sehr wohl möglich ist, innerhalb eines größeren Ganzen eine abgeschlossene, kohärente Geschichte zu erzählen. Die Trilogie kann sowohl für sich stehen, trägt aber auch die Saga des MCU weiter. Man lernt die Charaktere immer besser kennen. Wir wissen, wie sie zueinander stehen. Jetzt, im dritten Teil, kann man dieses Vorwissen voll ausnutzen.

Es ergibt Sinn, dass der dritte Teil sich um Rockets Ursprung dreht. Zwei Filme lang wurde es angedeutet und gelegentlich darauf verwiesen. Doch Rocket hat nie darüber geredet. Nun sehen wir die schonungslose Wahrheit dessen, was passiert ist. Erneut gelingt es James Gunn, dass mir CGI-Charaktere ans Herz wachsen, ich um sie trauere, mit ihnen mitfiebere. Ein gutes Drehbuch und gut geschriebene Dialoge, gepaart mit fantastischen Effekten, können so etwas erreichen. Nicht zu vergessen die begnadeten Sprecher dieser Charaktere. Allen voran natürlich Bradley Cooper.

Gunn schreckt nicht davor zurück, die brutalen Operationen anzudeuten, die Rocket widerfahren sind. Man sieht es nie konkret, doch hört man es sehr wohl. Man sitzt genauso schockiert da wie die Guardians, die sich die Bilder ansehen. Dadurch, dass man es lediglich hört, aber nicht sieht, stellt man es sich wahrscheinlich sehr viel schlimmer vor. Eine sehr wirkungsvolle Methode, hier perfekt eingesetzt. Doch auch die Kameraden von Rocket, die anderen Experimente des High Evolutionary, zeigen, wozu dieser Bösewicht alles fähig ist. Chukwudi Iwuji verkörpert diesen Wahnsinn mit einer herrlichen Inbrunst. Es ist großartig, wie erschreckend.

Aber da es wahrscheinlich der letzte Guardians-Film ist, den James Gunn gemacht haben wird, hat jeder Charakter mindestens einen Moment im Rampenlicht. Sei es Drax (Dave Bautista), der seine sanfte Seite zeigen darf. Mantis (Pom Klementieff), die zeigt, dass sie mehr kann, als man ihr zutrauen würde. Nebula (Karen Gillan) macht sowieso immer Freude, sie in ihrer Entwicklung zu beobachten. Peter (Chris Pratt) erholt sich langsam davon, Gamora (Zoe Saldaña) verloren zu haben, die sich hier durchaus für die Guardians erwärmen kann und sieht, wofür sie einstehen. Groot (Vin Diesel) hat natürlich ebenfalls fantastische Momente und zeigt uns erneut neue Fähigkeiten und Tricks. Neu mit dabei ist Will Poulter als Adam Warlock, der leider etwas wenig zu tun bekommt, aber vielleicht in Zukunft einmal einen größeren Auftritt hat. Natürlich kommen alte Bekannte ebenso vor.

Es war das zweite Mal, dass ich Volume 3 gesehen habe. Er hat mich allerdings erneut mit seiner genialen Story mitgerissen. Erneut bin ich erstaunt, wie James Gunn es scheinbar mühelos schafft, keinen Charakter zu vernachlässigen, eine kohärente Geschichte erzählt und dabei auch noch seine Trilogie perfekt abschließt. So etwas bekommt man selten zu sehen. Manchmal werden andere Regisseur*innen eingesetzt oder es sind zu viele Autor*innen beteiligt. Das merkt man. Guardians of the Galaxy: Volume 3 ist erfrischend anders. Die Action kommt nicht zu kurz, die Geschichte wird mit viel Gefühl erzählt. Der Film zeigt, was Superheldenfilme leisten können.

darf vs. soll

Fast 25 Jahre nach dem ersten Teil erschien vor kurzem »Das Kanu des Manitu« in den Kinos. Ich weiß nicht genau, warum jetzt dieser Film erscheint oder warum sich Bully so lange Zeit gelassen hat, um eine Fortsetzung in die Kinos zu bringen, aber hier sind wir nun einmal. Braucht es das? Die Zeiten haben sich doch sehr verändert und sich über schwule Indianer und komisch sprechende Griechen lustig zu machen, wirkt sehr aus der Zeit gefallen. Wir sind ein bisschen politisch korrekter geworden und eine Fortsetzung eines Abklatsches einer ausgedachten Version von amerikanischen Ureinwohnern wirkt nicht mehr zeitgemäß.

Ich kann mir kein Urteil über den Film erlauben, da ich ihn noch nicht gesehen habe. Vielleicht gebe ich ihm eine Chance, wenn er im Heimkino erscheint. Aber als ich vor ein paar Jahren »Der Schuh des Manitu« mal wieder ansehen wollte, tat es schon etwas weh. Was man der Fortsetzung allerdings scheinbar zugute halten kann, ist, dass Bully nicht bösartig lustig ist. So wie man es beispielsweise von so manchen Comedians kennt. Über die Jahre habe ich immer wieder gerne Netflix-Comedy-Specials geschaut. Doch es wurden immer weniger. Denn die Ricky-Gervaises haben es sich nicht verkneifen können, auf der „Woke-Culture“ herumzutrampeln und sich für ihre vergangenen Verfehlungen und Witze unter der Gürtellinie rechtfertigen zu müssen. Man könnte sich auch einfach entschuldigen oder weitermachen. Nicht alles muss kommentiert werden. Aber in so einer Zeit leben wir wahrscheinlich nicht mehr.

Jetzt habe ich in nur zwei Absätzen sehr viele Fässer aufgemacht. Die meisten davon machen wir aber für heute schnell wieder zu. Ich werde sicherlich noch des Öfteren über solche Themen schreiben. Sie liegen mir durchaus am Herzen. Besonders als queerer Mensch, der in der heutigen Zeit lebt. Jedenfalls geht es mir um so manche Formulierungen, die aktuell in Besprechungen rund um »Das Kanu des Manitu« auftauchen. Beispielsweise, dass man „Indianer“ nicht mehr sagen darf oder sich über schwule Indianer lustig machen darf. Das Wort „dürfen“ stört mich bei solchen Diskussionen schon immer. Denn es suggeriert ein Verbot. Jemand hat entschieden, wir bezeichnen Indianer nun als amerikanische Ureinwohner und man „darf“ sonst nicht mehr sagen. Ich würde es allerdings bevorzugen, es als „sollen“ zu deklarieren.

Man darf sehr vieles sagen. Die Frage ist nur: Sollte man es? Denn amerikanische Ureinwohner, Schwarze oder schwule Menschen als eben genau das zu bezeichnen oder Trans-Personen mit dem für sie richtigen Pronomen anzureden und keine diskriminierenden Begriffe zu verwenden, hat etwas mit Respekt zu tun. Man sollte sie nicht anders anreden. Es kostet mich quasi keine Kraft oder Energie und ist nicht gerade schwer. Im Zweifel fragt man einfach. Ich höre immer wieder gerne Podcasts mit Diskussionen über gesellschaftspolitische Themen, am liebsten die WildMics-Specials. Egal welche Menschen dort zu Besuch sind (letztens war das Thema, wie man mit behinderten Menschen in Medien umgeht), der Konsens ist stets: Wenn man sich unsicher ist, frag nach.

Natürlich sollte das mit dem notwendigen Respekt passieren. Aber man kann nicht alles wissen. Auch wenn einem manchmal scheinbare Vorwürfe gemacht werden, warum man jetzt nicht weiß, wie man diese oder jene Gruppe an Menschen am besten anspricht. Einfach nachfragen. Man darf vieles. Doch ob ich diskriminierende Begriffe verwenden soll oder muss, hat etwas mit Respekt zu tun. Respekt den anderen gegenüber, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen. Es war noch nie in Ordnung, Menschen zu diskriminieren, nur hat man früher weggeschaut und es „akzeptiert“. Die Zeiten ändern sich. Wenn sich andere besser und verstanden fühlen, ich sie glücklich machen kann, weil ich das für sie korrekte Pronomen verwende, warum sollte ich es dann nicht machen?

500 Jahre Bauernaufstände

Am Wochenende, genauer gesagt am Freitag, fand auf der Burg eine kleine Theateraufführung statt. Anlass war der 500. Jahrestag der Bauernaufstände, die jedoch niedergeschlagen wurden. Vor ein paar Wochen sind Freund J. und ich auf diese Veranstaltung getroffen und haben uns Tickets reserviert. Die Preise waren erstaunlich günstig, jedoch ohne Platzreservierung – es war freie Platzwahl. Veranstaltet wurde das Ganze vom kleinen Theater. Wir wussten nicht, was das werden würde, gingen allerdings mit eher konservativen Erwartungen an die Sache heran.

Nach einer Stärkung im Stieglkeller machten wir uns mit der Festungsbahn auf den Weg in die Burg. Es war unfassbar schwül und drückend, ein Besteigen der Burg per pedes war nicht drin. Wir holten uns die Karten und begutachteten den Schauplatz. Bereits eine Stunde vor Vorstellungsbeginn saßen die ersten Zuschauer*innen auf ihren Plätzen. Manche Touristen hat man deutlich erkannt, da sie ihre Plätze mit Schleiern und Schals reservierten, um sich dann irgendwo auf einen Kaffee oder sonstige Getränke zurückzuziehen. Dass niemand ein Handtuch mithatte, erstaunte. Wir reservierten uns keine Plätze, unter anderem aus Ermangelung eines mitgebrachten Schleiers, gingen aber trotzdem erst einmal koffeinhaltige Getränke suchen.

Der Ausblick von der Festung ist immer wieder beeindruckend und ein kleiner Spaziergang rund um die Anlage musste sein, bevor wir uns einen Platz suchten. Als wir zurückkamen, waren die besten Plätze natürlich schon belegt. Zuerst war die Überlegung, sich ganz hinten hinzusetzen. Die Sicht war nicht gerade ideal, trotz des leicht abfallenden Geländes. Da machte eine Bank leicht abseits auf sich aufmerksam. Niemand hatte sich bisher dort niedergelassen. Wir hatten unsere Tickets und es hieß „freie Platzwahl“. Es sprach nichts dagegen, sich also dort hinzusetzen. Die bessere Sicht, leicht von der Seite, wurde allerdings mit der bescheidenen Sitzqualität des parkbankähnlichen Konstrukts bezahlt. Es war alles andere als gemütlich.

Geneigte Leser*innen fragen sich wahrscheinlich, wie lange so eine Vorstellung dauern könnte. Eineinhalb, vielleicht zwei Stunden? Das war auch meine Vermutung, bis uns die nette Dame an der Kasse aufklärte, dass es bis etwa halb elf dauern wird, inklusive Pause. Also mehr als zweieinhalb Stunden. Befürchtungen bezüglich der Qualität der Produktion machten sich erneut breit. Mit ein paar Minuten Verspätung begann schließlich das historische Stück.

Es dauerte etwas, bis ich mich an die Produktion, die Dialoge, Dialekte und die Aufmachung des Stücks gewöhnte. Doch die Schauspieler*innen sind mit einer sichtlichen Leidenschaft bei der Sache und geben sich die größte Mühe. Die meisten machen auch einen guten bis hervorragenden Job. Ein Charakter, der so etwas wie einen Running Gag versuchte, scheiterte aber leider daran. Es war mir nicht ganz klar, was das soll. Aber der Rest war erstaunlich gut. Zwischendurch gab es diverse Gesangseinlagen, welche ebenso mit einer Leidenschaft und einigem an Talent wiedergegeben wurden.

Jedoch war das Stück zu lang. Nach knapp eineinhalb Stunden waren die Bauern vor den Toren Salzburgs angelangt und wir wussten nicht so recht, was noch großartig kommen könnte, was noch einmal eine Stunde beanspruchen würde. Deshalb haben wir uns frühzeitig verabschiedet und die Aussicht des Stieglkellers zum ersten Mal bei Nacht bewundert. Das soll aber nicht an der Qualität des Stücks rütteln. Es war einfach nur zu lang.

Einige der Musikstücke hätte man streichen können. Oder es wie bei Musicals arrangieren, sodass sie die Handlung vorantreiben. Denn meist wurde die Handlung pausiert und mit der Musik wurden mehr Hintergründe und sogar eine Liebesgeschichte erzählt. Das ist an sich nett und das Stück verstand es, den Fokus immer wieder auf einzelne Schicksale zu richten, doch es war zu viel des Guten. Etwas straffer hätte es eine ausgezeichnete Erfahrung werden können. Trotzdem war die kleine Bühne mit der beeindruckenden Kulisse der Burg äußerst sehenswert.