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Geek-Planet: Ultimate Spider-Man – Volume 2

Weiter geht es mit unserer Reise durch das Ultimate Universum von Spider-Man und dem zweiten Trade Paperback. Den folgenden Text habe ich zum ersten Mal am 12.07.20214 auf meinem damaligen Blog »geek-planet« veröffentlicht. Witzigerweise habe ich dieses Jahr ebenfalls in der Woche vom 12. Juli Urlaub. Immer diese Zufälle.


Da ich gerade Urlaub habe, habe ich mir gleich die nächste Ausgabe von Ultimate Spider-Man geschnappt und gelesen. Und was soll ich sagen? Diese hat mich gleich wieder gefesselt und in das Universum von Spider-Man entführt – vielleicht sogar noch mehr als die Erste.

Die vorliegende, englische Collected Edition von Volume II: Learning Curve beinhaltet die Ausgaben #8 bis #13.

Auch in diesem Heft werden wieder jede Menge neuer Charaktere eingeführt. Rückblickend empfinde ich es als etwas schade, dass keine Handlungsstränge des ersten Heftes Erwähnung finden. Der Green Goblin oder alles rund um Oscorp hätte sich angeboten, aber das tut der Geschichte keinen Abbruch.

Wie erwähnt, stand die vorherige Ausgabe eher unter dem Banner von Oscorp. Diese könnte man unter dem Banner vom Kingpin stellen. Als großer Fan dieses Charakters freut es mich natürlich sehr, dass er so früh in das Universum eingeführt wird. Ich hoffe, er agiert noch öfter aus dem Hintergrund und zieht die Strippen – Immerhin ist er der King of Crime in New York.

Gleich das erste Panel, in dem der Kingpin gezeigt wird, veranschaulicht seine ungeheure Masse. Er überragt alles und jeden. Später wird Spider-Man einmal neben seinem Bürostuhl dargestellt und er wirkt einfach nur lächerlich winzig im Vergleich zu dem Möbelstück. Beim Kampf zwischen Spider-Man und dem Kingpin wird allerdings auch klar, dass es sich hier eher um Muskelberge als reines Fett handelt – auch wenn unser Held hier ein paar wirklich gute Witze abliefert, wie Fett Wilson Fisk (so der bürgerliche Name vom Kingpin) doch sei.

Ein weiterer Höhepunkt ist die Beziehung zwischen Peter und seiner Tante May, die auch eine interessante Entwicklung durchmacht. Ich möchte hier nicht zu viel verraten, aber Peters Handeln und seine vielen selbst auferlegten Verpflichtungen haben Konsequenzen. Da macht es ihm der Job als Web-Designer (Web, Spinne, Spider-Man – ich hör’ schon auf) beim Daily Bugle natürlich nicht sehr viel einfacher, auch wenn es eine gute Informationsquelle für ihn ist.

Eine weitere Beziehung, die im Mittelpunkt steht, ist selbstverständlich die von Peter und Mary-Jane. Vom ersten Versuch eines Dates, der leider scheitert, bis zur großen Offenbarung, sind hier alle Tücken eines Teenagers vertreten – unter anderem ein sehr peinliches, für den Leser natürlich super lustiges, Gespräch zwischen Peter und seiner Tante über Sex.

Und natürlich darf die hervorragende Zusammenarbeit zwischen Bendis und Beglay nicht unerwähnt bleiben. In diesen Ausgaben fällt sie wieder besonders positiv auf. Viel mehr, wie ich finde, als noch im ersten Heft. So können die beiden zwar schnell bei Kampfsequenzen das Erzähltempo anpassen, aber bei langsamen, gefühlvolleren Szenen bremsen sie das Tempo herunter. Es scheinen nur mehr Augenblicke dargestellt zu werden – dabei ändert sich in den Panels teilweise bloß die Mimik der dargestellten Person. Diese Übergänge wirken sehr natürlich und passend und führten bei mir nur dazu, dass ich mich tiefer in die Geschichte hineingezogen fühlte.

Die Darstellung, als Peter Mary-Jane die Wahrheit erklärt, erstreckt sich über das gesamte letzte Kapitel und ist einfach fantastisch. Wie Bendis und Bagley mit nur zwei Figuren und einem einzigen Handlungsort spielen und dramatische, lustige und aber auch intime Momente darstellen, hat mich sehr fasziniert.

Geek-Planet: The Walking Dead Book 2

Wie jeden Donnerstag blicken wir auch heute etwas in die Vergangenheit, als ich noch einen Blog namens »geek-planet« hatte. Der folgende Text stammt vom 12.10.2015, als ich mich intensiv mit The Walking Dead auseinandergesetzt habe. Ich habe die Serie und die Comics parallel angeschaut bzw. gelesen; dadurch wollte ich die unterschiedlichen Herangehensweisen unter die Lupe nehmen. Am Ende war das sehr verwirrend, muss ich sagen, weil alles irgendwie ineinander floss. Doch davon wusste ich bei Buch 2 der Hardcover-Editionen noch nichts.

Der letzte Walking Dead Artikel, den ich herausgesucht hatte, liegt schon ein paar Monate zurück, deshalb dachte ich mir, wir nehmen diese etwas mehr in die Rotation. Spider-Man und The Walking Dead wird sicher eine interessante Mischung.


Der schnelle Wechsel zwischen Comic und Serie zeigt seine ersten Nachwirkungen und ist mir mit diesem Buch so richtig bewusst geworden. Beide Medien legen zwar ihre Schwerpunkte auf die Charaktere, doch es gibt auch große Unterschiede, was dazu führt, dass jedes Team seine eigene Dynamik hat. So empfinde ich das Serien-Team als deutlich angespannter, getrennter und das Comic-Team mehr als eine Einheit.

  • Autor: Robert Kirkman
  • Zeichner: Charlie Adlard
  • Grautöne: Cliff Rathburn
  • Letterer: Rus Wooton
  • Erstveröffentlichung: 2007
  • Ausgaben: #13 – #24

„Don’t you get it? We ARE the walking dead!“ – Rick

In dem Buch gibt es wieder zwei Kapitel. Sie tragen die Titel »Safety behind bars« und »The heart’s desire«. Es spielen beide davon im Gefängnis und wie es aussieht, werden wir auch noch eine Zeit lang dort verweilen. Dadurch wurde mir bewusst, warum dieser Ort in der Serie so einen zentralen Punkt darstellt. Es ist eine faszinierende Basis für einen ausgedehnten Handlungsstrang, der viel Potenzial für spannende Geschichten birgt. Die einzelnen, voneinander abgeriegelten Blocks, alle möglichen versteckten und verwinkelten Räume, außerdem enthält er eine Bibliothek, einen riesigen »Garten« und einen Generator. Anders als im ersten Buch auf der Farm scheinen wir hier nicht zu einem Punkt zu kommen, wo wir einen Zeitsprung machen, sondern im Detail mitbekommen, was sich abspielt und wie sich die Gruppe weiterentwickelt.

Anfangs sind sie noch eine große Familie, die gemeinsam im RV übernachtet, doch nach und nach zerschlägt sich die Gruppe in einzelne Fragmente. Diverse vorschnelle Entscheidungen zeigen erste Konsequenzen und das liegt nicht nur an der Führungsposition von Rick. So entfernen sich zum Beispiel Glenn und Maggie immer weiter von den anderen und genießen ihre junge, frische Liebe (ich hoffe ehrlich, dass die beiden noch länger zu leben haben, besonders, da die Szenen so liebevoll gestaltet sind).

Es hilft der Gruppe nicht, dass sie vier neue Mitglieder ins Team bekommen, die eine potenzielle Bedrohung darstellen. Dann geschehen noch grausame Morde an den beiden Zwillingen. Dexter ist zwar zu offensichtlich nicht der Täter, doch dass er sich später als Revolutionär versucht, hatte ich nicht erwartet. So ist dann ausgerechnet Axel, derjenige, der sich am besten in die Gruppe eingliedert, auch wenn er weitgehend ein Außenseiter bleibt. Er könnte sich zu einem wertvollen Teil des Teams entwickeln und Hershel hilft er beim Ackerbau.

Rick driftet immer weiter in eine Psychose ab und man merkt ihm deutlich die Last an, die er zu tragen hat. All die Entscheidungen, die er für alle treffen muss, der Druck um das kommende Baby, alles treibt ihn dazu hin, einen Mord zu begehen und Allen ein Bein zu amputieren – auf wirklich grausame und billige Art und Weise (selbst ich wüsste, dass ich vor dem Abtrennen zumindest das Bein abbinde und nicht einfach mit der Hacke darauf einprügle). All das gipfelt in einer gewaltigen Auseinandersetzung mit Tyreese. Am Ende hat er sogar einen Blackout und ist für über 25 Stunden außer Gefecht.

Während seiner Abwesenheit trifft die Gruppe eine Entscheidung, die ich ehrlicherweise nicht erwartet hätte: Sie wählen keinen neuen Anführer, sondern ein Komitee, das sich immer gemeinsam beraten und dann die Entscheidungen treffen soll. Auch wird angesprochen, dass sich keine Frauen darin befinden. Die Ausrede, dass keine wollte, finde ich zwar etwas an den Haaren herbeigezogen, denn Andrea hätte sich angeboten, doch damit müssen wir uns erst einmal abfinden.

In der Serie sind wir noch weit davon entfernt, so etwas wie eine demokratische Struktur aufzubauen, immerhin hat Rick dort gerade erst eine Diktatur ausgerufen (ähnlich wie der Imperator bei Star Wars das galaktische Imperium ausruft, nur nicht ganz so subtil). Mal sehen, wie die Entscheidungen ausfallen, denn wenn es Schlag auf Schlag kommt, haben sie nicht viel Zeit sich zu beraten, dann kommt es darauf an, wer sich durchsetzen kann.

Es sind ähnliche Motive in beiden Medien zu erkennen. Zum Beispiel wird im Comic das Thema Hinrichtung angesprochen, auch wenn es nicht so beeindruckend und emotional dargestellt wird, wie in der Serie. Dies ist mir schon in der zweiten Staffel aufgefallen: es gibt zwar immer wieder größere Diskrepanzen zwischen der Vorlage und der Serie, die wichtigen, prägenden Unterhaltungen und Aussagen bleiben aber erhalten. Teilweise werden sie von anderen Personen getätigt, zu denen es dann besser passt, aber mir gefällt die Treue, die die Autoren an den Tag legen.

Visuell weiß der Comic wieder zu beeindrucken. Besonders das »Schauspiel« der Charaktere ist immer wieder faszinierend zu beobachten. Durch punktgenaue Darstellung hat man das Gefühl immer zu wissen, was in ihnen vorgeht. Die Kulissen, wenn man so will, können allerdings ebenso überzeugen und bestechen durch den intensiven, düsteren, Gefängnis-Look. Es wird viel mit Schwarz gearbeitet und mit dunklen Schattierungen – es wirkt beinahe Klaustrophobisch.

Es erhöht die Spannung der Geschichte deutlich und mein Blick flog nur so über die Sprechblasen und Panels hinweg, da ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht. Ein Punkt, den ich schon bei früheren Comics erwähnt hatte, ist, dass man sich teilweise zusammennehmen muss und innehalten, um die großartigen Zeichnungen zu genießen. Besonders im zweiten Kapitel gibt es vermehrt doppelseitige Panel-Strukturen und eine markante, ebenfalls doppelseitige Darstellung während des Kampfes zwischen Rick und Tyreese. Hier zeigt sich das ganze Talent der Künstler. Die Mimik und Brutalität, das Spiel mit den Schattierungen, einfach alles an dem Bild gefällt mir. Jetzt noch der Titel in eine Ecke und man könnte es als Poster aufhängen.

Einziger Nachteil bei schwarz-weißen Zeichnungen ist, dass man tendenziell nicht weiß, wann es wirklich dunkel ist oder wann es beginnt, Nacht zu werden. So muss dies über die Unterhaltungen wiedergegeben werden, was manchmal gut eingebaut wird, teilweise aber etwas zu offensichtlich. Es kann einen aus der Geschichte reißen. Beide Kapitel waren allerdings gelungene Fortsetzungen von »The Walking Dead«.

Geek-Planet: The Amazing Spider-Man – Flashbacks

In der heutigen Ausgabe von geek-planet beschäftigen wir uns mit der letzten The Amazing Spider-Man-Ausgabe, über die ich auf meinem damaligen Blog geschrieben habe. Nicht, dass ich noch genug Texte zu Superior Spider-Man, Ultimate Spider-Man oder anderen Reihen hätte, aber TASM findet mit diesem Review, welches ich am 08. Juli 2016 zum ersten Mal veröffentlicht habe, ihr Ende. Und es ist eine interessante Ausgabe, die den titelgebenden Helden völlig in den Hintergrund stellt.

Die vergangenen Wochen, in denen ich diese Comic-Reihe wieder aufleben ließ, haben mich dazu inspiriert, mir die darauf folgenden Ausgaben auf mein iPad zu laden. Vielleicht finde ich ja die ein oder andere Gelegenheit, weiterzulesen und darüber zu berichten. Wer weiß.


Bereits auf der ersten Seite dieser Spider-Man-Ausgabe wird deutlich, dass es sich hier um etwas Besonderes handelt. Nicht Spider-Man steht im Vordergrund, sondern Flash Thompson. Wer nun aber denkt, dass dies eine Geschichte über ihn und seinen Symbionten Venom wird, könnte nicht weiter daneben liegen. Es ist eine Ausgabe, die ein Thema anspricht, welches man nun nicht gerade in einem Spider-Man-Comic erwartet hätte.

  • Ausgabe: #574
  • Autor: Marc Guggenheim
  • Zeichner: Barry Kitson
  • Inker: Mark Farmer
  • Farben: Studio F’s Antonio Fabela
  • Letterer: VC’s Cory Petit

“I don’t need a medal, Sir. Not to remind me to do the right thing…” – Flash Thompson

Doch welche Geschichte könnte man stattdessen mit Flash erzählen? Wie wir schon in den vergangenen Ausgaben gesehen haben, ist er ein vielseitiger Charakter. Hier stellen die Autoren allerdings einen besonderen Aspekt von ihm ins Zentrum: Seine Vergangenheit beim Militär. Die erste Seite zeigt ein Panel, wo er bereits älter ist und der Text darunter beschreibt seine bisherige Laufbahn und wie er zum Militär gekommen ist. Es leitet wunderbar in die folgende Episode ein:

Flash liegt im Krankenhaus, frisch aus einem Einsatz im Irak zurück und bekommt Besuch von einem General. Dieser stellt ihm einige Fragen zu seinem Leben und besonders zu seinem letzten Einsatz, da ihm dafür die Medal of Honor verliehen werden soll. Anfangs bekommen die Leser*innen einen guten Einblick in die Persönlichkeit von Flash, wie er aufgewachsen ist und warum er so ein großer Fan von Spider-Man ist. Dann wechselt die Story in den Irak und man bekommt durch seine Erzählungen hautnah den Einsatz mit und was dabei vorgefallen ist.

Dies ist tatsächlich eine Ausgabe, in der Spider-Man komplett in den Hintergrund rückt und nur in einzelnen Panels auftaucht. Dies soll Parallelen zwischen Flashs Erlebnissen und Spider-Mans Abenteuern unterstreichen. Jeder hat auf seine Weise mit Herausforderungen und vermeintlichen Gegnern zu kämpfen. Dies ist insofern beeindruckend, als es zum einen noch einmal Flashbacks gibt, in denen es ein paar Wiedererkennungswerte gibt. Auf der anderen Seite schaffen sie es, den normalerweise im Zentrum der Geschichte stehenden Helden, gerade weit genug aus der Story zu verbannen, sodass der Einsatz von Flash seine volle Wirkung entfalten kann.

Es geht hier aber nicht um die Schrecken des Krieges, die hier dargestellt werden sollen. Es ist einfach eine Geschichte über die Erlebnisse eines Soldaten. Nicht mehr und nicht weniger. Klar sind die Erlebnisse an der ein oder anderen Stelle etwas überzeichnet, es ist immerhin ein Superhelden-Comic. Aber alle Handlungen sind nachvollziehbar und liefern einen guten Eindruck vom Geschehen.

Erst im letzten Teil, wo eigentlich die Leserbriefe abgedruckt sind, erfährt man, dass es sich nicht nur um eine bloße Widmung an die Soldaten des amerikanischen Militärs handelt, sondern dass die gesamte Geschichte von tatsächlichen Ereignissen inspiriert ist. Sie ist in Zusammenarbeit mit einem Soldaten entstanden, der die Büros von Marvel besucht hat. Selbst bei den Zeichnungen hat er seinen Input gegeben, damit diese die entsprechende Authentizität aufweisen.

»Flashbacks« ist ein etwas anderer Spider-Man-Comic. Und er kommt ohne spezielle Botschaft aus und das ist das Erfreuliche daran. Es soll lediglich auf einen Krieg aufmerksam gemacht werden. Was die geneigten Leser*innen dann mit diesen Informationen anstellen, bleibt ihnen überlassen.

Geek-Planet: Ultimate Spider-Man – Volume 1

Diese Wochen blicken wir zurück auf die frühen Anfänge meines Blogger-Daseins. Meinen ersten Blog »geek-planet« habe ich nämlich eigentlich dafür ins Leben gerufen, um über einen meiner liebsten Comic-Charaktere zu schreiben: Spider-Man. Dazu habe ich mir damals die Ultimate-Reihe vorgenommen und bin auch relativ weit gekommen, über die Jahre. Das erste Review dazu erschien am 08.07.2014. Eine unfassbar lange Zeit ist das her. Und es ist viel passiert in der Zwischenzeit.

Ich wusste gar nicht mehr, wie kurz und knapp ich mich in der Rezension gefasst hatte, aber man muss ja nicht unbedingt jedes Mal über die Stränge schlagen. Außerdem hat sich im Text ein Tippfehler bei der Schreibweise des Namens des Autors eingeschlichen. Das sollte eigentlich nicht passieren und ich habe das in der Überarbeitung selbstverständlich korrigiert.

Da nächste Woche die Artikel enden, die ich damals über The Amazing Spider-Man geschrieben habe, ist es, denke ich, eine wunderbare Gelegenheit, zukünftig die Texte zu Ultimate Spider-Man neu zu veröffentlichen.


Da ich mich schon seit Längerem für die Ultimate Spider-Man-Reihe interessiere und dazu bereits eine Einführung geschrieben habe, werde ich mich nun den eigentlichen Comics widmen. Dazu habe ich begonnen, die Collected Editions zu lesen und werde zu jeder ein kleines Review schreiben. Dabei versuche ich eine Ausgabe pro Monat zu schaffen, möchte an dieser Stelle allerdings nichts versprechen.

  • Ultimate Spider-Man Volume I: Power and Responsibility beinhaltet die Ausgaben #1 bis #7.

Ich hatte zu Beginn die Sorge, dass sich die erste Ausgabe aus zwei Gründen etwas hinziehen könnte. Zum einen musste ich mich mal wieder durch die Origin-Story von Spider-Man »quälen«, welche schon oft genug in diversen Medien immer wieder durchgekaut wurde. Der zweite Grund ist die Tatsache, dass immer wieder von Brian Michael Bendis langsamem Erzählstil die Rede ist. Da stellt sich natürlich die Frage: Wie langsam erzählt er denn die Geschichte? Einen Vorgeschmack bietet hier natürlich die Tatsache, dass er die 11-seitige Originalgeschichte von Stan Lee auf über 180 Seiten erweitert und ausgeschmückt hat.

Daher war ich beim Durchlesen umso positiver überrascht, dass Bendis Erzählstil auf keinen Fall mit langweilig assoziiert werden darf. Es handelt sich hier um eine moderne, durchaus lustige und nachvollziehbare Erzählung eines Teenagers, der durch einen Zufall zu einem der größten Superhelden der Geschichte werden sollte. Auf den ersten paar Seiten wird einem das bisherige Leben von Peter Parker, anhand einiger Anekdoten, geschildert. Er wird von seinen Mitschülern gehänselt und macht für so manche »Freunde« die Hausaufgaben.

Mit diesen Eigenschaften als Grundbaustein wird einem bewusst, wie sehr sich Peter bis zum Ende entwickelt. Dabei spielt natürlich der Tod seines Onkels die größte Rolle. Ebenso bemerkenswert ist, wie viele Figuren, die später noch relevant werden, bereits in den ersten paar Ausgaben auftauchen. Manche bekommen natürlich mehr Zeit eingeräumt als andere, aber ich fühlte mich trotz der Fülle an Charakteren wohl in der Geschichte und es fügt sich alles zu einem logischen Ganzen zusammen.

Die grafische Umsetzung von Mark Bagley passt wunderbar zu diesem Universum. Die unterschiedlichen Blickwinkel, aus denen eine Szene dargestellt wird, lässt den Comic noch viel lebendiger wirken und die Wechsel zwischen Nahaufnahmen und größeren Überblickzeichnungen passt meiner Meinung nach perfekt. Es wirkt auch sehr dynamisch, was bei einem Spider-Man-Comic selbstredend nicht fehlen darf.

Allen, die sich für Spider-Man interessieren, kann ich diese Ausgabe nur ans Herz legen. Besonders diese modernisierte Erzählung des klassischen Spider-Man-Mythos in einem alternativen Ultimate-Universum eignet sich hervorragend für Neueinsteiger*innen. Es bildet eine wunderbare Basis für weitere Geschichten und ich freue mich auf das nächste Heft, das schon bereitliegt.

Geek-Planet: The Amazing Spider-Man – New Ways to Die

Heute sehen wir uns einen Text an, den ich am 01. Juli 2016 auf meiner damaligen Webseite geek-planet zum ersten Mal veröffentlichte. Eigentlich müsste ich mir mal eine komplette Übersicht zusammenstellen, welche Ausgaben von den verschiedenen Spider-Man Comics ich bereits gelesen habe. Denn über die Jahre habe ich immer mal wieder an den unterschiedlichsten Punkten angefangen, mich durch die Comics zu lesen, aber so richtig strategisch, wenn man so will, war ich dabei eigentlich nicht.

Es gibt zwar noch einige Artikel und Texte zu meinem liebsten Marvel-Charakter, die wir uns ansehen können, aber nachdem ich meinen Blog 2019 eingestellt habe und stattdessen für den amerikanischen Blog Rogues Portal zu schreiben begonnen hatte, habe ich nicht mehr darüber geschrieben. Ist vielleicht auch ein nettes kleines Projekt, mal alles an Spider-Man Comics herauszusuchen, was ich so gelesen habe. So aufwendig ist das gar nicht, da ich immer davon Buch geführt habe, welche Comics ich pro Jahr gelesen habe, um nicht den Überblick zu verlieren.

Ja, ich war sehr tief im Comic-Game drin, dass ich sogar ausführliche Numbers-Tabellen (das Apple-Pendant zu Excel) geführt habe und es zum Teil auch heute noch tue. Ich habe gerne Übersichten und einen Überblick. Man kann sich ja nicht immer alles merken.


Neue Charaktere. Großartige Comebacks. Mehr Hintergrundinformation. Der Handlungsbogen New Ways to Die öffnet den Weg für neue Konflikte. Dabei gelingt es dem Autor Dan Slott Gut und Böse neu zu definieren. Wer hat recht? Wer ist auf die schiefe Bahn geraten?

  • Ausgaben: #568-573
  • Writer: Dan Slott
  • Pencils: John Romita Jr.
  • Inks: Klaus Jonson
  • Colors: Dean White
  • Letters: VCs Cory Petit

“You are the thing that led me into darkness! You´re a poison! A disease! And I-I´m the cure!” – Anti-Venom

In dieser Ausgabe haben wir es mit so manchen Konflikten zu tun, die sich wahrscheinlich auch auf zukünftige Storylines auswirken werden. Da hätten wir zum einen ein Duell zweier ungleicher Gegner: The DB vs. Front Line. Klatschblatt trifft auf Qualitätsjournalismus. Als Medienwissenschaftsstudent finde ich die Darstellung dieses Zwists ziemlich gelungen. Dexter Bennets Blatt, das jedem etwas anhängen möchte, um ihn durch den Dreck ziehen zu können und damit Profit zu machen, ist eine äußerst erfolgreiche Zeitung. Front Line von Ben Urich dagegen setzt auf gut recherchierte und handfeste Geschichten. Er möchte Missstände aufklären und die Welt darüber informieren.

Allerdings ist Front Line weit weniger erfolgreich und muss zusehen, dass sie sich über Wasser halten. Deshalb ist es umso erfreulicher, dass immer mehr Leute von The DB zu Front Line wechseln und Bennet damit klarmachen wollen, dass sie seine Methoden alles andere als gutheißen. Es bleibt spannend, wie und ob sich J. Jonah Jameson sein Blatt wieder zurückholen kann und wird. Allerdings könnte er alternativ noch einmal von vorne anfangen. Es könnte aber auch sein, dass bald sein Kampf um die Position des Bürgermeisters von New York beginnt. Denn wie wir wissen, ist er in zukünftigen Ausgaben ebendieser und was würde sich besser als Startpunkt eignen als der Verlust seiner Zeitung?

Der zweite Konflikt ist nicht weniger aufregend, umfasst um einiges mehr Charaktere und ist etwas komplexer. Denn hier kommen nicht nur neue Charaktere zum Vorschein, es gibt auch ein wiedersehen mit Figuren, mit denen man nicht unbedingt gerechnet hat. Im Zentrum stehen Spider-Man und Norman Osborn. Letztgenannter hat mit seinen Thunderbolts eine »Heldentruppe« zusammengestellt, deren offizielle Aufgabe es ist, nicht lizenzierte Helden zu fangen.

Die Thunderbolts setzen sich aus Songbird, Radioactive Man und Venom zusammen. Wobei der Symbiont Venom nicht Eddie Brock als Wirt hat (wie es normalerweise der Fall ist), sondern Gargan. Eddie hingegen taucht in der Suppenküche auf, wo Tante May arbeitet. Diese wird von dem wohlhabenden Mann Martin Li betrieben, der Bennets nächstes auserwähltes Opfer ist. Grund dafür sind Gerüchte, die davon berichten, dass dort Wunderheilungen stattfinden (Li hat tatsächlich besondere Fähigkeiten, die er beeindruckend zu Schau stellt).

Wie ihr seht, entwickelt sich ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Charaktere. Deren Motivation wird in der Geschichte nicht immer komplett geklärt, außerdem bleibt immer offen, wer nun zu den vermeintlich guten gehört und wer nicht. So ist zum Beispiel Li dafür verantwortlich, dass aus Eddie Brock Anti-Venom wird. Was steckt dahinter? Will Li etwa, dass Brock wieder seinen rechtmäßigen Platz als Venom einnimmt?

Dass er es freiwillig macht, ist eher unwahrscheinlich, da in einem Flashback der harte Weg gezeigt wird, den Eddie gegangen ist, nachdem er sich von seinem Symbionten getrennt hat. Darunter der Kampf gegen Krebs. Was auch immer dahinterstecken mag, es tobt ein gewaltiger Kampf zwischen den beiden Symbionten, der sehr beeindruckend dargestellt wird und ich hoffe, dass wir sie in Zukunft öfter sehen werden.

Es mag jetzt so erscheinen, als ob Spider-Man eher in den Hintergrund gerät. Dies ist tatsächlich an manchen Stellen der Fall, jedoch ist er oft genug in die Kampfhandlungen verstrickt, bzw. wird Ziel von Osborns Rachegelüsten. Die einzelnen Handlungsstränge, die aber dann zusammenlaufen, sind jeder für sich sehr spannend und machen Lust auf mehr.

Das Einzige, was an New Ways to Die nicht überzeugt hat, und dies ist jetzt rein subjektiv, sind die Zeichnungen. An die Darstellungen selbst musste ich mich erst gewöhnen, da sie sich doch sehr von den bisherigen unterscheiden. Sie sind weit nicht so kontrastreich und farbenfroh, wie es noch in Brand New Day war. Es kommen viele matte Töne zum Einsatz und manchmal fehlt mir das knallige, das meiner Meinung nach zu Spider-Man gehört. Die ist allerdings ein Preis, den man zahlen muss, wenn man, wie es damals eben war, dreimal im Monat neue Ausgaben veröffentlichen möchte: Man benötigt viele Künstler*innen und vielleicht leidet unter dem Zeitdruck manchmal die Qualität.

Geek-Planet: Deadpool

Da demnächst der lang ersehnte dritte Teil von Deadpool in den Kinos läuft, dachte ich mir, ich suche für diese Woche meine Review zum ersten Teil heraus. Dieses erschien am 28.02.2016 auf meinem damaligen Blog geek-planet, den es heute nicht mehr gibt, aber der als Kategorie auf dieser Webseite weiter existieren darf.

Deadpool hat damals eingeschlagen, wie es wohl kaum jemand erwartet hat. Ich finde auch den zweiten Teil hervorragend gemacht und eine tolle Fortsetzung. Dass Reynolds nun Hugh Jackman überzeugen konnte, ein wirklich letztes Mal in die Rolle von Wolverine zu schlüpfen, ist unfassbar. Ich bin sehr gespannt, wie der Film tatsächlich wird. Allzu lange muss man sich aber nicht mehr gedulden.

Man hat allerdings nicht den Fehler machen dürfen, sich in den vergangenen Jahren weitere Reynolds-Filme angesehen zu haben. Denn seit Deadpool spielt er leider in jedem Film denselben Charakter: eine schlechte Kopie von Deadpool. Das trübt dann natürlich die Erfahrung, wenn er alle paar Jahre in die ikonische Rolle schlüpft. Es fühlt sich dann nicht mehr originell an. Zum Glück oder bedauerlicherweise, je nach Sichtweise, scheinen es aber nicht unbedingt überragende Filme zu sein, die man verpasst. Für mich reichen jedenfalls die Deadpool-Filme allemal. Bevor es also zum großen Finale (?) der Trilogie kommt, blicken wir zurück auf die Anfänge von Deadpools Filmkarriere.


In Zeiten, in denen sogar Actionfilme mit Sylvester Stallone durch niedrigere Alterseinstufungen für ein größeres Publikum zugeschnitten werden, widersetzt sich ein Charakter dem Trend: Deadpool!

„From the studio that inexplicably sewed his f*cking mouth shut the first time, comes… me!“ – Deadpool

Erschaffen von Rob Liefeld, erblickte der Charakter 1991 das Licht der Welt. Wade Wilson, so der bürgerliche Name, ist ein Söldner, der eines Tages tödlichen Krebs diagnostiziert bekommt. Doch er ist ein zu guter Kämpfer, als dass man seine Talente einfach so vergeuden würde, also wird er Teil eines geheimen Experiments. Damit sollen Supersoldaten ähnlich wie Captain America erschaffen werden – nur mit mehr Fähigkeiten. Doch der schmerzvolle Versuch scheint zu scheitern und Wade wird »entsorgt«. Allerdings legten seine Fähigkeiten lediglich eine Spätzündung hin. Ausgestattet mit den wohl besten Selbstheilungskräften, allerdings böse entstellt, macht er sich auf die Suche nach seinen Peinigern.

Eines der wichtigsten Alleinstellungsmerkmale ist, dass Deadpool die vierte Wand durchbricht. Er spricht also direkt mit seinen Leser*innen und ist sich bewusst, dass er in einem Comic steckt. Doch nicht nur das macht ihn zu einem Unikat. Die Geschichten zeichnen sich auch durch die rohe Darstellung an Gewalt und eine vulgäre Sprache aus. Deadpool ist als Charakter zwar relativ unbekannt, hat allerdings eine große und vor allem treue Fangemeinde hinter sich. Dies ist auch der Grund, warum sein erster Kinoauftritt, in dem Film X-Men Origins: Wolverine alles andere als gut aufgenommen wurde. Das Studio beraubte ihn nicht nur seines typischen, rot-schwarzen Anzugs, sondern nähte ihm buchstäblich den Mund zu. Außerdem statteten sie ihn mit irrwitzigen Fähigkeiten aus. Im Prinzip schufen sie eine neue Figur, die nichts mit dem Original zu tun hatte.

Es ist dem Schauspieler Ryan Reynolds und dem Regisseur Tim Miller geschuldet, dass nun endlich eine originalgetreue Version erscheint. Plakate und Trailer haben einen Deadpool versprochen, wie er in den Comics steht, und die Erwartungen waren dementsprechend groß.

Der Film erzählt die oben geschilderte Origin-Story des Charakters bzw. überlässt es diesem selbst. So erzählt Deadpool, wie er zu Deadpool wurde und liefert dabei die bisher wohl schrägste Comic-Verfilmung. Egal, ob Dialoge, One-Liner, Slapstick oder die toll choreografierten Kämpfe – alles setzt sich zu einem fantastischen Gesamteindruck zusammen. Durchgehend erblickt man Popkultur-Referenzen und es wird alles aufs Korn genommen (auch Ryan Reynolds selbst). Der Film bietet sehr kurzweilige Unterhaltung und durch die immense Dichte an einprasselnden Eindrücken möchte man den Film am liebsten gleich nochmal ansehen.

Das Publikum im Saal gab dabei auch des Öfteren Szenenapplaus, was ich bisher nur selten erlebt habe. Dabei galt der größte Applaus der Comic-Legende Stan Lee. Sein Cameo-Auftritt, der bei keinem Marvel-Film fehlen darf, ist bravourös eingebaut.

Die gesamte Inszenierung, darunter auch die tolle Auswahl an Musik der späten 90er-Jahre, rundet das Paket ab. Doch nicht nur Fans werden an diesem Film Gefallen finden. Wer an einem etwas anderen Film Interesse hat und einen Charakter kennenlernen möchte, den es so kein zweites Mal gibt, sollte sich diesen Film definitiv ansehen. Besonders die gerechtfertigte FSK18-Einstufung tut ihm gut. So kann Deadpool seiner Natur freien Lauf lassen. Der Film ist ein Meilenstein – bitte mehr davon!

Geek-Planet: The Amazing Spider-Man – Kravens First Hunt

Diese Woche blicken wir zurück auf den 24. Juni 2016 und sehen uns einen weiteren Artikel zu Spider-Man an, den ich damals veröffentlichte. Auf meinem damaligen Blog geek-planet habe ich mindestens wöchentlich über Spider-Man geschrieben. Ich hatte angefangen mich chronologisch durch die The Amazing Spider-Man Comics zu lesen und musste natürlich darüber berichten. Wenn ich mir die Artikel so durchlesen, bekomme ich Lust erneut in die Welt der Comics einzutauchen.

Außerdem musste ich beim Heraussuchen des folgenden Artikels feststellen, dass ich in all den Jahren, in denen ich über Comics geschrieben habe, nie über Kravens last hunt berichtete. Es ist wohl eine der herausragendsten und vielleicht auch düstersten Geschichten aus dem Spider-Man Kanon, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Vielleicht hole ich es ja noch irgendwann nach, darüber zu schreiben. Heute soll es aber erst einmal um Kravens erste Jagd gehen.


Heute beschäftigen wir uns mit dem Handlungsbogen Kravens first hunt. Dabei bekommt es unser liebster Held mit niemand geringeren als der Tochter von Wes Kraven, dem wohl gefährlichsten Jäger der Welt, zu tun.

  • Ausgaben: #565-567
  • Autor: Marc Guggenheim
  • Zeichner: Phil Jimenez
  • Inker: Andy Lanning
  • Farben: Chris Chucky
  • Letterer: VC´s Cory Petit

„There´s absolutely zero reason to panic. Says the super hero tooling around in borrowed costumes.“ – Devil Man

Ein Konzept, welches sich durch alle drei Ausgaben zieht, ist ziemlich beeindruckend umgesetzt und zeigt Spider-Man in so mancher Szene aus einer anderen Perspektive. Wir bekommen nämlich nicht wie üblich die witzigen inneren Monologe von Peter geliefert, zumindest nicht nur, sondern vorrangig diejenigen seiner Jägerin. Dadurch erhalten die Leser*innen einen Eindruck davon, welche Taktiken sie anwendet und wie gerissen bzw. geduldig sie an die Jagd herangeht. Sie hat wahrlich die Gene von ihrem Vater und ist im Kampf ebenso talentiert.

Bevor sie sich allerdings zu erkennen gibt, nimmt sie sein Leben strategisch auseinander – zumindest etwas. Ihre Drohung macht sie nicht so wirklich wahr, denn mehr als seinen Job in einem Comicbuchladen wegzunehmen, macht sie eigentlich nicht. Richtig, unser Comicheld arbeitet in einem Comicladen und die Autoren lassen es sich nicht nehmen, ein paar gut platzierte Anspielungen einzubauen.

Doch bleiben wir bei der Jägerin; diese macht nämlich einen gewaltigen Fehler. Sie hält fälschlicherweise Vin Gonzales, Peters Mitbewohner, für den maskierten Helden und entführt diesen. Wie sie darauf kommt, dass er es ist, wird nachvollziehbar und logisch in die Handlung eingearbeitet, da sie lediglich sieht, wie er ins Apartment „schwingt“, ihm allerdings nicht wirklich hinein folgt. Jedoch hätte ich von einer Jägerin von solch einem Kaliber mehr erwartet. Ebenso ist bemerkenswert, wie die Autoren auch die Leser*innen für ein paar Seiten hinters Licht führen und wir zuerst annehmen müssen, dass es Peter ist, den sie in ihrer Gewalt hat.

Verwechslung ist ebenfalls ein Thema, dass sich durch die gesamte Storyline zieht. Zum ersten Mal seit Civil War erleben wir Peter in Zusammenarbeit mit Daredevil – die wohl unterschiedlichsten Helden, die man auf einer Straße Manhattans finden kann. Es ist cool, witzig und hätte gerne etwas länger ausfallen können. Im Verlauf der Handlung verliert beispielsweise Peter sein letztes gutes Spidey-Kostüm und Vin landet darin. Somit muss Pete sich eines von Daredevil ausleihen, was das obige Zitat erklärt. Im finalen Schlagabtausch, feiert die Verwechslungskomödie ihren absoluten Höhepunkt.

Als letzten Gegner, der auftaucht, ist dann noch Vermin zu erwähnen. Er lebt in den Abwasserkanälen New Yorks und ist scheinbar ein misslungenes Experiment – zumindest interpretiere ich das in die Figur hinein. Sie ist mir um ehrlich zu sein nicht wirklich bekannt. Jedoch handelt es sich um einen spannenden Charakter und ich hoffe, wir sehen ihn wieder. Er ist äußerst kräftig, schnell und scheint mindestens auf Augenhöhe mit Spider-Man zu sein – dies macht ihn zu einem gefährlichen Gegner. Sein unheimliches Äußeres, dass stark an Man-Bats aus dem DC Universum erinnert und die Tatsache, dass er schon einmal gegen Spidey gewonnen hat, macht den unvergesslichen Auftritt komplett.

„Kravens first hunt“ ist eine ausgesprochen unterhaltsame und kurzweilige Geschichte, die die Welt von Spider-Man ein weiteres Mal um einen Charakter erweitert. Spannende Kämpfe, witzige Dialoge und grandiose Zeichnungen tragen ihr Übriges bei. Was auch gefällt, sind die Konsequenzen bzw. Nachwehen von Brand New Day, wie der Mangel an Kostümen in Peters Schrank. Diese fortwährende Geschichte macht Lust auf die nächste Story.

Geek-Planet: The Beauty #1

Es gibt Geschichten, die einem im Kopf bleiben, egal, wie viele Jahre vergehen mögen. The Beauty ist für mich so eine Geschichte. Für den heutigen wöchentlichen Rückblick auf meine vergangenen Blogger-Jahre habe ich mir die Rezension zu The Beauty #1 herausgesucht. Der Text erschien am 23.09.2015 auf meinem damaligen Blog geek-planet.

Für die Wiederveröffentlichung dieser Texte nehme ich meistens nur kleinere Korrekturen vor. Seien es Formulierungen, die etwas krude waren, Rechtschreibfehler oder andere Kleinigkeiten, die ich verbessern kann. Bis jetzt ist der folgende Text derjenige mit den meisten Anpassungen, Streichungen und Umformulierungen. Wenn man über Jahre hinweg schreibt und sich dann mit diesen Texten erneut auseinandersetzt, kann es ganz witzig oder überraschend sein, die damaligen Ansichten zu lesen. Entweder sie passen noch, oder man hat sich, hoffentlich, doch weiterentwickelt. Meinungen und Einstellungen ändern sich, Erfahrungen prägen, die Welt dreht sich weiter.

Neun Jahre sind eine lange Zeit und mit den damaligen Aussagen konnte ich mich so gar nicht mehr identifizieren. Sie waren mir nicht fremd, aber mussten auch nicht mehr so stehen bleiben. Jedenfalls kann ich The Beauty noch immer empfehlen. Mittlerweile ist die Comic-Reihe schon seit Jahren vollendet und hat einen speziellen Platz in meinem Herzen. Es ist eine wunderbare Geschichte in einem einzigartigen Stil – ein vielfach unterschätzter Comic, wie ich finde. Man kann die Fragen, die die Geschichte aufwirft, natürlich philosophisch sehen und darüber nachdenken, oder man genießt eine ausgesprochen tiefgründige Geschichte für das, was sie ist: eine gute Geschichte. Die Interpretation bleibt wie immer bei den Leser*innen.


Vor zwei Monaten ist eine neue Image-Reihe gestartet, die ich diese Woche erst entdeckt habe. The Beauty bedient sich einer Prämisse, die so genial wie einfach ist und sobald man erst einmal anfängt, darüber nachzudenken, lässt einen das Thema nicht mehr los und es schwebt ununterbrochen eine Frage im Kopf herum: Was würde ich tun?

  • Story: Jeremy Haun, Jason A. Hurley
  • Art: Jeremy Haun
  • Color: John Rauch
  • Lettering & Design: Fonografiks

“I never wanted this. I’m not one of those assholes who went out and got it on purpose. … It’s a fucking disease!” – Vaughn

Sexuell übertragbare Krankheiten gehören als Thema genauso in unsere Gesellschaft wie Smartphones. Sie sind zum Glück nicht so weitverbreitet, doch sie schweben wie ein Damoklesschwert über uns. Auch wenn manche mittlerweile kein größeres Problem mehr darstellen, handelt es sich doch um Krankheiten, die unseren Körper befallen und schädigen. AIDS gehört dabei sicherlich zu den schlimmsten, die man bekommen kann, nicht nur durch eine gewisse Stigmatisierung der Krankheit und der Betroffenen. Etwas Kleines und unscheinbares, wie ein Kondom, kann davor schützen und auch wenn das Thema leider wieder in den Hintergrund rückt, da es sich vermutlich nicht gerade Auflagenweise verkaufen lässt, ist es doch aktueller denn je.

Doch was, wenn einem die Krankheit nicht unbedingt schädigt? Was, wenn die Krankheit eine geradezu positive Auswirkung hat? Körperfett wird in Massen vom Organismus verbrannt, Haare wachsen nach, Haut regeneriert sich, die Gesichtszüge werden ausgeprägter und all das nur durch etwas Sex ohne Kondom. Einzige Nebenwirkung des Ganzen ist ein konstantes leichtes Fieber. Nichts, womit man nicht leben könnte, oder?

Bevor ich mir auf ComiXology die erste Ausgabe gekauft habe, las ich mir die Beschreibung zu The Beauty durch. Dort wird erwähnt, dass die Welt von The Beauty seit ungefähr zwei Jahren von einer Krankheit heimgesucht wird, die sich manche Menschen schon immer gewünscht haben. Eine Krankheit, die einen endlich schön macht. Wie Eingangs erwähnt ist es eine durchaus interessente Frage und man kann nicht umhin, sich selbst zu fragen, was man selbst anstelle der Menschen in dieser Welt tun würde. Das Risiko eingehen oder es sein lassen? Ich habe darauf noch keine abschließende Antwort gefunden und weiß auch nicht, ob es überhaupt eine gibt. Zumindest würde ich nicht wie bei einem neuen iPhone sofort den Kaufen-Button drücken. Davon abgesehen wären natürlich Untersuchungen und eventuelle Langzeitschäden interessant, doch die Frage bleibt unbeantwortet.

Wie alles, was wir erschaffen, uns ausdenken und worüber wir schreiben, löst auch diese Krankheit Befürworter und Gegner auf den Plan. Natürlich kann man darüber diskutieren, die Risiken abschätzen und so weiter, doch schlussendlich muss doch jeder selbst entscheiden, was es ihm oder ihr Wert ist, schön zu sein (mal ganz davon abgesehen, dass jeder den Begriff „Schönheit“ anders definiert). Den Weg über einen Virus zu gehen, ist natürlich einfach und unkompliziert. Ich muss es mir nicht mit anstrengenden Läufen, Radtouren, Krafttraining und so weiter selbst verdienen. Monatelang dafür schuften und diszipliniert sein.

Aber und das kann ich aus eigener Erfahrung sagen, es ist ein herrliches Gefühl, ein anstrengendes Training absolviert zu haben. Etwas aus eigenem Antrieb zu schaffen, sich etwas zu erarbeiten. Denn es kommt natürlich nicht nur auf die äußere Erscheinung an, sondern wie man selbst damit zurechtkommt. Man kann durch die Krankheit The Beauty es sich einfach machen, über Nacht zu einer „Schönheit“ werden, aber ob man sich selbst dann auch so akzeptieren kann oder immer noch Fehler und Makel findet, wird durch ein Virus mit Sicherheit nicht gelöst.

Die Psyche wird durch einen Virus nicht geändert. Das ist immer noch Arbeit und anstrengend. Der Charakter bleibt der gleiche wie vorher. Es gibt keine Weiterentwicklung, keinen Erkenntnisgewinn. Ein Virus nimmt vielleicht die Entscheidung ab, wie man äußerlich auf andere wirken möchte, aber welches Bild projiziert man damit wirklich? Es ist die Abkürzung, ohne jeden Lerneffekt. Wenn ich nun darüber nachdenke und diese Gedanken aufschreibe, ich würde es vermutlich nicht tun. Auch wenn es vielleicht Zeiten geben mag, wo es verführerisch erscheint. Doch einmal geöffnet, lässt sich die Büchse der Pandora nicht mehr schließen.

The Beauty löst in mir etwas aus, dass ich von einem Comic, Buch oder Film nur selten kenne. Dieses Thema berührt mich auf einer tieferen Ebene. Jeremy Haun und Co. haben einen wunderbaren Comic erschaffen, der es wert ist, gelesen zu werden.

Die Unterhaltungen wirken intim, die Charaktere dreidimensional und echt. Der Stil gefällt ebenfalls ausgezeichnet. Die feinen, detaillierten Zeichnungen, die eine tolle Mimik der Figuren aufweisen, sind mit dunklen Farben ergänzt, wodurch diejenigen, die The Beauty haben noch deutlicher hervorstechen lässt.

Ich bin gefesselt und werde den Comic ab jetzt monatlich weiter verfolgen, sofern die Qualität auf diesem Niveau bleibt.

Geek-Planet: Saga – Book One

Als ich mich durch alte Texte von mir wühlte, um einen davon für diese Woche herauszusuchen, bin ich auf die folgende Rezension des ersten Saga-Buches gestoßen. Wenn ich mich richtig erinnere, war Saga damals schon ein recht erfolgreicher Comic, den ikonischen Status musste es sich aber noch erarbeiten. Mittlerweile gehört Saga zu den besten und erfolgreichsten Comics.

Auch ist es nicht mehr der Autor Brian K. Vaughan der als Erstes mit diesem Meisterwerk identifiziert wird, sondern die Künstlerin Fiona Staples. Die Art und Weise, wie sie diese fantastische Sci-Fi-Geschichte zum Leben erweckt, ist etwas Einzigartiges. Jeder Charakter hat distinktive Eigenschaften; die Kreativität, die von diesen Seiten förmlich zu tropfen scheint, ist unfassbar. Saga gehört zu meinen großen Lieblingscomics. Ich habe die Reihe auch schon des Öfteren und immer wieder gelesen, weil so viel darin steckt; es gibt stets neues zu entdecken.

Deshalb freut es mich umso mehr, dass ich vor fast neun Jahren ähnlich begeistert darüber dachte. Werfen wir heute also einen Blick zurück auf den 26.08.2015, als ich diesen Text auf meiner damaligen Homepage geek-planet veröffentlichte.


Während des Urlaubs ist bei mir das Image-Fieber ausgebrochen und ich habe mir in einem Comic-Book-Store in Dublin den ein oder anderen Trade gekauft. Unter anderem die erste Hardcover-Ausgabe von Saga, der hochgelobten und preisgekrönten Serie, von deren Qualität ich mich endlich mal selbst überzeugen wollte. Book One enthält neben den ersten 19 Ausgaben auch noch viele Extras, die einen tieferen Blick hinter die Kulissen gewähren.

  • Writer: Brian K. Vaughan
  • Artist: Fiona Staples
  • Lettering + Design: Fonografiks
  • Coordinator: Eric Stephenson

“What if the Writer is suggesting that war will never end, that it’s a self-perpetuating cycle of pointless brutality that can only be ‘stopped’ with more war” – Marko

Worum geht es in Saga? Die Geschichte dreht sich um das ungleiche Paar Alana und Marko. Beide sind frisch verliebt, verheiratet und auf den ersten Seiten bekommen sie auch schon ein Baby, dessen Namen ich an dieser Stelle nicht verraten werde, denn den zu entdecken haben die Macher*innen geschickt in die Erzählung eingebunden. Schon die ersten Seiten verraten viel über den Stil und die Aufmachung des Comics. Er ist direkt und versucht nichts zu beschönigen, selbst wenn die Ereignisse verstörend sein mögen oder es manchmal wehtut. Doch wer sind eigentlich die beiden Protagonisten?

Alana stammt vom Planeten Landfall und Marko von dessen Mond Wreath. Beide Parteien stehen seit ewigen Zeiten im Krieg, der mittlerweile die ganze Galaxis mit sich zu reißen scheint, denn die Schauplätze der Schlachten wurden von den Himmelskörpern weg auf andere Territorien verlegt. Denn eines Tages mussten die Völker einsehen, dass Planet und Mond in Koexistenz miteinander leben und die Zerstörung des einen zur unweigerlichen Vernichtung des anderen führt. Man könnte sich zwar dann auch gleich vertragen, aber wer will schon Frieden, wenn man einen schönen Krieg führen kann.

Der Comic beginnt mit einer einfachen Prämisse: Die Familie kämpft auf der Flucht vor beiden Regierungen um ihr Überleben. Doch sie entwickelt sich schnell zu einem packenden Thriller mit komplexen Charakteren, glaubwürdigen Motiven, verzwickten Beziehungen und mehr. Brian K. Vaughan zieht einen förmlich in seine Welt hinein. Die Dialoge sind fantastisch und das von ihm aufgebaute Universum so glaubwürdig, detailliert und liebevoll ausgearbeitet, dass ich fest daran glauben möchte, dass irgendwo, in einem weit entfernten Universum, eine solche Welt existiert. Dabei ergründen wir auf unserer Reise mit Alana und Marko nicht nur ihre Vergangenheit und begegnen verflossenen Geliebten, sondern werden auch Teil des Lebens von vermeintlichen Antagonisten. Was bewegt sie, warum machen sie so erbittert Jagd auf unsere Freunde – diese Fragen werden spannend und facettenreich beantwortet, sodass die Sympathie nicht immer nur auf der Seite des im Zentrum stehenden Paares bleibt.

Doch all das wäre nichts, ohne die grandiosen Zeichnungen von Fiona Staples. Allein der Aufbau der Panels, lässt das Auge auf natürliche, geradezu selbstverständliche Weise über die Seiten fliegen, womit die bunten und farbreichen Darstellungen oft nicht genug Beachtung finden. Saga profitiert sehr von seiner erwachsenen Alterseinstufung, da sich die Künstlerin nicht zurückhalten muss und die Geschichte so wiedergeben kann, wie sie sein muss: brutal, erotisch, ruhig, liebevoll, gefühlvoll, roh – eben genau so, wie es die Szene gerade benötigt. Die Liebe zum Detail, die unterschiedliche Farbauswahl, je nachdem, wo wir uns gerade befinden, alles fügt sich zu einem großen Ganzen zusammen. Dies kennt man nicht nur bei den handelnden Personen und deren Mimik und Gestik, auch die Landschaften und Fahrzeuge, welche für Planetare und Interstellare Reisen verwendet werden, passen sich wundervoll in die Welt ein. Zeichnen von der unvorstellbaren Kreativität, Fiona Staples.

Wenn ich einen Comic lese, bin ich immer versucht, jedem Charakter seine eigene Stimme in meinem Kopf zu geben. So wird es zu einem intensiveren Erlebnis. Wenn dann noch ein Lettering wie bei Saga hinzukommt, das gerade dazu einlädt, mit Dialekten, Betonungen und Aussprachen zu spielen, entsteht ein regelrechter Film.

Das Hardcover selbst macht einen hochwertigen, stabilen Eindruck und am Ende der Geschichte finden sich noch Erläuterungen, Skizzen und Interviews, die ich mir erst zu Gemüte führen muss. Das Buch ist in jedem Fall ein schöner Blickfang und darf in keiner Sammlung fehlen.

Wie ihr seht, bin ich von Saga schlichtweg überwältigt. Ich wusste zu Anfang nicht, was ich von dem Comic halten soll. Lediglich die positiven Kritiken waren mir bekannt, doch dass es so eine emotionale und packende Reise durch ein lebendiges Universum wird, wo nie sicher ist, was hinter der nächsten Ecke lauert, darauf war ich nicht vorbereitet.

In meinem übermäßigen Schwall an Begeisterung, habe ich auch gleich alle weiteren digitalen Ausgaben gekauft, um diese schnell nachlesen zu können, denn ich möchte nicht warten, bis Book Two erscheint (auch wenn ich es mir für meine Sammlung später natürlich zulegen werde).

Lest Saga! Lasst euch auf die Geschichte ein und erlebt ein Abenteuer, das ihr so schnell nicht vergessen werdet.

Geek-Planet: The Amazing Spider-Man – Brand New Day

Ich habe mir vorgenommen, mehr Spider-Man-Artikel für die zukünftigen Donnerstage herauszusuchen. Immerhin war dieser Charakter und die unzähligen Comics, in denen er vorkommt, der Grund, warum ich meinen damaligen Blog »geek-planet« gestartet habe. Also sollen diese Texte auch hier einen entsprechenden Stellenwert einnehmen. Mit Sicherheit nicht jeden Donnerstag, aber ich nehme sie mehr in den Fokus.

Der folgende Text stammt vom 17. Juni 2016 und behandelt einen soften Reboot der Spider-Man-Reihe, nachdem die vorangegangene Geschichte nicht gerade gut aufgenommen wurde. Aber das behandle ich ausführlich im Text.

  • Ausgaben #546-564
  • Autoren: Dan Slott, Marc Guggenheim, Bob Gale, and Zeb Wells
  • Zeichner: Steve McNiven, Salvador Larroca, Phil Jimenez, Chris Bachalo, Marcos Martin, and Barry Kitson
  • Inker: Dexter Vines, Andy Lanning, and Tim Townsend
  • Farben: Morry Hollowell, Dave Stewart, Jason Keith, Jeromy Cox, and Antonio Fabela

Nach dem ziemlich enttäuschenden Ende der letzten Story-Arc (One More Day), scheinen sich die kreativen Köpfe von Marvel etwas Neues überlegt zu haben. Oder es war schon immer ihr Plan, eine so enttäuschende StoryArc zu schreiben, dass das, was folgt, umso besser wirkt. Aber wer weiß das schon? Egal, was sich hinter den Vorhängen abgespielt hat, nach #545 kann es nur mehr Bergauf gehen. Leider müssen wir uns, wie bereits im letzten Artikel erwähnt, von der Idee verabschieden, dass wir es mit einem Spider-Man zu tun bekommen, dessen Identität jeder Person auf der Welt bekannt ist. Stattdessen bekommen wir mit Brand New Day quasi einen frischen, alten, neuen Spider-Man.

Getreu dem Motto: back to the roots, wurde nicht nur das kollektive Gedächtnis aller Menschen gelöscht, was das alter Ego von Peter Parker betrifft, sondern auch die Beziehung mit Mary-Jane ist nichtig geworden. Es hätte nur noch gefehlt, dass Peter zurück in die Highschool muss und wir wären wieder am Startpunkt angelangt. Natürlich ist nicht alles hinfällig geworden, denn der Registration Act, um den es im Civil-War-Event ging, ist immer noch aktuell. Da Peter sich eines besseren besinnt hat und sich nicht wie zuvor registrieren lässt, ist er ein gesuchter Superheld geworden. Diese Tatsache ist ziemlich gut in die Geschichten eingewoben und unser Held macht natürlich jede Menge Sprüche darüber, besonders wenn ihm eine gewisse Anfängerin namens »Jackpot« begegnet. Sie ist neu im Superheldengeschäft und ließ sich selbstverständlich brav registrieren. Leider begeht sie aber einen Anfängerfehler, der dazu führt, dass eine Stadträtin ums Leben kommt. Dies nagt natürlich an beiden.

Es ist etwas, was im Laufe der Geschichte immer wieder aufgegriffen wird: Konsequenzen. Vergangene Ereignisse, die nicht unbedingt nur in Brand New Day stattgefunden haben, zollen ihren Tribut und Spidey muss einen Weg aus dem Schlamassel finden. Überhaupt haben wir es hier wieder mit einem Spider-Man zu tun, den wir kennen. Er macht einen Spruch nach dem anderen, redet pausenlos und kommt in Situationen, in die nur er gelangen kann. Dabei »verliert« (wenn man es so sagen möchte) er gleich am Anfang einen seiner Web-Shooter und im weiteren Verlauf auch ein Kostüm nach dem anderen. Humor wird nach den letzten beiden StoryArcs wieder großgeschrieben und tut der Geschichte richtig gut.

Den verschiedenen Autoren und Künstlern gelingt es herrlich, das Privatleben und Superhelden-Dasein miteinander zu verknüpfen und beiden genug Raum zur Entfaltung zu bieten. Brand New Day wird gleich von einer Handvoll verschiedener Teams betreut, die jede ihre eigene kleine Geschichte präsentieren darf. Damals erschien The Amazing Spider-Man dreimal im Monat und pro Monat gab es einen Handlungsbogen.

Im Allgemeinen sind die Zeichnungen wirklich fantastisch. Die Bewegungen unseres Helden im Kampf und bei seinen Reisen durch die Stadt wirken dynamisch. Zusammen mit den bunten, unverkennbaren Farben wird der Comic zu einem wahren Augenschmaus. Jedoch, und dies muss hier kurz erwähnt werden, sind nicht alle Stile immer gleich gut. Das ist natürlich sehr subjektiv, doch an der ein oder anderen Stelle haben mir die Darstellungen nicht so zugesagt, auch wenn die verschiedenen Künstler sich um einen ähnlichen Look bemühen.

Die Bösewichte sind abwechslungsreich. Angefangen von Mr. Negativ, Manace und einem sich sehr schnell entwickelnden Freak, hin zu einem Maya-Gott und natürlich Paper Doll. Alle stellen auf ihre eigene Art und Weise eine Herausforderung für Spider-Man dar und bringen ihre eigenen Motive und Hintergründe mit. Dies gefällt besonders gut, da diese klar dargebracht und deshalb nachvollziehbar werden. Es sind nicht immer nur Gegner, die er so schnell wie möglich besiegen muss; es ist Zeit, dass sich in gewisser Weise Mitgefühl entwickelt.

Doch es gibt genauso viele eigene Herausforderungen, die Peter Parker in den Griff bekommen muss. Seine typischen Geldprobleme, eine Wohnungssuche und sein neuer Job beim DB, der sich auch auf seine Beziehungen auswirkt, sind nur die Spitze des Eisbergs. Ihr denkt jetzt sicher, DB steht für Daily Bugle. Leider nicht mehr. Denn unser cholerischer J. Jonah Jameson hat es endlich zu einem Herzinfarkt geschafft; so wie er sich immer aufführt, wundert es ja schließlich niemanden, warum das nicht schon früher passiert ist. Seine Frau hat sich dann kurzerhand dazu entschlossen, die Zeitung an einen gewissen Dexter Bennett zu verkaufen.

Dieser macht zwar noch mehr Jagd auf Spider-Man, als JJJ das jemals gemacht hat und biegt auch gerne mal ein paar Geschichten zurecht, doch zumindest bezahlt er Peter anständig für seine Fotos. So kann er sich nicht nur eine eigene Wohnung, sondern neue Netzflüssigkeit leisten, genauer gesagt, die Inhaltsstoffe, damit er diese zusammenbrauen kann.

Brand New Day ist eine Spider-Man-Geschichte, wie ich sie mir gewünscht habe, seit ich den Film Civil War gesehen habe. Immer lässige Sprüche auf den Lippen und eine gute Mischung aus verschiedensten Problemen, die er mit seiner lockeren Attitüde zu bewältigen versucht. Die Zeichnungen, die wie bereits erwähnt von den unterschiedlichsten Künstlern stammen, sind zum überwiegenden Teil unfassbar gut gemacht und tragen ihr Übriges zu einer unterhaltsamen Lesestunde bei. Unerwähnt lassen darf ich auch nicht die unterhaltsamen Editor-Notes, die sich über die gesamten Ausgaben hinweg finden. Sie zeugen von einer, wie ich finde, guten Zusammenarbeit des Teams und haben großen Unterhaltungswert.

Zwar hätte es mich interessiert, wie die Geschichte von Back in Black sich ohne One More Day fortgesetzt hätte, aber dieser kleine Neuanfang ist wirklich gut gelungen. Ich freue mich auf die kommenden Abenteuer. Vielleicht lese ich zwischendurch ein paar »Ultimate Spider-Man« Geschichten, denn immerhin sind sie der Grund, warum ich diesen Blog überhaupt gestartet habe.