Geek-Planet: The Walking Dead – Staffel 1

Heute geht es in Geek-Planet um den Beginn einer Serie, die bis heute ihre Spuren hinterlassen hat und deren Spin-offs weiterhin produziert werden. Der Text stammt vom 08. Oktober 2015. Er ist auf meinem damaligen Blog erschienen, den es heute so nicht mehr gibt.

Es ist schon interessant, auf den Beginn von etwas zurückzublicken. Fast neun Jahre ist es her, als The Walking Dead als Serie seinen Anfang nahm. Etwaige Staffeln, Spin-offs, Prequels und Fortsetzungen später hat man das Gefühl, als hätte es nie eine Zeit ohne diese Serien gegeben. Ich verfolge dieses Universum aber schon lange nicht mehr. Die Hauptserie hat mich irgendwann verloren. Fear of the Walking Dead begeisterte anfangs noch, hat aber dann ebenso nachgelassen.

Den Comic habe ich allerdings tatsächlich monatlich verfolgt, bis dieser sein natürliches Ende fand. Es kam überraschend und hat alles mehr oder weniger gut abgeschlossen. Ein durchaus positives Ende für eine tolle Geschichte, die über viele Jahre erzählt wurde. Mal sehen, ob das die Serien auch irgendwann schaffen.


Es ist schon erstaunlich, wie die beiden Medien Fernsehen und Comic miteinander korrelieren und welche unterschiedlichen Herangehensweisen Anwendung finden. So gibt es manchmal nur Details, die sich unterscheiden, und dann fügen die Autor*innen ganze Abschnitte ein, die es nie in den Comic geschafft haben. All das und mehr, bei gerade einmal sechs Episoden der ersten Staffel.

  • Developed by Frank Darabont
  • Cast: Andrew Lincoln, Jon Bernthal, Sarah Wayne Callies, Laurie Holden, Jeffrey DeMunn, Steven Yeun
  • Musik: Bear McCreary
  • Executive producers: Frank Darabont, Gale Anne Hurd, David Alpert, Robert Kirkman
  • Erstausstrahlung: 31. Oktober 2010 auf AMC

“We don’t kill the living.” – Rick

Zuerst einmal muss ich mit dem Casting anfangen. Ich bin begeistert von den Schauspieler*innen, die ausgewählt wurden. Teilweise passen sie fast zu hundert Prozent zu ihren Pendants im Comic. Bei den darstellerischen Leistungen würde ich mir zwar manchmal mehr Hingabe erwarten und die Chemie passt nicht immer, doch im Großen und Ganzen sind sie überzeugend. Immerhin muss sich nicht nur die fiktive Gruppe im The Walking Dead-Universum erst einmal kennenlernen, sondern auch die Schauspieler untereinander.

Am seltsamsten finde ich zur Zeit Ricks Frau Lori. Im Comic wirkt sie zwar auch nicht gerade wie der Badass à la Sigourney Weaver, allerdings zeichnen die Autor*innen ein klares Bild von ihr. In der Serie schwankt sie mir noch zu stark zwischen unsicherer Liebhaberin, selbstbewusster Frau und seltsamer Mutter. Was mich genau stört, kann ich nicht benennen, allerdings entwickelt sie sich gut in den ersten Folgen. Aber vielleicht ist es genau dieses wandelbare, unsichere, dass sie glaubhaft macht. Wir werden sehen. Für ein endgültiges Urteil ist es ohnehin noch zu früh.

Die Unterschiede zum Comic halten sich am Anfang noch in Grenzen. Hier wird ein Zombie mehr erschossen, dort erhält jemand seine Uniform später. Allerdings driften die beiden Medien immer weiter auseinander. Mir sind besonders drei Dinge aufgefallen, die grundlegend anders sind und auf die ich genauer eingehen möchte.

  1. Shane und Lori: Die beiden hatten im Comic einmal Sex, führen eher eine Freundschaft Plus, statt eine als echtes Paar durchzugehen. Lori hält es außerdem für einen Fehler und trauert weiterhin um ihren Mann. Doch in der Serie könnte man meinen, die beiden seien schon ewig zusammen. Nur versuchen sie es vor den anderen und besonders vor Carl, der Sohn von Lori und Rick, zu verstecken. Hier bietet sich natürlich ein großes Konfliktpotenzial und soll wahrscheinlich zur Spannung beitragen. Ich finde, dies hätte man auch mit dem einen Ausrutscher und ein paar subtilen Anspielungen geschafft. Besonders die provokante Anmache im C.D.C. hätte man Shane abgekauft, ohne dass sie zuvor eine längere, heimliche Affäre gehabt haben. Es deutet sich schon an, dass der Konflikt zwischen ihm und Rick immer weiter anwächst und es kann nicht mehr lange dauern, bis dieser den Höhepunkt erreicht. Ich bin gespannt, ob er sich genauso auflöst, wie im Comic vorgegeben.
  2. Merle und Daryl: Die beiden gibt es im Comic gar nicht und sind repräsentativ für den ein oder andere Person, die in der Vorlage anders charakterisiert wird. Denn in der Serie ist die Quote an dedizierten Vollidioten definitiv höher. Diese handeln meist aus primitiven Instinkten und wollen sich nicht in die Gruppe einpassen, weil ihr Ego zu groß ist oder etwas anderes zu klein. Doch sind sie geistesgegenwärtig genug, um festzustellen, dass ihre Chancen alleine zu überleben gegen null gehen. Nur fürs Protokoll, Daryl mag ich von allen unliebsamen Charakteren noch am meisten und er macht sicher noch eine interessante Entwicklung durch, sofern er es verhindern kann, von einem Walkern gefressen zu werden.
    Es spielt natürlich wieder das Konfliktpotenzial und die mögliche Eskalation von Situationen eine große Rolle. Es bleibt immer spannend, wie der- oder diejenige reagiert.
  3. C.D.C.: Was im Comic bisher noch gar nicht aufgetaucht ist, ist das CDC. In den letzten beiden Episoden spielt diese eine größere Rolle. Vor allem deswegen, weil ein Mann in der Gruppe gebissen wurde und sie eine Heilung finden möchten. Dieser stirbt zwar auf dem Weg dorthin, doch man kann es doch auf jeden Fall versuchen.
    In der Niederlassung können sie sich erstmal stärken, bevor sie weiterziehen müssen, da der psychisch angeknackste Doktor sie alle „dekontaminieren“ möchte. Es entwickelt sich eine interessante und spannende Atmosphäre und zeigt teilweise das wahre Gesicht eines Charakters, besonders natürlich, wer für wen Gefühle hat und wer wirklich leben möchte. Schade ist, dass am Ende Jacqui stirbt. Doch in Serien ist es meistens so, dass Protagonisten, die ich ins Herz geschlossen habe, als Erstes sterben. Wie dem auch sei, am Ende stehen sie wieder auf der Straße und müssen überlegen, wie es weitergehen soll.

Ich bin noch am Anfang der Serie und mir ist bewusst, dass sich manche Dinge erst entwickeln müssen. Besonders die Gruppendynamik. Sie müssen sich erst alle richtig kennenlernen, damit sie sich blind vertrauen können. Die Gruppe wurde immer weiter dezimiert. Dies ist vorwiegend deshalb möglich, da um einiges mehr Menschen in der Gruppe sind, als es in der Vorlage der Fall ist. Auch dies spielt natürlich mit den Erwartungen der Zuschauer*innen. So kann man überrascht jemanden sterben lassen, ohne dass es die gute Vorlage beeinträchtigt und man wertvolle Charaktere opfern müsste. Es wäre auch langweilig, wenn man alles anhand des Comics vorhersagen könnte. Ich habe Vertrauen in die Macher, auch deshalb, weil Robert Kirkman an der Serie beteiligt ist.

Man kann eben nicht die gleichen Geschichten erzählen wie im Comic. Sie müssen dem Medium Fernsehen angepasst werden. Ich bin jedenfalls angefixt und sehr gespannt auf Staffel zwei. Die Welt der Walker hat mich packt.