Das Coming-out

Gestern haben wir 1.000 Tage kontinuierlicher Veröffentlichung von Texten gefeiert. Ein Meilenstein ist erreicht. Dieser spornt mich allerdings nur dazu an, weiterzumachen und mir verrückte Dinge einfallen zu lassen. Etwa mein Projekt für 2027: »Operation Strohbau«. Ein Jahr Fokus auf ein Thema. Ob es so aufgeht, wie ich es mir vorstelle, werden wir sehen. Heute möchte ich aber kurz über etwas schreiben, das ich in meiner Liste von »25 Things« erwähnt habe: das Coming-out.

Wenn man sich den kleinen Absatz so durchliest, könnte man meinen, damit wäre es vorbei. Viele nicht queere Menschen stellen sich ein Coming-out vielleicht genauso vor: als ein singuläres Ereignis. Man sagt es einmal jemandem, meist den Eltern oder den besten Freunden, und das war’s.

Natürlich kann man stets sagen, wem man es als Erstes erzählt hat, oder man hat die Reihenfolge und andere damit zusammenhängende Details noch im Kopf. Das war es allerdings nicht. Ein Coming-out ist ein andauernder Prozess. Man begegnet, im Idealfall, immer wieder neuen Menschen und lernt neue Freunde und/oder Arbeitskollegen kennen. Es stellt sich dann immer wieder die Frage, ob man es jemandem offen sagt oder einfach offen mit dem Thema umgeht, es nicht aktiv versteckt, aber auch nicht in die Welt hinausposaunt. Manchmal gibt es auch Menschen im Leben, die einem ans Herz wachsen und bei denen man sichergehen möchte, dass sie es wissen. Nicht, weil es das eine Kernelement meiner Persönlichkeit ist, sondern weil es eben zu mir gehört.

Ein Coming-out ist ein Prozess, der nie so richtig abgeschlossen ist. Meist geht es gut, manchmal stößt man auf Unverständnis. Wobei Letzteres doch selten ist. Zumindest habe ich diese Erfahrung nur einmal ganz direkt gemacht, und darüber bin ich äußerst froh. Nicht alle queeren Menschen können sich so glücklich schätzen. In solchen Fällen ist es aber auch gut, wenn diese Personen langsam aus dem eigenen Leben verschwinden. Ich habe nicht vor, mich zu verstecken, mich zu verstellen oder sonst wie ein falsches Leben führen zu müssen, nur weil manche Menschen in mittelalterlichen Sichtweisen steckengeblieben sind.

So negativ wollte ich jetzt eigentlich gar nicht werden. Ein Coming-out ist etwas Positives und Schönes. Menschen teilen etwas von sich mit, öffnen sich und machen die Welt spannender. Wie sagte es Captain Holt in der großartigen Serie »Brooklyn Nine-Nine« so schön zu Rosa, als sie sich der Crew gegenüber öffnete:

„Every time someone steps up and says who they truly are, the world becomes a better, more interesting place.“