Geek-Planet | The Walking Dead: S07E02

Es ist nicht Donnerstag. Trotzdem sehen wir uns einen alten Text von mir an. Denn ich möchte mal etwas anderes versuchen und das bietet sich mit der siebten Staffel von The Walking Dead hervorragend an. Ich habe die Staffel nämlich wöchentlich begleitet und zu jeder Folge eine Rezension geschrieben. Erst dachte ich mir, ich könnte mehrere dieser Texte in einem Text zusammenfassen, aber das wäre zu lange geworden. Stattdessen gibt es nun eine The Walking Dead Woche, fast. 8 Tage mit 8 Texten. Dazu kommt noch, dass ich mir nicht genau notiert habe, wann ich diese Texte geschrieben habe. Aufgrund der Veröffentlichungstermine der siebten Staffel sollte der folgende Text von November 2016 stammen. Wir hatten schon einen X-Men Takeover dieses Jahr, also warum nicht auch eine Woche mit The Walking Dead.


Nach dem Horror aus der letzten Episode geht es diese Woche etwas ruhiger zu. Wir wechseln die Perspektive und setzen uns mit Carol und Morgan auseinander, die, wie bereits im Finale der sechsten Staffel angedeutet, von einer Gruppe Reitern Unterstützung erhalten. Dabei begegnen sie einem abstrusen Charakter und seinem Haustier. Doch in Zeiten der Apokalypse sind alle gleich und jeder hat die Möglichkeit, sich etwas Neues aufzubauen und es nach seinem Willen zu formen.

“People can try and set you in the right direction, but they can’t show you the way.” – Morgan

Es tut der Serie durchaus gut, sich in dieser zweiten Episode dem Horror abzuwenden und sich einem völlig anderen Thema zuzuwenden. Leser*innen der Comics werden sich schon gefreut haben, als Ezekiel in der Vorschau angekündigt wurde. Wie werden sie ihn umsetzen? Aber vor allem, wie wird sein Haustier aussehen?

Doch zuerst muss die verletzte Carol mit Morgan und den Reitern den Weg zum Kingdom finden. Die Verletzung und der damit einhergehende Blutverlust sorgen dafür, dass Carol in ein Delirium fällt und zu halluzinieren beginnt. Während die anderen die Zombies, die sie angreifen, töten, sieht sie an deren statt die Menschen dahinter. Es wirft wieder einmal einen interessanten Aspekt auf und entspricht sehr dem Charakter der Protagonistin und dem, was sie in der Vergangenheit mitgemacht hat. Ihr wurde alles zu viel. Sie konnte nicht mehr einfach so Zombies töten, da sich dahinter Menschen verbergen. Mütter, Väter, Kinder usw. Der Übergang in diesen Szenen zwischen Zombies und Menschen, die Carol sieht, ist wunderbar umgesetzt. Scheinbar haben sich die Macher dafür extra eineiige Zwillinge gesucht, um dies auf diese Weise umsetzen zu können. Ein Aufwand, der sich durchaus gelohnt hat. Trägt er doch zur weiteren Transformation Carols bei.

Angekommen in The Kingdom, wird sie von Morgan erstmal Ezekiel vorgesetzt. Verzeihung, King Ezekiel natürlich. Wenn man sich in der Apokalypse als König ausgibt und seine Reiter als Ritter bezeichnet, darf es natürlich auch sonst nicht an Theatralik fehlen. So sitzt er auf einem Thron in einem Auditorium, mit einem gemalten Schloss als Hintergrund. Es ist ein absurd herrlicher Anblick. Doch das überraschendste ist wohl sein Tiger. Die Befürchtung, dass dieser in der Serie vielleicht nicht so hübsch umgesetzt wird oder nur ein müder Abklatsch des Comics wird, war vollkommen unberechtigt. Bei genauem Hinsehen kann man zwar schon erkennen, dass es sich um ein animiertes Tier handelt, doch meistens sieht er täuschend echt aus. Vor allem was die Bewegungen und das Fell anbelangt. Eine tolle Umsetzung, die auf einem Level ist, wie man es in einer Serie nicht oft zu sehen bekommt.

Wie Carol auf den König reagiert, ist äußerst überraschend. Tut sie doch sehr naiv und unschuldig – spielt ihm etwas vor, so wie sie glaubt, dass er ihnen etwas vorspielt. Dabei ist es durchaus nachvollziehbar, dass sie dies in einer Art macht, die überzogen wirkt. In so einem Setting passt es hervorragend hinein. Ihr kontrolliertes, geradezu kalkulierendes Auftreten über mindestens die Hälfte der Folge ist aber auch beängstigend. Natürlich darf sie Zweifel über die Absichten der Bewohner des Kingdoms haben, doch man kommt nicht darüber hinweg zu denken, dass sie durch ihre Aktion alles zerstören wird. Ricks Leute und die Zuschauer*innen haben sich so sehr daran gewöhnt, dass andere Gruppen stets böse Absichten verfolgen und dementsprechend vernichtet werden müssen. Da tut eine alternative Herangehensweise durchaus gut. Es bleibt spannend, wie sich nun diese vierte Gruppe in den Kontext, der bisher aufgebaut wurde, einfügt.

Während Carol ihre Sachen zusammenklaut, inklusive Waffen, und ihre Flucht plant, ist Morgan bemüht, sich in die Gruppe zu integrieren. Dabei hilft ihm besonders ein Junge, der seine Eltern verloren hat und sich um seinen kleinen Bruder kümmern muss. Er ist intelligent, hat schon alle Bücher der Stadt gelesen (twice!) und seine Neugierde gegenüber Morgan ist erfrischend. Zuerst etwas zurückhaltend, stimmt Morgan schließlich zu, ihn in Aikido auszubilden und ihm beizubringen, wie er mit einem Stab kämpfen kann. Morgan passt perfekt in diese Rolle, ist er doch so etwas wie ein spiritueller Mentor innerhalb der Gruppe. Da er jedoch immer von Rick zu überschattet werden scheint, kommt er nie in die Verlegenheit, dass sich andere Rat suchend an ihn wenden. Dabei hat er durch seine Vergangenheit und seine Verwandlung durchaus bewiesen, verstanden zu haben, worum es in dieser neuen Welt gehen könnte. Er ist jedoch sehr darauf bedacht, kein fertiges Rezept vorzugeben, sondern will eher, dass sein Schüler seinen eigenen Weg geht (wie auch das obige Zitat deutlich macht). Jeder muss selbst erkennen, wie er in dieser Welt nicht nur überleben, sondern vor allem leben möchte.

Von mir aus können wir gerne weiterhin in The Kingdom bleiben und diese wunderbaren Menschen kennenlernen. Zwar sind sie von Negans Männern bedroht, doch da sie ihnen Schweine und andere Lebensmittel zur Verfügung stellen, werden sie von ihnen weitestgehend in Ruhe gelassen. Hoffentlich findet Rick ebenfalls diese Herangehensweise, damit seine Gruppe sicher vor Lucille bleibt.

In einer der letzten Szenen gibt es eine Aussprache zwischen Ezekiel und Carol. Es ist ein gelungener Dialog, der die beiden Charaktere einander näher bringt. Schließlich verlässt Carol The Kingdom, um in ein Haus einzuziehen, das ihnen auf dem Weg dorthin untergekommen ist. Ich weiß nicht, ob ich es gut finden würde, wenn sich zwischen den beiden eine Beziehung ergibt – irgendwie wollen sie für mich nicht so recht zusammenpassen. Aber dies muss sich erst noch zeigen. Es ist allein schon fantastisch und beeindruckend dabei zuzusehen, wie Ezekiel mit seinem Tiger und einem Granatapfel an der Tür klopft und von einer verwunderten Carol begrüßt wird.

Die zweite Episode von The Walking Dead überzeugt auf ganzer Linie und beweist, dass die Serie durchaus mehr zu bieten hat als Mord, Zombies und Horror. Das Zwischenmenschliche steht ebenso im Fokus der Autor*innen. Sie zeigen ausgezeichnet, wie jeder seinen eigenen Weg gehen muss – doch um diesen zu finden, benötigt es manchmal eine lange Reise – buchstäblich und im übertragenen Sinne.