Eigentlich wollte ich nur eine kleine Textreihe starten. In dieser Textreihe wollte ich etwa einmal pro Woche eine bestimmte Erfahrung festhalten und regelmäßig darüber berichten. Es geht um eine Art Rezension, Eindruck, Fortschritt, Notizen und so weiter. Nach nur wenigen Tagen ist es allerdings derart eskaliert, dass ich nun ein wirklich großes Projekt plane und vorbereite, das nächstes Jahr seine Früchte tragen wird – oder ernten wird, beliebige Metapher hier einsetzen. Das ist jetzt alles sehr vage und unbefriedigend, ich weiß – wie das Ende der Filmreihe »Old Guard«, das wir auch nie sehen werden. Mein Projekt wird allerdings wirklich kommen. Es ist auch nicht so wichtig, worum es geht, sondern vielmehr, wie schnell es eskaliert ist.
Ich saß da, wollte den ersten Text beginnen, und da wusste ich eigentlich schon, dass es größer wird, ja sogar werden muss, wenn ich dem Ganzen gerecht werden möchte. Ideen schossen im Kopf herum, Notizen wurden gemacht, Kategorien und Textsorten erdacht und konzipiert – es wurde größer und größer, bis es die aktuelle Struktur erreicht hat. Ich dachte anfangs, dass es zu viel wäre oder zu groß, aber eigentlich war mir das auch vollkommen egal. Ein anderes Beispiel, um es anschaulicher zu machen:
Irgendwann Ende 2025 habe ich wieder angefangen, Warhammer zu malen. Hobbys unterliegen bei mir einem unbestimmten Rhythmus. Zu dem Zeitpunkt war eben Warhammer wieder dran, an die Oberfläche meiner Interessen zu schwappen. Ich habe noch jede Menge Figuren, da ich seit meiner Kindheit dieses Hobby verfolge. Doch da Freund M. nun ebenfalls einstieg, wollte ich eine konkrete Armee beginnen. Die Wahl fiel sehr schnell auf Tyraniden. Die sind einfach cool. Also habe ich Armeelisten durchforstet, Reddit-Beiträge angeschaut und weitere Figuren gekauft, die relevant werden könnten. Sogar die rare »Crusher Stampede«-Box habe ich ergattert, mit wirklich grausig-coolen Monstern und jeder Menge Kitbashing-Möglichkeiten. Ich hatte viele Ideen, wie ich die Bases gestalten kann, wie ich meine alten Space Marines als Opfer inszenieren kann (ein Tyranid soll einen über seinem Kopf buchstäblich in zwei Teile zerreißen) und natürlich, wie ich sie anmalen kann. Ich will nicht alle gleich anmalen, also habe ich für meinen Schwarm eine lose Logik entwickelt, wie ich die unterschiedlichen Farben erklären kann. Von einer Idee bis zur Eskalation war es nicht weit.
Diese Eskalationen machen ungeheuren Spaß. Solange sie im Rahmen bleiben. Mir ist bewusst, dass ich seit Wochen nicht mehr gemalt habe, aber die Ideen und Konzepte habe ich festgehalten und sie warten in Ruhe auf ihre Umsetzung. Es läuft nichts davon. Ich habe einige Figuren bemalt und nicht nur geplant und recherchiert. Für mein großes Textprojekt (nennen wir es einfach mal so) habe ich auch viele Ideen, wie ich es veröffentlichen will, zu Bannern und mehr, aber diese Ideen halte ich fest. Denn aktuell geht es darum, Texte zu schreiben. Ich will und muss fast schon Texte schreiben. Mir brennt es förmlich unter den Fingern. Auch hier gerät die Planung nicht dem eigentlich Wichtigen in die Quere: dem Schreiben.
Egal, ob es Warhammer ist, das Schreiben von Texten oder unendlich viele andere Hobbys, Interessen und Leidenschaften: Solange Eskalation im Kern immer noch Begeisterung bedeutet und dazu führt, dass man es gerne macht, es kaum erwarten kann, von der Arbeit nach Hause zu kommen und sich weiter damit zu beschäftigen, solange Wochenenden immer zu wenig Zeit bieten und es einen motiviert, for lack of a better word, ist alles in Ordnung. Problematisch wird es, wenn diese Eskalation zu Überforderung führt, zu Zwang, zu Druck und einem die Leidenschaft aussaugt wie ein Blutegel. Dann sollte man innehalten und gründlich darüber nachdenken, ob es das wert ist.
Werde ich mein groß angelegtes Projekt so, wie es jetzt gedacht ist, vollenden oder veröffentlichen? Keine Ahnung. Ich habe dann auf jeden Fall jede Menge Texte, die ich veröffentlichen kann. Ich habe auch schon einen »Supernatural Rewatch« und einen »Charmed Rewatch« gestartet, die ich nach nur wenigen Folgen abgebrochen habe, weil ich einfach keine Leidenschaft für diese Projekte hatte. Manches versiegt nach wenigen Anläufen, anderes hält Jahre an. Darauf kommt es an: Die Leidenschaft sollte im Zentrum stehen. Diese Interessen sollen Eskapismus bieten, Ausgleich schaffen und Energie geben. Sobald sie nur noch Energie kosten, sollte man vielleicht noch einmal darüber nachdenken. Man tut es schließlich für sich selbst.
