Im Puff

Manche Chancen muss man einfach nutzen. Es kommt die Zeit im Leben eines Mannes, da kann man nicht anders. Dann besucht man vielleicht Etablissements, von denen man nie gedacht hätte, sie zu betreten. So geschehen am vergangenen Wochenende. Denn es bot sich die einmalige Gelegenheit, das ehemalige Freudenhaus in der Steingasse in Salzburg zu besuchen, welches gerade zu einem Luxushotel umgebaut wird. Wobei Luxushotel nach Prunk und Größe und ausschweifenden Zimmern klingt. Das ist für dieses zukünftige Hotel nur bedingt richtig.

Grund dafür ist, dass das über 500 Jahre alte Gebäude gerade einmal vier Meter breit ist. Was ich nicht wusste, ist, dass es sich um ein ehemaliges Gerbereihaus handelt. Die Salzach reichte damals bis quasi zur Haustür, so konnte diverser Abfall und dergleichen direkt entsorgt werden. Über das Dasein des Hauses als Puff erfuhr man leider nichts, aber trotzdem war es eine der wohl ungewöhnlichsten Führungen, die ich je erlebt habe. Und ich habe schon sehr viele Führungen in Salzburg mitgemacht. Das Ungewöhnliche rührt allerdings eher daher, wie das Haus aufgebaut ist. Es gibt nur eine Handvoll kleiner Räume. Das Treppenhaus ist verwinkelt, schmal, steil, jede Stufe ist anders und man muss wirklich aufpassen, wo man hintritt. Aktuell ist es auch noch eine Baustelle, womit das noch einmal mehr zutrifft.

Das Hotel an sich, wenn es fertig ist, wird ebenfalls ungewöhnlich. Es gibt dann lediglich die Rezeption und fünf Zimmer. Keine Küche, kein Aufenthaltsraum, keine Bar, nichts – wo sollten diese Sachen auch Platz haben? Es war schon eine Herausforderung, die Zimmer unterzubringen. Bei manchen wird die Dusche im Zimmer sein, bei anderen geht man durchs Bad ins Zimmer, und wie bei anderen ist die Toilette im ehemaligen Kamin untergebracht. Das oberste und unterste Zimmer sind auf zwei Stöcke aufgeteilt. Auf den gerenderten Bildern sieht das alles luxuriös und toll aus und es wäre spannend, einmal eine Nacht oder zwei dort zu verbringen. Jedoch wird das weit jenseits meines Budgets liegen.

Die Führung war eine einmalige Chance und wird sich so schnell nicht mehr ergeben. Vor allem in diesem Zustand wird man das Gebäude nicht mehr sehen können. Doch vieles von den alten Substanzen wird erhalten. Sei es die Holzbalken der Decken, die Kerzennischen oder Marmorböden und so weiter. Dass es sich einmal um einen Puff gehandelt hat, wurde daher schnell zur Nebensache und galt eher als lustiger Aufhänger. Tatsächlich war es ein spannender und einzigartiger Einblick in die Vergangenheit der Stadt. Ein seltsames und zugleich furchtbar spannendes Gebäude.