Stephen Colbert

Ich habe lange überlegt, ob ich etwas zum Abgang von Stephen Colbert schreiben soll. Aber allein schon aus historischen Gründen ist es wohl sinnvoll. Und was wäre ein passenderer Zeitpunkt als das einmonatige „Jubiläum“ seines Abschieds von »The Late Show«? Ich kann nicht behaupten, jede einzelne Folge gesehen zu haben, aber doch ist es nun stiller. Es ist eine Stimme verschwunden. Eine kritische Stimme, die den Mächtigen Paroli geboten hat und die man gerne im Hintergrund wusste.

Ich mochte die Art, wie Stephen Colbert Interviews führte. Auch wenn er natürlich die typisch amerikanische Tendenz hatte, seine Gäste nicht einfach nur erzählen zu lassen, sondern auf seine Fragen zu bestehen, zu unterbrechen und das Gespräch zu lenken. Niemand kommt eben, was diese Disziplin anbelangt, an Craig Ferguson heran. Seth Meyers ist bei der Interviewführung auch noch angenehm. Aber Jimmy Fallon und Jimmy Kimmel mag ich beide nicht. Fallon ist mir zu überdreht, und mit Kimmels Art bin ich noch nie warm geworden.

Worin aber niemand Colbert das Wasser reichen konnte, waren seine Monologe. Er hat geschimpft, wenn es notwendig war, und vor nichts Halt gemacht. Diejenigen an der Macht mussten sich vieles gefallen lassen. Und das zu Recht. Das ist die Bürde der Macht in einer Demokratie. Man darf sich darüber lustig machen, kritisieren und manchmal auch beschimpfen, wenn es angebracht ist. Das aktuelle US-Regime kann vieles. Mit Kritik und Satire umgehen, gehört nicht dazu. Die offizielle Begründung für Colberts Ende war natürlich finanzieller Natur. Was wirklich dahintersteckt, kann sich jeder und jede selbst überlegen.

Meine Befürchtung ist, dass die andere, äußerst kritische Stimme als Nächstes dran sein könnte: John Oliver. Auch wenn er keine typische Late Show hat, ist »Last Week Tonight« mittlerweile eine ikonische Sendung. Doch wenn Paramount wirklich Warner Bros. übernimmt, sieht es nicht gerade beruhigend aus. Der neue Chef scheint dem Regime treu ergeben zu sein und nichts von unabhängigem Journalismus zu halten. Ich werde einfach nicht schlau daraus, dass reiche, mächtige, einflussreiche Männer einer Orange hörig sind, ihre Prinzipien über Bord werfen und im Schlamm kriechen wie Hunde, die ihrem Herrchen gefallen wollen, auch wenn sie regelmäßig mit der Zeitung geschlagen werden. Es ist peinlich, feig, und Rückgrat hat von denen sowieso niemand.

Stephen Colbert war hier anders. Ich bin gespannt, was er als Nächstes macht. Offenbar arbeitet er an einem neuen »Herr der Ringe«-Film mit. Ich denke allerdings nicht, dass er lange von politischer Satire und journalistischer Beobachtung wegbleiben kann. Es ist in seiner Natur. Und Stimmen wie seine verschwinden nicht einfach. Sie suchen sich nur ein neues Mikrofon.