Anfang Juni war das Summer Game Fest, ich berichtete: »Summer Game Fest 2026«. Dabei erschienen ein paar durchaus spannende Trailer. Ein »God of War«-Spiel ohne Kratos als Protagonisten wurde vorgestellt, »Wolverine« erhielt einen längeren Trailer und diverse andere Titel rückten ins Zentrum. Ich mochte die Mischung aus bereits bekannten Spielen, von denen man mehr Material sah, und neuen Enthüllungen. Ein guter Mix, auch wenn mich jetzt nichts direkt vom Hocker riss. Ich warte weiterhin geduldig auf den »Silksong«-DLC »Sea of Sorrow« und die kleine »Elden Ring«-Erweiterung mit neuen Waffen, Rüstungen und Skins für Torrent.
Ein Spiel, das mich allerdings überrascht hat, und das auf vielen Ebenen, war »Saw Genesis«. Auf IGN wird das Spiel so beschrieben: „Ein Jahrhundert vor Jigsaw erforderte das Überleben Opfer. Erlebe die spannende Welt von SAW hautnah in einem neuen 3-gegen-1-Multiplayer-Horrorspiel, in dem drei Angeklagte zusammenarbeiten müssen, um einem Labyrinth aus Fallen zu entkommen, während ein Richter ihre Umerziehung inszeniert.“
Ich hatte eine Zeit in meinem Leben, sie liegt viele Monde zurück, da habe ich die »Saw«-Filme gefeiert. Besonders die Ersten natürlich, aber auch die späteren haben mir gefallen. Hier waren es weniger die Folterszenen, die mich beeindruckt haben, und mehr die Mythologie, die sie versucht haben aufzubauen. Eben das, was Jigsaw erschaffen hat und was sein Schüler, wenn man es so nennen möchte, daraus gemacht hat. Heute kann ich mir das gar nicht mehr vorstellen und solche Torture-Porn-Filme meide ich mit weitem Bogen. So ändern sich eben die Interessen mit der Zeit. Nun kommt also ein Spiel heraus, das die Idee von »Saw« aufgreift. Ich habe mehrere Probleme damit.
Zum einen widerspricht das der bisherigen Mythologie der Filme. Zumindest bis Teil sieben oder acht oder wann auch immer ich aufgehört habe, die Reihe zu schauen. „Ein Jahrhundert vor Jigsaw“? Was soll das? Man kann das natürlich für seinen eigenen Kanon ignorieren, aber der Kern von »Saw« war doch stets, dass Jigsaw der große „Erfinder“ und das „Vorbild“ war. Ich weiß nicht, was ich alles in Anführungszeichen setzen soll und was nicht. Jedenfalls stört mich das schon mal. Aber dann ist da noch das Spiel selbst.
Wenn man sich als „Opfer“ durch die Fallen „quälen“ muss, kann ich mir durchaus vorstellen, dass es eine Welt geben könnte, in der mir das vor Jahren, als ich »Saw« noch geschaut habe, auch „Spaß“ hätte machen können. Aber dass es explizit einen Spieler gibt, der die Rolle von Jigsaw einnimmt, stößt mir dann doch etwas sauer auf. Will man das? Soll man das?
Ich bin in dem Thema »Saw«, allem, was das berühren könnte, und dem gesamten Genre dieser Filme absolut nicht mehr drin. Ich kenne die Fan-Kultur nicht. Ich hatte nur vor Jahren eine Phase, in der ich die Filme gerne geschaut habe. Wenn allerdings der Studioboss oder Chefentwickler sagt, es gehe um die „moralischen Entscheidungen“, dann bin ich mir nicht sicher, ob dieser die »Saw«-Filme gesehen oder verstanden hat. „Moral“ ist vielleicht das höhere Ziel von Jigsaw gewesen, aber es ist auch eine fehlgeleitete Moral. Die Opfer hatten nie reale oder faire Chancen, zu entkommen. Und nur weil es ihm „geholfen“ hat, etwas Tragisches zu erleben, heißt das noch lange nicht, dass es ein adäquates Mittel ist, um andere ins Licht zu führen. Immerhin wurde er dadurch zum Quäler und Serienmörder. Aber wer möchte schon darüber nachdenken.
Ein seltsames Spiel über ein fragwürdiges Film-Franchise. Und dass ich in meinem Leben jemals noch mehr als 600 Worte über »Saw« schreiben würde, hätte ich beim besten Willen nicht gedacht. C’est la vie.
