Es gibt Geschmäcker, die sind einzigartig. Man kann noch so oft versuchen, etwas zu trocknen, einzufrieren, zu kochen, zu destillieren, zu quetschen, zu schlagen oder zu pürieren – manches schmeckt frisch einfach am besten. Dazu gehört leider das großartige und ungeschlagene Kraut Basilikum. Zwar gibt es dieses gefroren und getrocknet, aber geschmacklich ist das viel zu fad. Sogar vom Wasser geküsst, muss man aufpassen, dass die Blätter sich nicht beleidigt zurückziehen und der Zunge bzw. der Nase ihren Geschmack verwehren. Basilikum ist die Diva unter den Kräutern, nicht einmal mit einem Riegel Snickers zufriedenzustellen.
Aber was ist, wenn man aus der grünen Kräuterpflanze mit Ego eine Art wässriges Öl destilliert? Kann man der Natur einen Strich durch die Rechnung machen, sie austricksen und den Blättern ihre Geschmacksstoffe entziehen, bevor sie überhaupt bemerken, dass sie sie verloren haben? Welche Mondphase, welches Pendel, ja welche Art von Granderwasser muss man herbeischaffen, um dieses Kunststück, das an dunkle Magie grenzt, zu bewerkstelligen, und wer ist wahnsinnig genug, es zu versuchen?
Oh ja, da, ganz hinten, meldet sich jemand. Die Helden in Grün (Kenner kennen sich aus) haben sich der Aufgabe angenommen und bieten ein kleines Fläschchen dieses auf magische Weise entstandenen Öls bei einem großen Händler zu einem erschwinglichen Preis an. Gespannt wartete ich also, bis der Bote eintraf und mir ehrfürchtig das in toten Baum gehüllte Produkt überreichte. Das Öl war gekommen. Keine drei Weisen waren nötig, um dieses Wunder zu vollbringen. Aber war es wirklich möglich, dass diese unscheinbaren Menschen es tatsächlich geschafft hatten, Basilikum zu bändigen? Und dann auch noch in flüssiger Form?
Es musste sofort getestet werden. Geruch: Bäh. Na ja, es ist nicht zum Riechen da, sondern zum Schmecken. Ich testete also weiter. Auf Tomate-Mozzarella mischte ich es ins Olivenöl. Doch der ultimative Test war in Kombination mit einer Pizza. Selbst gemachter Teig wurde angerührt, tagelang macht man sich Sorgen darum: Geht er, geht er nicht? Man belegt mit schwesterlicher Unterstützung die Pizzen, damit sie zum Vatertag perfekt gelingen und dargereicht werden können. Fast vergisst man das Öl und holt es schließlich doch noch hervor, um es als krönenden Abschluss, kurz vorm Biss, mit einem oder zwei (vielleicht auch aus Versehen drei) Tropfen Öl zu beträufeln.
Der Biss.
Da war sie, die Note, die geschmackliche Note, die sich dominant im Rachen verteilt, sodass selbst der beste Teig und die beste Tomatensoße vor Neid erstarren und ihre sensorischen Botenstoffe retour holen. Schließlich soll das pure Erlebnis des Basilikums den Mund ungestört erfüllen können, sich ausbreiten und hängen bleiben, wie ein Candirú-Fisch, der sich mit Widerhaken in der Harnröhre festbeißt und nie wieder loslässt.
Was für ein Erlebnis.
