In der heutigen Ausgabe von Geek-Planet sehen wir uns die nächste Collected Edition von Ultimate Spider-Man an. Sie trägt den prägnanten Titel Hobgoblin und enthält so einige spannende Themen. Der Text erschien ursprünglich am 02. Dezember 2016 auf meinem damaligen Blog, den es heute nicht mehr gibt.
Ich bin mir nicht sicher, wie ich die ganze Familiendynamik der Osborns finde. Wenn die Geschichten, wie hier, gut geschrieben sind, dann machen sie durchaus Freude beim Lesen. Sie können spannend sein und die unterschiedlichen Goblins sind eine echte, gespenstische Bedrohung für Spider-Man.
Doch schnell kann es in Geschichten sein, dass diese Charaktere übermäßig viel verwendet werden. Das over-acting, wenn man so will, dieser Figuren wirkt dann eher fehl am Platz oder ihre Kräfte scheinen zufällig. Je nachdem, was die Situation eben gerade benötigt. Es muss konsistent sein, innerhalb der Geschichte und glaubhaft dargestellt werden. Dann entsteht ein interessanter Konflikt, der sich auf die Beziehung zwischen den Charakteren fokussieren kann und eine nachvollziehbare Herausforderung für Peter Parker.
Peter befindet sich nach dem Tod von Gwen weiterhin in einem absoluten Tief. Er stellt sich andauernd die Frage, ob er weiterhin als Spider-Man in der Lage ist, Gutes zu tun. Bei diesem Prozess distanziert er sich immer weiter von MJ. Außerdem kehrt Harry Osborn nach Hause zurück. Keine leichten Zeiten für den jungen Helden.
- Ausgaben: #72 bis #78
- Erscheinungsdatum: April 2005 bis Juli 2005
- Autor: Brian Michael Bendis
- Zeichner: Mark Bagley
- Inker: Art Thibert
- Colorer: Transparency Digital
- Letterer: Chris Eliopoulus
“I… can´t… breath. My hands. My hands are frozen cold.” – Spider-Man
Es ist schon etwas her, seit wir dem jungen Osborn das letzte Mal begegnet sind. Damals stand er seinem Vater, dem Goblin gegenüber und hat ihm die Stirn geboten, als dieser das weiße Haus angriff (siehe Ultimate Six). Harry hat die letzten Monate in der Obhut von SHIELD Chef Nick Fury verbracht und wurde scheinbar unter Beobachtung gestellt, um sicherzugehen, dass er sich nicht ebenfalls in einen Goblin verwandelt. Doch von psychologischer Betreuung hat man bei der Geheimorganisation wohl noch nichts gehört.
Kaum zurück, ist er nicht nur in der Schule Gesprächsthema Nummer Eins und bereitet Peter jede Menge Sorgen, nein, er wird auch noch mitten in der Nacht von einem mysteriösen Mann abgeholt. Dieser behauptet, für seinen Vater zu arbeiten. Der Mann bringt ihn in einen Wald, wo sich ein Labor von Norman befindet. Die Szenerie ist sehr unheimlich gestaltet und hätte Fury nicht zuvor bestätigt, dass Norman im Gefängnis sitzt, hätte ich darauf gewettet, dass dieser jeden Moment aus den Schatten emporsteigt. Doch stattdessen sehen wir das Labor, indem Norman am Goblin-Serum geforscht und einige neue Technologien entwickelt hat.
Harry, seit seiner Kindheit von einem Hypnotherapeuten behandelt, der dafür sorgen soll, dass alles Schlimme, was sein Vater in der Firma angestellt hat, hinter einer Wand verborgen bleibt, verarbeitet das Ganze, gelinde gesagt, nicht so gut. Der mysteriöse Mann namens Shaw sorgt zusätzlich dafür, dass genau diese Wand zu bröckeln beginnt und Harry verliert immer mehr die Kontrolle über sich. Es scheint beinahe so, als würde er vollkommen in einer Psychose aufgehen und dabei seinen Hass gegen Peter Parker wenden.
Er weiß, dass er Spider-Man ist und schließlich bricht doch das Goblin-Serum durch. Er transformiert sich in den Hobgoblin und sucht den Kampf in New York. Auf der einen Seite steht Peter, der seinem Freund zu helfen versucht und ihm nicht schaden möchte. Auf der anderen Seite haben wir den vor Wut kochenden und furiosen Harry, der den jungen Helden töten möchte. Die Inszenierung ist, wie von Bagley gewohnt, außergewöhnlich und alles, was auf dem Spiel steht, wird greifbar.
Während des Kampfes erfahren wir noch so einige andere Dinge. Beispielsweise, dass, bevor Harry vor neun Monaten verschwunden ist und nachdem Peter von der Spinne gebissen wurde, sich eine Beziehung zwischen MJ und Harry abgezeichnet hat. Kaum, dass Harry Peter sieht, bringt er dies zur Sprache. Das ist ein weiterer Grund, warum Peter mit ihr Schluss macht und sie von sich weg stößt; ein anderer ist, dass er sie in Sicherheit wissen möchte.
Dass MJ hier zwischen die Fronten gerät, ist spannend zu beobachten. Sie lässt sich nicht, wie man bei geringeren Autor*innen erwarten würde, von einem der beiden manipulieren. Es zeigt sich hier klar ihre Stärke, ihre Durchsetzungsfähigkeit und ihr Selbstvertrauen. Dies lässt sie auch Harry gegenüber raushängen. Sie will nicht mit ihm zusammen sein, sondern mit Peter. Es ist ihre Entscheidung. Peter bedeutet ihr so viel, dass sie es nicht in Worte zu fassen vermag und dies wird bei ihrer Gestik deutlich, als sie diese Worte ausspricht. Sie wird nicht aufgeben und sich von Peter nicht so einfach wegdrängen lassen. Bendis und Bagley haben mit ihr einen wirklich starken Charakter aufgebaut, den man gerne weiter verfolgt.
In der Collected Edition ist ebenfalls eine Ausgabe enthalten, die sich rein um MJ dreht – dies könnte Bendis gerne öfter machen. Hobgoblin ist eine tolle Geschichte, die den Fokus auf die Freundschaften rund um Peter setzt. Durch Gwens Tod und das, was er in Doctor Stranges Haus erlebt hat, drängt er sie alle von sich weg. Dabei muss er lernen, MJ mehr zuzutrauen und sich ihr zu öffnen. Er ist nicht so allein, wie er glaubt.