Endlose Kämpfe in Silksong

Es ist vollbracht. Ich habe »Silksong« beendet. Dieses grandiose, manchmal nervige, furchtbar schwierige und knallharte, aber doch mit einer gefühlvoll erzählten Geschichte ausgestattete Spiel ist nach knapp 60 Stunden zu Ende. »Silksong« ist Metroidvania und Soulslike zugleich. Von anspruchsvollen Parkour-Passagen über lang gezogene Bosskämpfe und schier endlosen Gegnerwellen bekommt man hier einiges geboten. Das Spiel ist aufgeteilt in drei Akte. Wobei der Dritte erst nach dem „geheimen“ Ende freigeschaltet wird und vollkommen optional ist. Die Anforderungen, das geheime Ende zu erreichen, sind hart. Aber zurück zum Anfang.

Die ersten beiden Akte habe ich innerhalb kurzer Zeit durchgespielt. Es waren viele Höhepunkte dabei. Von den wunderbaren Charakteren (allen voran Sherma und Shakra) über die mit viel Liebe zum Detail gestaltete Welt von »Silksong«: Pharloom. Man wird immer wieder motiviert und durch neu entdeckte Geheimnisse angespornt, weiterzusuchen und weiterzumachen. Die Steuerung ist präzise, aber es werden bei so manchen Bossen kleinste Fehler hart bestraft. Nach zwei Akten und einem fulminanten Finale scheint man das Spiel verstanden zu haben. Doch dann kommt Akt 3 und zieht den Schwierigkeitsgrad noch einmal ordentlich an. Bosse haben schier endlose Lebensleisten und möchten einfach nicht untergehen. Das hat dazu geführt, dass ich ein paar Wochen Pause brauchte.

Schließlich habe ich mit einem neuen Speicherstand von vorne angefangen und die ersten beiden Akte durchgespielt und alles gemacht, was bis zu diesem Punkt möglich war. Grund dafür war auch, dass ich für das kommende DLC bereit sein möchte. Je nachdem, wo es anknüpft – vor Beginn von Akt 3 oder danach. Dann hat es mich aber doch noch einmal gereizt, das Spiel endlich zu beenden, und ich habe meinen ersten Speicherstand geladen. Die Pause und das erneute Durchspielen der ersten zwei Drittel haben gutgetan. Ich fand mich besser zurecht, manövrierte mich geschickter durch die Welt und habe erst einmal Aufgaben erledigt, um die Protagonistin Hornet besser auszurüsten, stärker zu machen. Dann ging es an die Bosse.

Die unterschiedlichen Biome des Spiels trumpfen noch einmal richtig auf. Die darin befindlichen Bosse in Akt 3 sind abwechslungsreich, großartig designt und perfekt in ihre Umwelt integriert. Aber diese verdammten Lebensleisten. Es gibt nämlich keine. Das ist Fluch und Segen zugleich. Man haut einfach so lange auf Bosse drauf, bis sie erledigt sind. Doch in Akt 3 wollen sie partout nicht fallen. Man hat die Kämpfe verstanden und trotzdem gehen sie noch minutenlang weiter. Der zweite Kampf mit Trobbio beispielsweise ist visuell schon anstrengend, da sehr viel am Bildschirm passiert. Man weicht aus, schlägt in den richtigen Momenten zu, bleibt ruhig und das Ende scheint zum Greifen nah. Doch dann geht der Kampf noch länger, man macht die ersten Fehler und diese werden oft so hart bestraft, dass man stirbt und vorne beginnen muss. Gleiches gilt für Skarrsinger Karmelita oder den letzten Boss des Spiels. Die Kämpfe gehen zu lang. So wird es schnell nervig und frustrierend.

Doch eines muss ich dem Spiel zugutehalten. Es hat mir nicht nur beigebracht, bei diesen Kämpfen dranzubleiben, sondern vor allem, ruhig zu bleiben. Manchmal einfach nur dastehen und warten, was die Gegnerin macht. Nicht hektisch herumrennen und draufhauen, sondern reagieren, statt immer nur zu agieren. Es hat lange gedauert, bis ich diese Lektion verstanden habe, und es kostet einige Mühe, wenn am Bildschirm viel passiert, nichts zu tun. Aber es zahlt sich aus. Man durchschaut Muster schneller und sieht die Fenster zum Zuschlagen besser. Das ist sicherlich etwas, das ich in andere Soulslikes mitnehmen kann. Dennoch war es eine hart erlernte Lektion und ich hoffe nicht, dass das DLC damit aufwartet, es noch einmal schwieriger zu machen.

Ich bin sehr froh, »Silksong« nicht nur gespielt, sondern es auch bezwungen zu haben. Jeder Boss, jeder Gegner, wurde erledigt, das »Hunter’s Journal« ausgefüllt und einige mehr Trophäen erspielt. Ob ich mich hier auch an Speedruns und den »Steel-Soul-Mode« heranwagen wie beim Vorgänger »Hollow Knight«, wage ich noch nicht zu sagen. Erst einmal mache ich eine Pause vom Spiel und genieße den Sieg über den finalen Boss. Ich werde aber sicherlich irgendwann nach Pharloom zurückkehren. Spätestens mit dem DLC »Sea of Sorrow«.