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Es ist wieder Donnerstag und damit Zeit für „Everything X-Men“. In dieser Reihe arbeite ich mein Projektstudium aus dem Medienwissenschaftsstudium auf, in dem ich mich ausführlich mit den X-Men-Comics beschäftigt habe. Die Texte habe ich ursprünglich auf Englisch geschrieben, nun mithilfe von DeepL übersetzt und anschließend überarbeitet.
„X-Men Legacy: Legion“, ein Comic, der ab 2012 im Rahmen von Marvel NOW erschien und insgesamt 24 Ausgaben umfasst. Geschrieben wurde die Serie von Simon Spurrier, zeichnerisch geprägt wurde sie unter anderem von Tan Eng Huat, Paul Davidson, Jorge Molina und Khoi Pham. Im Mittelpunkt steht David Haller, der Sohn von Charles Xavier, der hier nicht länger nur als komplizierter Nebencharakter auftaucht, sondern endlich selbst ins Zentrum rückt.
Mit „X-Men Legacy: Legion“ beginnt eine der ungewöhnlichsten Phasen dieses Projekts. Simon Spurrier stellt nicht die klassischen X-Men in den Mittelpunkt, sondern David Haller selbst. Und schon nach wenigen Seiten wird klar: Der eigentliche Schauplatz dieser Geschichte ist nicht die Schule, nicht ein Schlachtfeld und auch nicht irgendeine geheime Basis, sondern Davids eigener Kopf. Und dieser Kopf ist gefährlicher als die meisten Superschurken.
Was ist „X-Men Legacy“?
Der Titel „X-Men Legacy“ ist bei David Haller fast schon zu passend. Legacy bedeutet Vermächtnis, Erbe, Nachwirkung. Und genau darum geht es hier. Nicht nur um das Vermächtnis der X-Men als Team, sondern vor allem um das Vermächtnis von Charles Xavier. Ein Vermächtnis, das bei genauerem Hinsehen nicht nur aus großen Reden über Hoffnung und friedliches Zusammenleben besteht, sondern auch aus ziemlich vielen kaputten Menschen.
David ist in dieser Geschichte nicht einfach nur der Sohn von Xavier. Er ist derjenige, der mit all dem leben muss, was Xavier hinterlassen hat. Mit seinen Idealen, seinen Fehlern, seinen Erwartungen und mit der Frage, ob der Traum seines Vaters überhaupt noch etwas wert ist. Reicht es aus, immer nur zu reagieren, wenn schon alles brennt, oder kann man etwas anders machen, den Traum weiterdenken?
Die Visualisierung eines zerbrochenen Geistes
„I rule me.“ – David
Als Erstes lernen wir einen grausamen Ort namens „The Qortex Complex“ kennen. Der Erzähler erklärt uns, dass es sich dabei um ein Gefängnis für Wesen handelt, die aus Dutzenden verschiedenen Realitäten stammen. Jede dieser Kreaturen wird in eine eigene Zelle gesperrt. Von Zeit zu Zeit werden sie zu einem Stuhl gebracht, der in der Mitte eines Kreises steht. An den Rändern dieses Kreises befinden sich die Zellen. Auf diesem Stuhl setzt der Xtractor Nadeln an ihre Köpfe und saugt ihre Energie ab.
Später erfahren wir, dass dieses Verfahren notwendig ist, damit David Haller auf all seine Kräfte zugreifen kann. Vorerst wissen wir jedoch nur: Das ist ein schrecklicher Ort.
David Haller, unser Protagonist, ist der Sohn von Charles Xavier. Xavier ist kürzlich durch die Hand eines vom Phoenix beflügelten Cyclops gestorben, was ziemlich abgefahren klingt. Selbst für einen X-Men-Comic. Ich kann es kaum erwarten, zu dieser Geschichte zu kommen. David ist außerdem ein Mutant der Omega-Stufe. Im Grunde bedeutet das: Er kann alles. Aber wie erzählt man die Geschichte eines Wesens, das alles kann?
Es ist ein ähnliches Problem wie bei Superman. Deshalb handeln seine Geschichten entweder von sehr persönlichen Problemen, die er überwinden muss, oder seine Gegner sind so mächtig, dass nur er sie besiegen kann. Die dritte Möglichkeit ist, dass man ihn seiner Kräfte beraubt, aber das wird nach dem fünften Mal langweilig. Und wenn das Problem für Superman zu groß scheint, stellt sich die Frage: Warum ruft er nicht einfach die Justice League? Aber das ist ein Thema für einen anderen Tag.
Simon Spurrier macht hier etwas sehr Cleveres. Erstens versetzt er Legion in einen labilen Geisteszustand. Das bedeutet, dass er nicht die volle Kontrolle über seine Kräfte hat. Das ist schon mal spannender, als ihm nur seine Kräfte zu berauben. Und da David mehr als nur eine Kraft besitzt, funktioniert noch ein zweiter Kniff: Er verliert seine Kräfte in dem Sinne, als dass er nicht im vollen Umfang auf sie zugreifen kann.
Wie sich herausstellt, ist der Qortex-Komplex kein Ort, den man besuchen kann. Es ist eine Manifestation von Davids Geist. Jeder Gefangene repräsentiert eine Kraft. Manche davon sind in der Lage, das Universum zu vernichten, andere etwas subtiler. Und wie macht man all diese Kräfte unbrauchbar? Ganz einfach: durch einen Gefängnisaufstand.
Ksenia Nadejda Panov will nicht länger in ihrer Zelle bleiben und bricht aus. Sie überrascht den Xtractor und dieser flieht. Das ist der erste echte Hinweis in der ersten Ausgabe, dass dieser Ort in Davids Geist existiert – dass der Xtractor Davids mentale Verkörperung in diesem Gefängnis ist. Ksenia befreit jede Kraft, also jeden Gefangenen, und gemeinsam jagen sie David. Gott weiß, was mit ihm passiert, sollten sie ihn fangen.
Die Herausforderung besteht nun darin, die Gefangenen wieder unter Kontrolle zu bringen. Aber das ist nicht das Einzige, was vor sich geht. Auch die Realität hält einige Überraschungen für David bereit.
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