Über die vergangenen Jahre hat sich bei mir ein Trend entwickelt: Ich schaue immer weniger Filme und Serien. Stattdessen bin ich zu YouTube und Livestreams gewechselt. Besonders seit »Elden Ring« hat sich dieser Shift noch einmal massiv verstärkt. Dabei habe ich Filme geliebt.
Früher bin ich ständig ins Kino gegangen. Damals gab es noch das Cineplexx-Kino am Hauptbahnhof in Salzburg. Es hatte keinen besonders guten Ruf, aber für mich war es das perfekte Kino. Das Gebäude hatte etwas Brutalistisches an sich. Das gefiel mir für ein Kino sehr gut. Ich brauche keine fancy Lobby oder dergleichen. Die Säle sollen gut ausgestattet sein und es sollen Originalversionen gespielt werden. All das war im Cineplexx am Hauptbahnhof der Fall. Das Hauptaugenmerk, so kam es mir zumindest immer vor, lag eher auf dem Airport-Kino. Dadurch konnten sie am zweiten Standort besondere Filme und Vorstellungen zeigen. Es gab Jahre, da war ich im Durchschnitt mehr als einmal pro Woche im Kino. Ich habe sogar die Tickets noch irgendwo herumliegen. Denn selbstverständlich habe ich diese gesammelt.
Mit der Pandemie war das vorbei. Dann kam besagtes Meisterwerk von FromSoftware, »Elden Ring«, und es war wirklich vorbei mit dem Kino. Zumindest bei mir. Auch Streaming-Filme haben mir das Medium ein Stück weit abgewöhnt. Besonders bei Netflix hat man schnell gemerkt, für wen viele dieser minderwertigen Filme produziert werden. Alles wird doppelt und dreifach erläutert, die Action sieht meist nicht gut aus und die Plots sind löchriger als Schweizer Käse. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber diese wollte ich in dem Wust nicht erst mühsam heraussuchen müssen. Also blieb ich bei Let’s Plays, Walkthroughs, Challenge-Runs und anderen Gaming-Live-Streams, sei es auf YouTube oder Twitch.
Ich stelle allerdings immer wieder fest, wie toll das Medium Film sein kann. Beispielsweise habe ich mir letztes Jahr mit meinem MCU-Rewatch-Projekt über 60 Comicverfilmungen angeschaut. Und das sind nur diejenigen, die sich mit Marvel befassen. Es waren natürlich nicht nur gute Filme dabei, aber es hat Spaß gemacht. »Spider-Noir« auf Amazon Prime ist eine hervorragende Serie (Spider-Noir), und »The Crow« von 2024, den ich letztens nachholte, hat mir außerordentlich gut gefallen (The Crow). Nachdem ich meinen Text dazu geschrieben hatte, stellte ich bei der anschließenden Recherche fest, dass der Film beim Erscheinen nicht besonders gut ankam. Trotzdem hat mich der Film abgeholt. Er ist besser als sein Ruf. Vielleicht ist er kein verkannter Klassiker, aber zumindest ein Film, der mit düsterer Stimmung, starker Inszenierung und Bill Skarsgårds Präsenz mehr zu bieten hat, als man zunächst denken würde.
Auch das ist etwas, was mich lange Zeit von Filmen und Serien abgeschreckt hat. Oft wird ein Film schon schlechtgeredet, bevor er überhaupt die Chance hatte, im Kino zu überzeugen und gesehen zu werden. Das war bei »The Crow« der Fall. Das ist natürlich ein besonderes Beispiel, insofern hier gerne das Argument herangezogen wird, ein Remake würde das Original beschmutzen. Es schlägt in dieselbe Kerbe wie »X hat meine Kindheit ruiniert«. Tja, wenn meine im Nachhinein projizierte Glücklichkeit meiner Kindheit davon abhängt, ob irgendein Studioboss entschieden hat, ein Remake von Film X zu produzieren, dann Glückwunsch: Du hattest offenbar nie wirkliche Probleme. Liam Neeson im Remake von »The Naked Gun« muss ich etwa nicht sehen. Die Existenz dieses Films ruiniert jedoch nicht den legendären Status der Originale. Zumindest für mich nicht. Und so geht es gefühlt immer wieder.
Ich möchte allerdings wieder mehr Filme schauen und Serien genießen. Ich habe etwa mit »Shōgun« auf Disney+ angefangen und bin bisher wirklich begeistert davon. Und zu Filmen und Serien gehört auch, dass man manchmal Dinge sieht, mit denen man nicht rechnet. Das macht gute Geschichten doch aus. Als ich die erste Folge ansah und dabei ein gutes Stück Kuchen genoss, hatte ich jedenfalls nicht damit gerechnet, jemanden zu sehen, der bei lebendigem Leib zu Tode gekocht wird. Passiert eben. Das Medium macht trotzdem Spaß und ich mag es, gute Geschichten präsentiert zu bekommen, auch wenn es unangenehm werden kann.
Mal sehen, ob ich das Momentum, das ich im Laufe des Juni aufgebaut habe, in das restliche Jahr mitnehmen kann. Die ideale Mischung liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte. Es müssen nicht immer Filme und Serien sein, aber eben auch nicht ausschließlich Livestreams. Vielleicht reicht es am Ende schon, dem Medium wieder öfter eine Chance zu geben und nicht einen Algorithmus entscheiden zu lassen, was ich sehen möchte. Was natürlich auch hilft: weniger Pflichtgefühl, weniger Grundsatzdebatte und einfach einen Film anschauen.
