Der eine Weg

Aus irgendeinem Grund schlägt mir YouTube aktuell wieder vermehrt irgendwelche seltsamen Videos vor, in denen es um »Self-Help« geht. Sei es der beste Weg abzunehmen, die perfekte Art zu laufen, so machst du das effektiver, jenes besser und das andere produktiver. Die meisten ignoriere ich einfach, weil es mich nicht interessiert. Und wenn man erst einmal sieben verschiedene Videos, zu egal welchem Thema, angeschaut hat, in denen Menschen erklären, das sei der »beste« Weg, hat man am Ende ohnehin keinen Plan mehr, was man wirklich machen soll. Es ist unfassbar, mit wie viel Schrott wir das Internet vollmüllen, und jetzt kommt auch noch KI-Slop hinzu. Aber ich will mich ja nicht aufregen.

Grundsätzlich habe ich nichts dagegen, wenn Menschen von ihren Erfahrungen berichten. Und ganz ehrlich: Wer im Glashaus eines täglichen Blogs sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Was mich allerdings wirklich aufregt und stört, ist, wenn Menschen so tun, als sei ihr Weg der einzig richtige. Sie hatten mit Methode X Erfolg, also muss es das Beste seit geschnitten Brot sein. Sie haben das Licht gesehen.

Dabei sind Ernährung, Sport, mentale Gesundheit und vieles mehr sehr persönlich und individuell. Was hilft, muss am Ende jeder und jede selbst herausfinden. Es gibt nicht den einen Weg, es gibt nur den Weg, der mir geholfen hat. Darüber kann gerne jeder berichten. Dann kann man sich wirklich ansehen: Okay, das hat ihm geholfen, das ihr, und dieser Weg war für Person X der richtige. Und daraus kann man sich dann die Punkte herausnehmen, die am besten zu einem passen. Vielleicht lässt sich sogar ein ordentlicher Dialog starten und Erfahrungen austauschen.

Dabei geht für mich oft ein Aspekt verloren: Experimentieren, scheitern, erneut versuchen – Live, Die, Repeat. Um einen großartigen, auf einem Manga basierenden Film zu zitieren. Das bleibt einem nicht erspart. Wenn man allerdings jemandem den eigenen Weg als den ultimativ richtigen verkauft und diese Person dann scheitert, gibt man ihr indirekt die Schuld daran. Vielleicht funktioniert aber gerade dieser Weg für diese Person nicht. Aber für Grautöne und subtiles Vorgehen haben wir wohl keinen Platz mehr.