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  • Leider nicht mein Fuchs

    Aktuell scheine ich kein Spiele-Glück zu haben. Damit meine ich nicht, dass ich es nicht durch die Level schaffe, es zu schwer ist, oder Pech hätte und dauernd von Klippen falle – was natürlich nie passiert, besonders bei Elden Ring nicht. Eher meine ich damit, dass ich kein Spiel finde, dass mich so richtig packt und mitreißt. Das letzte Spiel, dass das geschafft hat, nach besagtem Elden Ring, war Lies of P. Über Stellar Blade habe ich letztens schon ausführlich berichtet und warum es nicht mein Spiel ist. Heute geht es um Spirit of the North.

    Ich hatte sehr viel Hoffnung in dieses kleine Indie-Spiel. Es sieht charmant aus und es dauert nur wenige Stunden, bis man durch ist. Eine nette Kleinigkeit für zwischendurch. Besonders weil man darin einen Fuchs spielt und im Klappentext stand, dass man es mit der nordischen Mythologie und Sagenwelt zu tun bekommt. Sich durch eine magische Welt bewegt. Alles optimale Vorzeichen für ein tolles Spiel; eigentlich. Was genau das Ziel ist, wusste ich nicht, aber es klang interessant und spannend.

    Was Füchse anbelangt, habe ich vergangenes Jahr mit Endling – Extinction is Forever bereits hervorragende Erfahrungen gemacht. Es spielt in einer Post-Apokalyptischen Welt, was genau passiert ist, weiß man aber nicht. Auch darin spielt man eine Füchsin. Sie hat gerade Junge bekommen. Nun muss man sich um diese kümmern und sie versorgen, an sichere Orte bringen und den Menschen aus dem Weg gehen. Es kommt fast komplett ohne Dialog aus. Wie soll ein Fuchs auch sprechen? Ein tolles kleines Spiel, mit viel Herz.

    So etwas habe ich mir nun von Spirit of the North erhofft. Doch leider fühlt es sich sehr uninspiriert und repetitiv an. Am Anfang sieht man einen Fuchs, der sich durch eine Schneelandschaft bewegt, über Berge rennt und scheinbar ein Ziel verfolgt. Schließlich erhalten wir die Steuerung und bewegen uns selbst durch diese Schneelandschaft. Am Himmel sieht man etwas rotes, bedrohliches Wabern. Wir bewegen uns scheinbar auf dieses Etwas zu, um die Welt davon zu befreien.

    Auf dem Weg dorthin begegnen wir einem Geisterwesen, das ebenfalls wie ein Fuchs aussieht. Es führt uns und zeigt uns den Weg. Immer wieder findet man magische Stäbe von Schamanen, die man zu den Überresten besagter Schamanen bringt und so ihren Seelen die letzte Ehre erweist. Das kommt immer wieder vor und anfangs war es eine nette Idee. Aber jeder Stab und alle sterblichen Überreste sehen mehr oder weniger gleich aus und vollführen dieselben Gesten.

    Ich hätte mir mehr Abwechslung und Einfallsreichtum erwartet. Wer waren diese Schamanen? Wie sind sie gestorben? Wie sind sie hierhergekommen? Außerdem ist es sehr leicht diese Stäbe zu übersehen. Dann findet man zwar die sterblichen Überreste, doch sucht vergebens nach dem Stab. Läuft man nun weiter, kommt man aber nicht mehr zurück. Bereits den zweiten Schamanen habe ich übersehen, was dann schon etwas frustrierend war.

    Spirit of the North kommt ohne Dialoge aus und die Stunde, die ich gespielt habe, ohne Kampfsystem. Beides finde ich sehr charmant. Besonders das nicht kämpfen müssen ist zwischen soulslike Spielen sympathisch. Dafür löst man Rätsel. Leider tragen diese Rätsel das Spiel nicht wirklich. Das anfängliche lineare Level-Design öffnet sich abschnittsweise zu größeren Arealen, wo man einen Weg zum nächsten freischalten muss. Dafür bedient man sich Geisterblumen, die den Fuchs mit entsprechender Energie versorgen. Diese kann man dann einsetzen, um bestimmte Steine mit eingravierten Symbolen zu aktivieren und Wege freizuschalten oder Dinge zu aktivieren.

    An sich eine nette Idee, aber das Holen der Energie, bei diesen blauen Blumen wird schnell mühsam. Zu einem früheren Zeitpunkt hat uns der Geisterfuchs das Leben gerettet und hat sich quasi mit uns verbunden. Wieso muss ich mich immer wieder aufladen, wenn ich doch den kompletten Geist dieses mystischen Fuchses übernommen habe? Eine andere Idee wäre es, dass ich allein schon beim. Vorbeigehen an den Blumen entsprechende Energie bekomme. Jedes Mal aber eine Geste auszuführen, wird schnell mühsam.

    Und apropos repetitiv: Nachdem man das erste Mal durch Wasser geschwommen ist, schüttelt sich der Fuchs, um sich zu trocknen. Eigentlich ganz süß. Doch die Level sind des Öfteren mit viel Wasser ausgestattet und die Steuerung so unpräzise, dass man ständig nass wird. Die paar Sekunden, die das Ausschütteln dauern, werden so schnell von süß zu nervig.

    Zum Schluss noch ein Wort zur Grafik. Endling, das ich vorhin erwähnt hatte, zeichnet sich durch einen eher Comic-artiges Design aus. Es will nicht fotorealistisch sein, sondern hat einen eigenen Stil entwickelt. Spirit of the North ist ambitionierter, wenn man so will. Zwar kein Fotorealismus, doch es will schon in einem Stil daherkommen, der imposant wirken soll und die Welt detailliert darstellen. Leider sieht es so aus, als wäre es vor 10 Jahren entwickelt worden. Die Welt an sich ist fantastisch und die Ideen vielversprechend, doch bedauerlicherweise schaffen die Entwickler*innen es nicht, diese großen Ambitionen entsprechend umzusetzen.

    Ich hätte wirklich gerne dieses Spiel geliebt, vor allem weil es so viel Potenzial in sich vereint. Das kampflose Gameplay, die Rätsel, die man lösen muss. Die versprochene nordische Mythologie habe ich in der ersten Stunde des Spiels kaum wahrgenommen. Das alles kombiniert mit einer unpräzisen Steuerung und äußerst wiederholendem Gameplay, macht Spirit of the North leider nicht, zu meinem nächsten Hit.

  • Die bessere Interpretation

    Ich hatte letztens darüber geschrieben, dass ich mir ein paar The Voice Zusammenschnitte auf YouTube angesehen habe (Sing). Diese Phase ist zwar längst wieder vorbei, aber es hatte einen netten Nebeneffekt. Denn von den Kandidat*innen bin ich zu Zusammenschnitten der Jury gekommen. Ich bin mir nicht sicher, ob das bei anderen Castingshows ebenfalls so ist, aber bei The Voice singen auch die Jurymitglieder. Sie geben nicht nur ihre eigenen Songs zum besten, sondern covern auch andere. Das finde ich sehr sympathisch. Nicht nur im bequemen Stuhl sitzen und über andere urteilen, sondern zeigen, wie es geht.

    Jedenfalls bin ich dann davon zu einer YouTuberin gekommen, die Sänger*innen analysiert (der Channel heißt »The Charismatic Voice«). Die Dame hat nicht nur eine entsprechende Ausbildung, sondern war über ein Jahrzehnt als Opernsängerin tätig, was ihr durchaus einiges an Glaubwürdigkeit und Fachwissen verleiht. Ich habe mir drei Videos von ihr angeschaut, in denen sie Linkin Park analysiert. Genauer gesagt, Chester Bennington. Sehr empfehlenswert und man entwickelt nur noch mehr Respekt für ihn und andere große Talente. Das hat dann zu einem Live-Auftritt von Linkin Park geführt, den sie 2011 bei iTunes Festival abgehalten haben.

    Schon interessant, wie man auf YouTube von einem Eck ins nächste befördert wird. Aber eben alles innerhalb einer Nische oder eines gewissen Genres. Und ich mag es gerne, Analysen von Dingen zu schauen und zu verstehen, warum etwas so funktioniert oder so ist, wie es nun einmal ist. Sänger*innen zum Beispiel, wie eben Chester Bennington es war. Er war unfassbar gut und hat mit so viel Gefühl und Inbrunst gesungen, wie es kaum einen Zweiten gibt. Aber wie hat er das geschafft und was steckt dahinter? Was macht das mit einer Stimme? Das war sehr interessant zu hören. Über Stimmbändern und Atmung und so weiter.

    Das bringt mich jetzt aber endlich zu meinem Punkt: Chester Benningtons Auftritt bei besagtem Festival. Dort covert er von Adele, Rolling in the Deep. Einer meiner Lieblingssongs von Adele. Zumindest bis ich die Version von Chester Bennington gehört habe. Ich habe das Video unten verlinkt. Wenn man einmal diese Version gehört hat, gibt es keine andere mehr. Nur Chester Bennington, begleitet von einem Piano. Da kommt Adele für mich nicht heran. Skyfall und ihre zahllosen anderen Songs sind immer noch grandios und auf einem anderen Level als viele andere. Ich höre sie weiterhin sehr gerne. Rolling in the Deep ist für mich allerdings nun Chester Benningtons Song. Seine Interpretation des Songs erreicht emotionale Ebenen, die ich so nicht erwartet habe.

  • Satellitenwetter

    Seit über einem Jahr bin ich mittlerweile begeisterter Anwender der App Weather Radar. Ich mag es vor allem live ansehen zu können, was gerade los ist und in den nächsten 30 Minuten los sein wird. Oder wie sich der Tag wettertechnisch verändert. Hauptsächlich natürlich, wenn es sich um einen regenreichen Tag handeln soll oder ein Gewitter bevorsteht. Wetter ist etwas Faszinierendes und kann sich rasant ändern.

    Das habe ich am Mittwoch am eigenen Leib erlebt. Es sollte an besagtem Nachmittag gewittern. Laut der App und den Live-Prognosen verlegte sich allerdings der Zeitpunkt des Gewitters immer weiter nach vorne, bis es halb vier geworden ist, statt 17 oder 18 Uhr abends. Deshalb habe ich beschlossen, etwas früher von der Arbeit nach Hause zu fahren. Das liegt auch daran, dass ich seit längerem mit dem Zug in die Arbeit fahre.

    Um kurz vor 15 Uhr steige ich also in den Zug ein und es wird immer dunkler um mich herum. Im Zug sitzend, die Strecke nach Hause dauert gerade einmal 6 bis 7 Minuten, fängt es langsam an zu regnen. Ich habe immer einen Schirm im Rucksack, groß genug ist dieser ja. Und ich habe den kleinen Schirm von Blunt, der hält was aus, denke also, ich bin gut vorbereitet. Doch an meiner Station angelangt, regnet es schon mehr. Erst schnell gehend verfalle ich schnell in einen leichten Lauf – immerhin war auch Hagel angesagt.

    Unvorbereitet, aus dem Stand zu laufen, mit Schirm in der Hand und einem schweren Rucksack auf dem Rücken, war überraschend anstrengend. In den wenigen Minuten, die ich nach Hause brauche, hat es immer mehr angefangen zu regnen, bis es regelrecht geschüttet hat und Sturmböen aufkamen. Kleiner Körner sind vielleicht zu dem Zeitpunkt ebenfalls schon runtergefallen. Normalerweise sollte mein Blunt-Schirm etwas aushalten, doch selbst der hat sich bei den Sturmböen einmal umgedreht. Schließlich kam ich schwer atmend zu Hause an. In der Haustür stehend, unter dem schützenden Vordach, beobachtete ich das weitere Geschehen. Es hat nicht mehr lange gedauert und 1 bis 1,5 cm große Hagelkörner fielen vom Himmel. Die Sturmböen waren auch nicht von schlechten Eltern.

    Gerade nochmal gut gegangen. So wurde auch gleich die neue PV-Anlage, die seit zwei Tagen am Dach war, eingeweiht und auf die Probe gestellt. Interessant war es festzustellen, dass mit den PV-Paneelen und der darunter befindlichen Metallkonstruktion die Geräuschkulisse bei Regen nun eine andere ist, in meiner Dachgeschosswohnung. So einen spannenden Weg nach Hause hatte ich jedenfalls schon lange nicht mehr.

  • Kein (Inter)Stellar Blade

    Als ich vor wenigen Wochen Stellar Blade gekauft und angefangen habe zu spielen, war ich eigentlich noch guter Dinge. Die Grafik war fantastisch, die Geschichte entwickelte sich langsam und allein der Anfang startete wunderbar cineastisch. Außerdem ist die Protagonistin nicht unsympathisch. Sie ist als eine Kriegerin einer interstellaren Armee auf die Erde gekommen, um die Menschheit zu retten (vielleicht, so richtig habe ich es nicht verstanden). Deshalb ist sie so eine Art »fish out of water« und kennt die Kulturen nicht. Das führt besonders am Anfang zu witzigen Dialogen.

    Doch innerhalb weniger Stunden entwickelt sich alles an dem Spiel zu einer Aneinanderreihung nerviger Aufgaben und schlechten Dialogen. Aber alles der Reihe nach. Fangen wir mit den Charakteren an, die im Laufe des Spiels unsere Protagonistin Eve begleiten. Allen voran Adam, der Eve am Anfang gerettet hat, nachdem sie von einem Alpha Naytiba umgehauen wurde (dem wahrscheinlichen Endboss). Naytibas sind die Kreaturen, vor denen wir die Erde retten müssen. Anfangs führt Adam Eve unterhaltsam in die Eigenheiten der Erde und ihre Vergangenheit ein, doch stetig entwickelt er sich zu einem sehr unnötigen Erzähler.

    Ständig berichtet er von Dingen, die wir selbst ausgelöst haben, sagt, was wir ohnehin sehen und gibt unnötige Kommentare von sich. Außerdem legt er deutlich misogyne Tendenzen an den Tag. Eve ist eine Kriegerin, genauso wie Lilly, die später noch dazu kommt und unsere Tech-Expertin ist. Doch ständig spielt er sich auf, die Leistungen der anderen herunter und hat ein Ego, so groß wie der Weltraumlift hoch ist. Begleiter in Spielen sind allgemein eine schwierige Sache, da sie schnell zu aufdringlich werden. Da wünscht man sich, dass jeder das Feingefühl der Lies of P-Entwickler*innen hätte. Dort ist Gemini unser Begleiter und Guide durch die Welt. Er meldet sich nur gelegentlich zu Wort. Aber wenn er es tut, ist es pointiert und unterhaltsam.

    Adam ist das genaue Gegenteil von Gemini. Dadurch kann die toll inszenierte Spielwelt nicht auf uns wirken. Wenn ständig jemand kommentiert, was passiert und was wir sehen, geht die Epik und die Faszination irgendwann verloren. Aber kommen wir zu Lilly. Sie mochte ich anfangs ganz gerne, als Ausgleich zu Adam. Vor allem ihre übertrieben freundliche Art und Motivation ist ansteckend. Sie versprüht eine gewisse Leidenschaft. Doch wird sie immer wieder von Adam kleingeredet, bevormundet oder so dargestellt, als wäre sie eine frische Praktikantin, die keine Ahnung hat. Sie ist, wie Eve, eine interstellare Kriegerin – bitte schreibt die Charaktere dann auch entsprechend.

    Das ist aber ein allgemeines Problem von Eve, Lilly und den anderen Kriegerinnen, denen wir begegnen: Ich kaufe ihnen ihren Status als diese übermenschlichen Wesen und mächtige Entitäten nicht ab. Ihr Verhalten und die Art der Dialoge passt einfach nicht dazu. Hier würde ich mir manchmal ein forscheres Auftreten wünschen, mehr Durchsetzungsfähigkeit und ein Zurechtweisen von Adam, wenn er mal wieder zu viel redet. Das hätte dem ganzen Spiel gutgetan und die Dringlichkeit der Mission unterstrichen.

    Die Geschichte an sich war anfangs spannend, dann etwas diffus, am Ende hat sie mich nur noch verwirrt. Die schockierenden Enthüllungen habe ich offen gestanden nicht verstanden. Das kann natürlich an mir liegen, da ich zu dem Zeitpunkt nicht mehr wirklich auf die Dialoge geachtet habe. Trotzdem war das Gerede um Mother Sphere, eine Art künstliche Intelligenz, nicht wirklich nachvollziehbar. Auch der Krieg zwischen den Menschen, den Monstern und den von Mother Sphere geschaffenen Menschen 2.0 habe ich nicht verstanden.

    Sind wir nicht hier, um Krieg gegen die Naytiba zu führen? In den wenigen Dialogsequenzen wird zwar viel gesagt, aber wenig erzählt. Viel passiert wahrscheinlich anhand der Text-Dateien und dergleichen, die man findet, doch das Spiel motiviert nicht dazu, diese zu lesen. Mir war auch nicht klar, dass es einen so großen Unterschied zwischen den Menschen, die sich Cyborg-artig weiterentwickeln und der Art von Wesen gibt, wie Eve und Lilly es sind, gibt. Klar sind die Kriegerinnen agiler und bestehen wahrscheinlich hauptsächlich aus einer fortgeschrittenen Technologie, aber so richtig wird dieses scheinbare Zweiklassensystem dann auch wieder nicht dargestellt. Es wird mir nur erzählt.

    Das Design der Welt hat mir Anfangs sehr gefallen. Zum Kauf überzeugt hat mich tatsächlich der Weltraumlift. Ich habe eine Szene gesehen, wo sich der Sichtschutz öffnet und man auf eine traumhaft inszenierte Erde hinabblickt. Bis zu dem Zeitpunkt habe ich mich durchgequält, bis ich schließlich das Spiel erbost gelöscht habe.

    Diese Szene kommt nämlich erst nach gut zwei Dritteln des Spiels. Es heißt immerhin Stellar Blade, da hatte ich mir mehr Levels im Weltraum oder dessen unmittelbare Nähe gewünscht. Doch man läuft ständig in der Wüste herum, kämpft sich durch diverse Bunker und ruinierte Städte. Letztere zählen noch zu den besten und abwechslungsreichsten Orten des Spiels. Über Zion, die letzte Zuflucht der wenigen überlebenden Menschen, will ich gar nicht reden. Hier schlägt auf kleinem Raum plötzlich die Ubisoft-Formel überraschend zu. Nach jeder Mission tauchen mehr und mehr neue Rufzeichen auf, die erledigt werden wollen. Die meisten habe ich ignoriert.

    Wenn das Spiel es schon nicht schafft, dass mich die drei Hauptpersonen interessieren, wieso soll ich mich dann um den Rest der Menschheit scheren. Hier kommt auch die verwirrende Geschichte wieder zum Tragen. Auf welcher Seite stehe ich überhaupt? Was mache ich überhaupt auf der Erde? Warum schickt man so viele Air Squads dorthin, die dann doch alle sterben? Warum sitzt ein weißer alter Mann mit langem weißem Bart in der Mitte eines leeren Raumes, umzingelt von Büchern und einem einsamen Baum und erzählt uns die Geschichte, als ob nicht schon genug Klischees aufgegriffen wurden?

    Zu guter Letzt noch ein paar Worte zum Schwierigkeitsgrad. Die Kämpfe an sich sind toll inszeniert und machen besonders in den ersten Stunden des Spiels unfassbar viel Spaß. Ich habe erst den normalen Modus verwendet, wo die Gegner etwas herausfordernd sind. Doch nachdem ich festgestellt habe, dass ich eigentlich nur die Geschichte erleben will, auf den entsprechenden Story Modus umgeschaltet. Dort sind die Gegner einfacher. Doch aber einem gewissen Zeitpunkt zieht der Schwierigkeitsgrad gewaltig an. Die Gegner halten sehr viel mehr aus, ich mache kaum schaden und prügle mich gefühlte Minuten durch unnötig viele Gegner. Vielleicht müsste man alle Nebenmissionen machen, um sich entsprechend aufzuleveln, aber die Motivation dazu schafft das Spiel nicht zu entwickeln.

    Zudem gibt es dann noch diverse Parkour-Elemente und sogenanntes Plattforming. Das zählt zu den unterhaltsamsten und zugleich frustrierendsten Stellen des Spiels, da sich Eve einfach nicht präzise genug steuern lässt. Da will das Spiel zu viel auf einmal machen.

    Stellar Blade sieht von der Aufmachung, Grafik und anscheinenden Geschichte aus, wie ein hochwertiges und poliertes Spiel. Doch allmählich kommen die Makel hervor. Von den schlecht geschriebenen Dialogen, die zum Teil dummen Charaktere (abgesehen von Eve und Lilly) und der undurchsichtige Schwierigkeitsgrad, machen das Spiel leider zu keinem guten Erlebnis. Die schockierenden Twists verpuffen in einer undurchsichtigen Geschichte, die nicht gut genug den Spieler*innen klargemacht wird. Am Ende bleibt für mich dann nicht genug Motivation übrig, das Spiel zu Ende zu bringen. So wie bei schlechten Büchern muss man auch schlechte Spiele nicht gezwungenermaßen beenden. Ich freue mich, wenn jemand Spaß am Spiel hat, aber für mich bietet es bedauerlicherweise zu wenig.

  • Geek-Planet: Ultimate Spider-Man – Volume 8

    Heute schauen wir uns gleich zwei Texte an. Auf meinem ehemaligen Blog Geek-Planet habe ich damals die achte Collected Edition von Ultimate Spider-Man in zwei getrennten Texten diskutiert. Ich dachte mir wohl, dass der Inhalt es hergeben würde und die 50. Jubiläumsausgabe die beiden kürzeren, doch irgendwie zusammenhängenden Handlungsstränge »Cats« und »Kings« trennt. Heute würde ich das wahrscheinlich nicht mehr so machen. Vor allem der zweiwöchige Abstand hat mich sehr überrascht. Auf zwei Tage kann man das gerne aufteilen (das habe ich mit Büchern an dieser Stelle bereits gemacht), doch zwei Wochen sind eindeutig zu viel.

    Die beiden Texte erschienen damals am 30. September und 14. Oktober 2016.


    Alle hassen Spider-Man. J. Jonah Jameson lässt sich zu sehr von seinen Gefühlen leiten. Peter Parker legt sich mit einer Lehrerin an. Dies alles und mehr können wir in »Volume 8 – Cats & Kings« erleben. Es geschieht äußerst viel in dieser Collected Edition, deshalb teile ich das Review in zwei Hälften – den zweiten Teil gibt es in zwei Wochen.

    • Ausgaben: #47 bis #53
    • Erscheinungsdatum: November bis April 2004
    • Autor: Brian Michael Bendis
    • Zeichner: Mark Bagley, Art Thibert
    • Colorist: Transparency Digital
    • Letterer: Chris Eliopoulus

    “The guy murdered someone on videotape and now he’s all like walking around free … and when I ask about it, when I just ask someone about it, everyone just basically tells me to shut up…” – Peter Parker

    Die ersten drei Ausgaben dieses Handlungsbogens konzentrieren sich auf die Frage, wie es sein kann, dass so viel offensichtlich Falsches in der Stadt vor sich geht und doch jeder wegschauen kann.

    Natürlich geht es um Wilson Fisk. Vor vielen Monden wurde ein Video von ihm veröffentlicht, indem eindeutig gezeigt wird, dass er jemanden umgebracht hat. Allerdings hat dieser Mann so viel Einfluß und Macht, dass er nicht nur den Richter „überzeugt“ hat, diesen Beweis nicht zuzulassen; er darf auch wieder nach Amerika kommen, nachdem er nach dem Vorfall ins Exil musste.

    Was mir an der ganzen Sache sauer aufstößt, ist nicht die Öffentlichkeit, die einfach darüber hinwegsieht. Es ist diese Selbstverständlichkeit, mit der alles unhinterfragt hingenommen wird. Sobald der Bugle schreibt, dass es sich bei Spider-Man um den Teufel persönlich handelt, steigen sie auf die Barrikaden. Gleichzeitig akzeptieren sie, wie mit Fisk aka The Kingpin verfahren wird. Statt offensichtlich falsches blind zu glauben, sollte man in solch einem Fall etwas dem Instinkt vertrauen. Immerhin rettet der Junge in blau-roten Pyjamas alle Tage Menschen in Not. Also kann er so böse doch nicht sein, außerdem wurde er von der Schuld des angeblichen Mordes befreit. Umso ärgerlicher ist es, als Peter in der Schule seine Lehrerin danach fragt, wie es recht sein kann, dass Fisk frei herumläuft und bekommt dafür eine Suspendierung vor die Nase geknallt.

    J. Jonah Jameson dient in dieser Geschichte und eigentlich überhaupt in den Spider-Man-Comics, wenn ich es mir recht überlege, als eine Art Stellvertreter für die genannte öffentliche Meinung. Immerhin ist er es, der die Jagd auf Spider-Man losgetreten hat. Er mag oft ein Idiot sein, doch normalerweise ist er trotzdem in erster Linie Journalist und wenn eine Geschichte wichtig ist, erzählt zu werden, wie eben jene von Fisk, dann ist er Feuer und Flamme dafür. Leider benötigt es aber einige Anläufe, bis ihm seine eigenen Fehler in dieser Sache klar werden. Umso erlösender ist es schließlich, wenn dann endlich der erlösende Moment kommt.

    Die Ausgaben 47 bis 49, mögen zwar erst die Hälfte der Story-Arc Cats & Kings sein, doch bereits hier entfaltet sich eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Sie treiben Korruption auf die Spitze und gehen vielleicht über das realistische, besser gesagt glaubhafte, hinaus. Dies erlaubt Brian Michael Bendis allerdings eine fesselnde Geschichte zu erzählen, in der man ständig hofft, alles möge doch bitte gut ausgehen.

    So viel wie Peter durchmachen muss, so gern würde man ihn einfach nur in den Arm nehmen und ihn trösten, da er tatsächlich ein paar wirklich schlimme Tage hinter sich bringen muss, bevor es wieder bergauf geht. Manchmal ist es zum Verzweifeln, wenn man zu Menschen nicht durchdringt. Doch genauso erlösend sind die Momente, in denen Peter seinen Gefühlen freien Lauf lässt und auf ein Ziel zu marschiert.

    Sei es Fisk-Tower als Spider-Man oder die angesprochene Geschichte mit der Lehrerin. Ich bin sehr gespannt, wie die Geschichte weitergehen wird. Selbst wenn es am Ende eine positive Wendung geben sollte, wird Fisk einen Weg herausfinden. Außerdem kommt als Nächstes die 50. Jubiläumsausgabe der Reihe dran. Mal sehen, was Bendis und Bagley für uns bereithalten.


    Im ersten Teil der Geschichte haben wir den Kings-Aspekt betrachtet, der sich mit dem Einfluss und der Macht des Kingpins beschäftigt hat. Es ging darum, wen er alles in der Tasche hat und wie J.J.J. seine Integrität als Journalist wieder entdeckt. Nun wenden wir uns den Katzen zu. Black Cat, darf ihr Debüt in der Ultimate-Reihe feiern.

    “Crossed a black cat… Seven years bad luck.” – Felicia

    Die 50. Ausgabe konzentriert sich sehr auf Black Cat und ist darauf fokussiert, ihr ein entsprechendes Willkommen in der Reihe zu verschaffen. Dies gelingt außerordentlich gut. Wir begleiten sie auf ihrem Streifzug durch New York und wie sie in ein Bürogebäude einbricht, um etwas zu stehlen. Sie stiehlt ausgerechnet etwas Wertvolles vom Kingpin.

    Das Markante an diesen Szenen ist, dass sie fast komplett ohne Dialog auskommen. Lediglich die Wachleute des Wolkenkratzers, wo unsere Diebin einbricht, unterhalten sich. Doch Black Cat sieht man nur dabei zu, wie sie ihrem Handwerk nachgeht. Hier erkennt man, wie wundervoll die Zeichnungen von Mark Bagley zu dieser Welt passen. Sie können komplett für sich stehen. Wir können den Charakter danach schon etwas einschätzen:
    Sie macht das nicht zum ersten Mal und ist ein Profi auf diesem Gebiet. Zwar spielt an einer Stelle auch Glück bzw. Zufall eine Rolle, doch ansonsten stehen ihre Fähigkeiten im Zentrum. Kurz darauf begegnet sie das erste Mal der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft. Sie ist schweigsam und redet nur am Ende, wenn es sich nicht mehr vermeiden lässt. Sie kann, was den Kampfstil angeht, mit Peter mithalten und landet den ein oder anderen Schlag. Peter steht mit seinen ständigen Kommentaren und Sprüchen komplett auf der anderen Seite der Skala. Spider-Man ist intuitiv unterwegs, sie versucht ihre Talente zu perfektionieren und trainieren.

    Später erkennen wir, warum der Gegenstand so wichtig ist für Wilson Fisk. Trotz der Blamage bzw. der Beschuldigung durch Jamesons letzten Artikel ist er immer noch in New York und wirkt niedergeschlagen. Dies ist der Kingpin, den wir in der Daredevil-Serie auf Netflix gesehen haben. Den introvertierten Bären von einem Mann, der aus Liebe handelt. Seine Frau Vanessa ist krank und die Ärzte wissen nicht, was ihr fehlt. Doch auf der Steinplatte, die Black Cat gestohlen hat, könnte sich die Lösung für das Problem befinden. Scheinbar steckt eine mystische Macht darin. Mal sehen, wann dieser Aspekt wieder aufgegriffen wird und wer ihn dabei unterstützt.

    Eine dritte Frau darf ebenfalls ihr Debüt in der Reihe feiern. Neben Felicia Hardy aka Black Cat und Vanessa, sehen wir auch Elektra. Sie jagt im Auftrag vom Kingpin die schwarze Katze. Es entwickelt sich ein interessanter und spannender Kampf zwischen den beiden Damen, bei dem Spider-Man mehr oder weniger hilflos daneben steht.

    Da in der ersten Hälfte der Geschichte unser Held im Zentrum stand, ist es jetzt angenehm, dass sich der Fokus etwas verschiebt und auf Felicia und ihre Beziehung zum Kingpin im Vordergrund steht. Die beiden, genauer gesagt ihr Vater, hat eine bewegende Vergangenheit mit dem Verbrecherkönig.

    Doch natürlich kommt Peter nicht zu kurz. Er muss sich um MJ kümmern, da ihr Vater sich äußerst danebenbenimmt. Würde mich nicht wundern, wenn er demnächst anfängt, sie und ihre Mutter zu misshandeln, so wie der Charakter von Bendis hier beschrieben wird. Die Aggression, die ihm im Gesicht steht, ist sehr beängstigend – eine tolle Leistung von Bagley. Im Gegensatz dazu steht die Liebe von Peter und MJ (die ebenso gut in Szene gesetzt ist – vor allem die Mimik der beiden sei bei ihrer emotionalen Unterhaltung nochmal besonders erwähnt). Die Gespräche der beiden sind großartig und sie beschließen sogar schon jetzt, irgendwann in Zukunft zu heiraten. Man drückt den beiden wirklich die Daumen und hofft, dass sie heil durch alles durchkommen.

    An dieser Stelle möchte ich noch anmerken, dass ich es ausgezeichnet finde, dass nicht künstlich eine Dreiecksbeziehung zwischen Peter, MJ und Gwen angedeutet wird. Gwen lebt zwar seit einigen Ausgaben bei den Parkers, doch sie ist nur eine wunderbare Freundin und nicht mehr. Dies wird sich zwar zeitnah ändern, aber für den Moment genieße ich, wie frei der Comic von Klischees ist – zumindest in diesem Aspekt.