Habituelle Veränderung

Es heißt ja immer, man soll nicht zu viel auf einmal verändern. Unter anderem auch deshalb, weil Veränderung grundsätzlich schlecht und unerwünscht ist. Wenn man etwas verändert, muss man sich umgewöhnen. Der Alltag wird durchbrochen und es stellt sich die Frage, ob es sich am Ende überhaupt auszahlt. Außerdem können Gedanken hochkommen wie: Verpasst man etwas, wenn die eine Sache ausbleibt und durch eine andere ersetzt wird? Seien es Livestreams von Gaming-Inhalten (um ein willkürliches Beispiel zu nennen) oder Serien. Das Dasein dieser Inhalte hat sich ins Gedächtnis gebrannt, sie sind zur Gewohnheit geworden und dadurch vermisst man sie selbstverständlich, wenn diese Reize plötzlich ausbleiben.

Kürzlich habe ich für mich etwa entdeckt, dass es durch die Hitze im Sommer besser ist, wenn ich meine Trainingseinheiten aufteile (Trainingszeiten). Ich weiß, eine bahnbrechende Erkenntnis. Ich kann den Nobelpreis schon riechen. Ausdauersport oder alles, was eben mit „draußen“ zu tun hat, verschiebe ich auf später am Tag. Auch Spaziergänge, habe ich festgestellt, gefallen mir zu späterer Stunde sehr gut. Zum einen sind weniger Leute unterwegs. Nicht dass zuvor ein regelrechter Stau herrschte, aber auch die Stimmung ist um 19 oder 20 Uhr anders. Ich mag das. Nun stellt sich natürlich die Frage, wie ich die restliche Abendgestaltung dahingehend anpassen kann. Soll oder möchte ich noch weitere Veränderungen oder wird es dann zu viel und ich verfalle schneller in die alten Muster?

Es mag banal klingen, aber solche Fragen stelle ich mir gelegentlich. Das Verhalten von Menschen ist immer wieder spannend zu beobachten, besonders natürlich das eigene. Reflexion und die eigenen Entscheidungen zu hinterfragen, gefällt mir. Außerdem kann man an sich selbst gut und gerne Experimente durchführen – ohne moralische Bedenken. Durch Training, Japanisch lernen und Abendessen, das auch irgendwie untergebracht werden möchte, bin ich beispielsweise in letzter Zeit kaum dazu gekommen, die neuen Bücher zu lesen, die ich mir in den vergangenen Wochen zugelegt habe. Sei es jenes von Florian Aigner, Armin Thurnherr oder der Sammelband zur Philosophie von Soulsborne-Spielen – all diese Bücher liegen angefangen auf meinem Lesestapel. Ich möchte mich diesen etwas konzentrierter widmen.

Denn seien wir uns ehrlich: Was verpasst man denn wirklich, wenn man das ein oder andere nicht anschaut? Zudem warten noch so viele tolle Serien darauf, angeschaut und besprochen zu werden – aber auch die laufen nicht weg. Insofern kann man den ein oder anderen Livestream ohne Bedenken ausfallen lassen.