Letztens habe ich mir seit einer Ewigkeit den Film »Collateral« mal wieder angeschaut. Ich glaube, ich habe diesen Film nicht mehr gesehen, seit ich ihn damals im Kino angeschaut habe. Mir war nicht bewusst, dass der Film schon 22 Jahre auf dem Buckel hat. Ebenfalls nicht mehr bewusst war mir die hervorragende Besetzung. Natürlich weiß man, dass Tom Cruise und Jamie Foxx mitspielen. Aber es gibt auch noch Jada Pinkett Smith, Mark Ruffalo, Peter Berg, Bruce McGill, Javier Bardem und einen kurzen Auftritt von Jason Statham. Michael Manns Film kommt immer wieder in Bestenlisten vor und ich wollte ihn mir schon seit längerer Zeit mal wieder zu Gemüte führen. Endlich kam ich dazu.
»Collateral« hat nichts von seiner Magie verloren. Kaum hatte ich die Blu-ray eingelegt und den Film gestartet, war ich auch schon von den Charakteren gefesselt. Von der kurzen, aber prägnanten Einführung von Tom Cruises Charakter Vincent bis hin zur elaborierteren Charakterisierung von Jamie Foxx’ Max. Man glaubt, die Charaktere zu kennen, aber im Laufe des Films erfährt man immer wieder neue Aspekte, die Theorien auf den Kopf stellen.
Und das ist auch das Spannende an »Collateral«. Man erwartet vielleicht einen coolen Actionfilm. Den bekommt man im Grunde auch, aber dieser Teil des Films ist äußerst zurückhaltend. Es wird ein bisschen geschossen, mal fliegt ein Körper aus dem Fenster – das war’s. Der Action-Teil wird oft ausgeblendet und der Fantasie der Zuschauer überlassen. Dadurch wirkt er actionlastiger, als er eigentlich ist.
Viel zentraler sind die Charakterisierungen und die Dialoge. Die Gespräche zwischen Max und Vincent sind großartig gemacht. Aber auch die Flirtversuche von Max mit Smiths Charakter Annie sind elegant geschrieben. Es vermittelt ein Bild von Max, das er will, das wir von ihm haben. Als Annie am Ende ihrer ersten Taxifahrt kurz innehält und überlegt, wie sie antworten soll, warum sie vor ihrem großen Fall am nächsten Tag nervös ist, merkt man ihr förmlich an, wie sie ringt, ob es sich auszahlt, verletzlich zu sein. Aber sie ist es und öffnet sich.
Vielleicht fängt in diesem Moment die Fassade und das Spiel von Max, das er hauptsächlich mit sich selbst spielt, an zu bröckeln. Vincent lockt ihn dann verständlicherweise komplett aus der Reserve, bis er bei der Konfrontation mit Felix eine neue Seite an sich entdeckt.
Die psychologische Eskalation geht schrittweise voran und wird von beiden Schauspielern gekonnt gespielt. Denn selbst bei Vincent, dem kalten Killer, der immer die Kontrolle hat, merkt man, dass die Fassade Brüche bekommt. »Collateral« ist so viel besser, als ich ihn in Erinnerung hatte, und ich bin sehr froh, mir die Zeit genommen zu haben, ihn endlich mal wieder anzuschauen. Es lohnt sich, gelegentlich in Filme reinzuschauen, die man fast vergessen oder verdrängt hat.
