Wie jeder halbwegs gepflegte Sammler von Pokémonkarten komme ich natürlich nicht um japanische Karten herum. Deutsch ist auch dabei und wird (vermutlich) den Großteil meiner noch wachsenden Sammlung ausmachen, aber Japanisch gehört für mich einfach dazu. Gerade bei Booster-Displays ist die Pull-Rate seltener Karten besser, und die Kartenqualität wirkt insgesamt besser als bei den deutschen oder englischen Äquivalenten.
Damit das Ganze aber nicht nur ein Vorwand ist, um Geld für bedruckte Pappe auszugeben, habe ich mir gedacht: Warum das nicht mit etwas Sinnvollem verbinden? Irgendwann möchte ich nach Japan reisen, und ein bisschen mehr zu können als planlos auf Schriftzeichen zu starren, wäre ganz praktisch. Schilder lesen, vielleicht einfache Gespräche führen. Großes Ziel, aber irgendwo muss man anfangen. Also: Pokémonkarten.
Die Texte sind überschaubar, Begriffe wiederholen sich ständig, und alles ist angenehm kompakt. Ein ganz guter Einstieg. Bevor ich allerdings auch nur ansatzweise verstehe, was da steht, brauche ich erst einmal Grundlagen. Im Moment heißt das: Schriftzeichen lernen. Wie sehen sie aus, wie spricht man sie aus, woran unterscheidet man sie, und welche kleinen Gemeinheiten verstecken sich in den Details?
Die offensichtliche Frage ist dabei: Wo fängt man an? Ich habe die Frage einfach mal ChatGPT gestellt und tatsächlich brauchbare Antworten bekommen. Japanisch besteht aus mehreren Schriftsystemen, und das erste, das man lernen sollte, ist Hiragana. Die einzelnen Zeichen nennt man Kana. Klingt erstmal nach wochenlangem Auswendiglernen von Symbolen, die sich nur minimal unterscheiden. Mein mitteleuropäisch konditioniertes Gehirn steigt da sehr schnell aus.
Hier kommt dann eine überraschend gute Ressource ins Spiel: tofugu.com. Die Seite arbeitet mit Mnemotechniken, also im Grunde Eselsbrücken, die die Zeichen plötzlich greifbar machen. Klingt banal, funktioniert aber erschreckend gut. Ich habe mich ein paar Tage lang jeden Abend etwa eine halbe Stunde hingesetzt, und plötzlich konnte ich den Großteil der Hiragana lesen. An einem Samstag waren es sogar knapp zwanzig neue Zeichen. Weil ich sie nicht nur erkennen, sondern auch schreiben wollte, habe ich zusätzlich viel Zeit mit dem Nachzeichnen verbracht. Auch dafür liefert die Seite Material, inklusive eines kostenlosen Arbeitsbuchs zum Herunterladen und Ausdrucken.
Zur Wiederholung nutze ich die App „Kana – Hiragana and Katakana“ von Romain Pellen. Sehr schlicht aufgebaut, aber genau deshalb effektiv: Man stellt die gelernten Zeichen in einer Liste zusammen und wird nur darauf getestet. In Kombination mit der Webseite ist das ein ziemlich solides Setup für den Einstieg.
Natürlich hört es bei Hiragana nicht auf. Katakana und Kanji sind als Nächstes dran und es wird nicht einfacher. Aber allein die Geschwindigkeit, mit der ich Hiragana gelernt habe, ist motivierend, um weiterzumachen. Ich verstehe noch lange nicht, was auf Pokémonkarten steht, aber zumindest sehen die Zeichen inzwischen nicht mehr komplett fremd aus. Und das ist vermutlich schon mehr Nutzen, als man von einem Haufen Pappe erwarten würde.
