Lord of the Dance

Vergangenes Wochenende war ich mit den Eltern in »Lord of the Dance«. Die aktuelle Show feiert das 30-jährige Bestehen der wohl größten und erfolgreichsten Tanzshow, die es je gegeben hat. Was Michael Flatley in den 90er Jahren auf die Beine gestellt hat, ist mit nichts anderem zu vergleichen. Es ist schon erstaunlich, dass die Geschichte immer noch funktioniert und seit 30 Jahren mehr oder weniger unverändert erzählt wird. Das Duell zwischen Gut und Böse, vermischt mit irischer Folklore, ist jedoch ein Konzept, das nicht langweilig wird. Der mittlerweile ikonische Stepptanz fesselt und schafft eine einzigartige Atmosphäre.

Als Kind habe ich mir, keine Ahnung wie oft, die Videokassetten von »Lord of the Dance« und »Feet of Flames« angesehen (siehe Feet of Flames). Ich mochte »Feet of Flames« immer etwas mehr, da es sich gewissermaßen um die erweiterte Fassung der Geschichte handelt. Außerdem kamen immer wieder verhüllte Mönche vor, die auf Lateinisch gesungen haben. Die dunkle Prophezeiung, gepaart mit der mystischen Kleidung, hat mich wahrscheinlich an Jedi-Ritter erinnert. Was man eben als Kind so cool findet. Jetzt, eine Handvoll Jahrzehnte später, Lord of the Dance endlich live zu sehen, ist ein wahr gewordener Traum. Wir haben uns die Tickets bereits letztes Jahr gekauft und nun war also der Zeitpunkt gekommen, die Show im großen Festspielhaus in Salzburg genießen zu dürfen.

Ich habe unterschätzt, wie gewaltig es sich anfühlt, wenn zwischen 10 und 30 Tänzer*innen auf der Bühne stehen und ihre mit Metallplatten verstärkten Schuhe auf die Tanzfläche hämmern Natürlich wird der Sound per Mikrofonen und Lautsprechern verstärkt, aber trotzdem fühlt es sich gigantisch an. Der Saal bebt und die Füße bewegen sich so schnell, dass man es kaum wahrnehmen kann. Ich kenne die Geschichte zwar auswendig, aber trotzdem ist jeder Akt immer wieder schön anzuschauen. Seien es die Tänzerinnen in ihren farbenfrohen Gewändern, die Duelle zwischen den Fraktionen oder die beiden Geigenspielerinnen, die immer wieder ein Duett spielten. Alles griff nahtlos ineinander.

Jede und jeder einzelne auf der Bühne hat ihr Bestes gegeben und eine wirklich beeindruckende Show abgeliefert. Allerdings müssen sie sich den Vergleich mit der Originalshow gefallen lassen und an diese kommen sie leider nicht heran. Michael Flatley hatte eine Aura und eine Präsenz auf der Bühne, die wahrlich einzigartig war. Er nimmt sich immer mal wieder Momente, um mit dem Publikum zu spielen, anzugeben, könnte man schon fast sagen, aber natürlich verdient. Diese Momente fehlen in der Show. Am Ende sieht man eine Aufnahme von Flatley, wie er noch einmal sein Bestes gibt. Schwarzer Hintergrund, er (in teils dreifacher Ausführung) in weißem Frack und der Tanzboden – mehr braucht es nicht. Simpel, aber effektiv. Es zeigt ungünstigerweise, was die Show machen müsste. Mehr den Fokus auf den Hauptdarsteller legen und ihm mehr Zeit einräumen, seine Tanz-Techniken vorzuführen.

Überhaupt ist die Show geringer. Keine Pyrotechnik, keine doppelten Böden. Hier hätte ich mir trotz allem etwas mehr erwartet. Dennoch ist das 30. Jubiläum gelungen. Die großen Bildschirme, die ins Bühnenbild eingearbeitet sind, geben der Geschichte einen zusätzlichen Aspekt. Neben den Choreografien und der Sängerin. Ich bin sehr froh, die Show endlich live gesehen zu haben. Ich hoffe sehr, dass sie mit »Feet of Flames« etwas Ähnliches machen. Aber dann bitte mit noch mehr Spektakel. Wenn es eine Show verdient hat, dann diese.