Ich habe durchaus, eventuell, gelegentlich die Tendenz, etwas zu viel über Themen nachzudenken. Das mag vielleicht schon aufgefallen sein, wenn man diesen Blog hier verfolgt. Es mag damit zusammenhängen, dass ich einen täglichen Blog betreibe, oder in meiner Natur liegen. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen. Manchmal zahlt es sich allerdings auch aus. Genauer gesagt hat es den Vorteil, wenn man ein Thema immer wieder aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Denn nicht jede Perspektive ist für alle zutreffend. Man muss eine eigene Interpretation finden, die für die aktuelle Lebenssituation am besten passt – der Welt Sinn geben, für mich ganz persönlich.
Es geht um Hobbys, um Dinge, mit denen man sich tagtäglich auseinandersetzt, und um Interessen, die mal mehr und mal weniger Raum einnehmen. Anfang des Jahres habe ich einen Text darüber verfasst (siehe »Energiereserven«), in dem ich ein YouTube-Video zu Rate ziehe, das fehlende Motivation mit Energiereserven erklären möchte. An und für sich stimme ich dem noch immer zu. Wenn man ständig müde, erschöpft und ausgelaugt ist, hat man abends einfach keine Lust mehr, sich hinzusetzen und Plastikfiguren zu bemalen. Es ist nachvollziehbar. Zu prüfen, wofür man tagtäglich die vorhandenen Energiereserven einsetzt, ist durchaus sinnvoll. Gibt es Bereiche, die unnötig Energie kosten, die man eventuell loswerden kann? Schlafe ich genug? Unzählige Faktoren können eine Rolle spielen und es wert sein, betrachtet zu werden.
Doch mir hat bei dieser Betrachtung etwas gefehlt. Denn Motivation ist nicht der einzige Faktor. Wenn man Interessen hat und diese genauer verfolgt, holt man sich gerne Hilfe, Unterstützung oder einfach nur Inspiration online. Das kann über Instagram, YouTube oder sonstige Kanäle wie Reddit erfolgen. Aber besonders bei YouTube vergisst man schnell, dass es sich teils um Menschen handelt, die ihren Lebensunterhalt mit dem verdienen, was für mich „nur“ Interessen sind. Manche verfolgen ihre Interessen auch monothematisch und haben wenig andere außerhalb von Warhammer, beispielsweise.
Bei mir ist das anders. Ich habe mannigfaltige Interessen. Von Sport über meinen täglichen Blog bis zu Klemmbausteinen, Warhammer, TCGs, Manga, Videospielen, Filmen und Serien und mehr. Natürlich nicht alles auf einmal und ständig. Bisher habe ich mir gerne ein schlechtes Gewissen eingeredet, wenn ich mal ein paar Wochen keine Warhammerfiguren bemalt oder länger keine Spiele gespielt habe. Immerhin ist es ein Interesse, ein Hobby, und ich vernachlässige es. Andere schaffen es doch auch, warum ich nicht? Dabei ist das völlig unnötig. Meine kreative Energie stecke ich aktuell viel lieber in Texte und meinen Blog. Ich schreibe so viel wie seit Monaten nicht mehr. Zwar halte ich den täglichen Blog stets aufrecht, aber der Output, den ich gerade produziere, ist vergleichsweise hoch. Ich habe aktuell Wochen und Monate im Voraus Texte geplant. »Everything X-Men«, meine Donnerstagskolumne, ist seit Wochen abgeschlossen. Der letzte Text erscheint allerdings erst im Oktober.
Das ist ein gutes Gefühl. Aber natürlich bleibt dann weniger Zeit und auch Energie für andere Sachen übrig. Schlechtes Gewissen oder Schuldgefühle sind nicht notwendig. »Phasen« ist ein Wort, das man dafür verwenden könnte. Aber das klingt furchtbar. Für mich zumindest. Seit ich das Wort »Rhythmus« in diesem Kontext für mich entdeckt habe, ist Schluss mit Selbstvorwürfen und dergleichen. Meine Interessen unterliegen einem Rhythmus. So einfach ist das. Wie dieser aussieht? Keine Ahnung. Das ist das Schöne daran. Ich lasse mich einfach überraschen. Gerade schlägt mein Herz am stärksten für das Schreiben und für ein größeres Projekt, das ich in diesem Bereich plane. Das ist gut so und völlig okay. Lassen wir endlich den Vergleich mit anderen. Besonders, wenn es um Dinge geht, die uns Freude machen sollen. Hören wir stattdessen auf den darunterliegenden Rhythmus und lassen uns treiben.
