
Pokémon als neues Sammelobjekt ist wirklich faszinierend, vor allem, weil es leicht zu durchschauen ist. Zumindest kommt es mir aktuell so vor. Es gibt über tausend Pokémon und davon jeweils mehrere Varianten. Seien es Mega-, ex-, EX-, V- oder VMAX-Versionen oder regionale Formen. Mit „regional“ sind dabei die Regionen aus den Spielen gemeint. Die Karten selbst sind meist klar gestaltet, wodurch der Fokus stark auf dem eigentlichen Artwork des dargestellten Pokémon oder Trainers liegt. Wenn man viele Booster öffnet, was ich bisher getan habe, entwickelt sich automatisch ein persönlicher Geschmack oder zumindest ein Interesse an bestimmten Künstler*innen, von denen man gerne mehr sehen möchte.
Hier hilft die App Dex weiter. Mit dieser scanne ich meine komplette Sammlung ein und bekomme dadurch eine praktische Übersicht darüber, was ich alles besitze. Die wirkliche Stärke der App liegt allerdings in ihren intelligenten Ordnern. So kann ich für Künstler*innen, die mich ansprechen, eigene Sammlungen anlegen und sehe sofort, welche Karten es noch gibt, welche ich bereits besitze und welche ich gerne ergänzen würde. Das Coole daran: Die meisten Karten sind nicht teuer. Viele liegen im Cent-Bereich, manche kosten nur wenige Euro. Wenn man dann mehrere Karten einer Künstlerin oder eines Künstlers besitzt, lässt sich noch besser abschätzen, ob man diese kleine Teilsammlung weiter vervollständigen möchte. Ich finde das großartig.
Bei Yu-Gi-Oh! dagegen steige ich noch nicht komplett durch. Natürlich gibt es die bekannten Monster-, Zauber- und Fallenkarten aus der ursprünglichen Serie rund um »Duel Monsters«, aber seitdem hat sich unfassbar viel verändert. Das grundlegende Design der Karten ist zwar gleich geblieben, allerdings wirkt mittlerweile gefühlt jede Karte wie ein kleiner Roman. Die untere Hälfte besteht oft aus einem gigantischen Textblock voller Bedingungen, Effekte, Konsequenzen und Einschränkungen. Zwar spiele ich selbst nicht aktiv, aber dieser massive Textanteil lenkt mich trotzdem etwas ab. Außerdem weiß ich noch nicht so recht, was ich eigentlich von einer Yu-Gi-Oh!-Sammlung erwarte. Was wäre mein konkretes Ziel? Geht es wirklich primär um Drachen? Wie würde ein entsprechender Binder überhaupt aussehen?
Was mir dabei aktuell etwas in die Hände spielt, ist ein Hersteller von nicht lizenzierten Karten auf Basis des westlich ausgestrahlten Animes. Dazu aber nächste Woche mehr. Vielleicht muss ich meine vorhandenen Karten einfach noch besser sortieren und in Ruhe durchgehen, um überhaupt herauszufinden, was ich eigentlich möchte. Im September erscheint außerdem ein neues Set, das Full-Art-Rares, sogenannte Grand Master Rares, einführt. Natürlich wieder limitiert. Es wäre schön, wenn die Hersteller den Fans tatsächlich einmal etwas Gutes tun und solche Full-Arts zumindest garantiert in jedem Display unterbringen würden. Die Produkte werden ohnehin gekauft. Dadurch würde sich das Öffnen nur deutlich lohnenswerter anfühlen und Scalper hätten es ebenfalls schwieriger.
Das eigentliche Problem ist ja: Booster zu öffnen macht Spaß. Es ist ein kleiner Nervenkitzel und gehört irgendwie zum Hobby dazu. Leider wissen das auch Scalper und machen sich genau das zunutze. Wahrscheinlich liegt der beste Weg irgendwo in der Mitte. Booster öffnen, aber nur in einem gewissen Rahmen. Der eigentliche Fokus sollte idealerweise auf Singles liegen. So bekommt man genau das, was man wirklich möchte, baut gezielt eine Sammlung auf und spart vermutlich langfristig sogar Geld. Auf YouTube und anderen Plattformen wird allerdings oft etwas völlig anderes vermittelt. Dort geht es um Hype, Investments und die Jagd nach den seltensten Karten. Man darf sich davon nicht zu sehr mitreißen lassen, auch wenn das manchmal schwerfällt. Am Ende soll das Ganze schließlich Spaß machen. Es geht ums Sammeln, um die Artworks, die Kunst, das Spielen und die Community. Investment und Spekulation sollten irgendwo weit hinten stehen. Zumindest ist das meine Einstellung dazu.
