Down

Im Englischen gibt es den schönen Ausdruck: „Bad Mental Health Week“. Diesen habe ich in einem Podcast gehört und seitdem verwende ich ihn als persönliche Beschreibung, wenn ich eine psychisch anstrengende Woche habe. Leider gibt es dafür keine gute deutsche Entsprechung. Im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet man dies manchmal als „ich fühle mich down“, aber wer schon mal mit psychischen Problemen zu kämpfen hatte, weiß, dass dahinter sehr viel mehr steckt. Zum Glück sind solche Wochen oder besser gesagt Tage selten. Auch weil ich gelernt habe, damit umzugehen.

Wichtig für mich, was ich für mich gelernt habe, ist, mich nicht hineinzusteigern. Es zu akzeptieren und zu wissen, dass es wieder besser wird. Das schreibt sich leicht. Bis ich aber zu diesem Punkt gekommen bin, hat es lange gedauert. Nun weiß ich, dass selbst an schlechten Tagen positive Dinge passieren können. Und sei es etwas Alltägliches, eine Kleinigkeit, die man erledigt oder geschafft hat, mag es auch noch so marginal sein. An diesen Tagen ist es besonders wichtig, kleine Erfolge zu feiern. Was mir ebenfalls hilft, sind zwei konkrete Dinge: spazieren und trainieren.

Letztens, als ich einen solchen Tag hatte, bin ich nach der Arbeit fast zwei Stunden gegangen. Sportkleidung angezogen, Asics-Schuhe übergestreift, AirPods rein und eine lange Podcastfolge gestartet, dann konnte es losgehen. Die Route hatte ich im Kopf – meine Standardrunde, wenn es länger dauern darf – also musste ich weder nachdenken noch mich konzentrieren oder sonst etwas. Ich konnte mich komplett im Podcast verlieren, die Gedanken schweifen lassen. Danach sah die Welt schon anders aus. Am nächsten Tag habe ich dann noch trainiert, aber nicht irgendein Training. An Tagen, an denen ich mich „down“ fühle, brauche ich ein Beintraining. Ich sage immer scherzhaft, dass meine Endorphine in den Beinen stecken. Durch ein hartes, 30-minütiges Apple-Fitness-Plus-Lower-Body-Workout, am besten noch mit Trainer Kyle, werden diese freigesetzt.

Ich habe mir seitdem Gedanken darüber gemacht, warum es gerade ein Beintraining sein muss und warum das Spazieren hilft. Natürlich, frische Luft, blablabla – aber warum Beine? Für mich habe ich festgestellt, dass es wahrscheinlich daran liegt, vorwärtszukommen. Egal ob beim Spazieren oder beim spezifischen Training, es suggeriert dem Geist: Ich komme vorwärts. Und an Tagen, an denen man sich psychisch angeschlagen fühlt, ist diese Erkenntnis Gold wert.

Wie ich im Text des Öfteren betont habe: Es war nicht einfach, an diesen Punkt zu kommen, und die Techniken funktionieren für mich. Ich habe probiert und experimentiert, was mir guttut. Darüber reden, aufschreiben und die klassischen Dinge sind immer zu empfehlen. Manchmal will man aber seine Ruhe haben. Dann sind diese Techniken für mich genau das Richtige. Für jemand anderen kann das komplett anders aussehen.