Letztens habe ich über den Gesundheitszustand des Katers berichtet (Katzendiät). Der im Übrigen Holly heißt, weil zu Anfang nicht sofort deutlich war, um welches Geschlecht es sich handelt. Wir blieben trotzdem bei Holly. Jedenfalls gibt es zum Gesundheitszustand mittlerweile erfreuliche Nachrichten.
Wir waren bei der Tierärztin und diese hat ihn ordentlich untersucht. Dabei kam heraus, dass das Herz viel zu schnell schlägt. Sogar dann, wenn man Nervosität und Angst durch die ungewohnte Situation einbezieht. Deshalb hat sie ihm Blut abgenommen. Wo nimmt man Katzen am besten Blut ab? Zwei Möglichkeiten: entweder am Hals oder an den Pfoten. Die Pfoten sind allerdings eher eine Notlösung, da das Ganze deutlich länger dauert. Man kann nicht einfach eine Kanüle voll abzapfen und fertig. Aus den Pfoten kommt das Blut eher nur tröpfchenweise. Also hat sie es zuerst am Hals versucht. Doch auch hier gibt es ein Hindernis: das Fell.
Schnell war der Rasierer gezückt. Ich dachte schon, jetzt dreht der Kater völlig durch, sobald sie das Ding einschaltet, jedoch blieb Holly vollkommen still. Mit geübtem Griff hat sie den Kopf stabilisiert und ein Stück Fell am Hals abrasiert. Das Blutabnehmen selbst ging ebenfalls rasch. Sehr zur Freude des Katers, der sich nach dem obligatorischen Wiegen nur allzu gern wieder im ansonsten verhassten Käfig beziehungsweise Tragekorb verkroch. Wenn man darüber nachdenkt, eigentlich eine absurde Situation: Zuerst wirst du gegen deinen Willen durch die Gegend verfrachtet und festgehalten, nur damit man dich am Kopf packt, rasiert und dir Blut abzapft. Nach den Strapazen denkt man dann: „Endlich zurück in die kleine Gefängnisbox.“
Wie wir noch am selben Tag erfuhren, hat Holly eine dermaßen hyperaktive Schilddrüse, dass die Tierärztin die Werte gar nicht mehr richtig messen konnte. Die Überfunktion erklärt einiges. Zum einen, dass er so viel frisst und trotzdem immer dünner wird. Er hatte nur knapp über 3 kg. Zum anderen erklärt es, warum ihm im Sommer ständig zu heiß ist. So sehr, dass er hächelt und sich Spucke vor dem Maul sammelt.
Scheinbar ist auch das viele Miauen ein Symptom davon, was wir ebenfalls beobachtet haben. Dazu kommen noch ein paar andere kleinere Auffälligkeiten, die sich damit erklären lassen. Zum Glück kann man das Ganze mit Medikamenten gut unter Kontrolle bringen und bisher schmeckt ihm das Zeug beziehungsweise lässt es sich problemlos unterjubeln. Erste Verbesserungen bemerkt man ebenfalls schon.
Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass man bei Katzen überhaupt ein Blutbild machen kann. Geschweige denn, dass jemals ein Tierarzt oder eine Tierärztin so etwas vorgeschlagen hätte. Hätte man vielleicht schon viel früher machen sollen. So erkennt man gute Tierärzte und Tierärztinnen: Sie können nicht nur mit den Tieren umgehen, sondern machen auch gute Vorschläge, wie man herausfindet, was eigentlich nicht stimmt. Und wenn das Medikament weiterhin so gut anschlägt, sollte Holly noch einige gute Jahre vor sich haben.
