Duolingo und Gamification

Als ich für mein Medienwissenschaftsstudium Spanisch lernte (eine zweite Fremdsprache war für das Nebenfach Philosophie notwendig), habe ich Duolingo bemüht, mir dabei zu helfen. Ich habe zwar auch Kurse besucht, aber Duolingo war meine tägliche Quelle für neues Wissen. Ich habe eigentlich gute Erinnerungen daran, weil man Dinge oft wiederholt, man lernt relativ schnell wichtige Phrasen und Sätze kennen und es ist eine hübsch designte App. Deshalb war Duolingo nun auch meine Wahl für Japanisch. Zwar nicht meine erste, dafür nutze ich WaniKani, aber als Ergänzung ist es recht praktisch.

In den vergangenen Jahren scheint allerdings einiges schiefgelaufen zu sein im Team von Duolingo. Denn mittlerweile ist die App fast unerträglich geworden. Aktuell nutze ich noch die Gratis-Version. Ich möchte die App etwas testen und sehen, wie mir Japanisch dort beigebracht wird, bevor ich Geld einwerfe. Immerhin soll sie eine Ergänzung zu WaniKani sein und die dortigen Erkenntnisse nicht konterkarieren. Die kurzen Spots, die einem die Plus-Version verkaufen möchten, verstehe ich. Sie wollen Geld machen. Ist für mich also nachvollziehbar. Doch bevor man überhaupt an die Grenzen der Gratis-Version stößt, sind noch ganz andere Gamification-Ergänzungen nervig und lästig.

Die Animationen beispielsweise nehmen überhand. Der dumme grüne Vogel ist während der kurzen Lektionen bzw. dazwischen immer wieder zu sehen und fliegt durchs Bild. Sei es, weil er einem einen Bonus andrehen will oder sonst etwas Unnötiges von sich gibt. Nach jeder Lektion öffnet man glitzernde Kisten mit Punkten drin, die ich nicht brauche. Aber die Kisten öffnen sich nicht einfach, ich muss sie durch mehrfaches Antippen selbst öffnen. Alles blinkt, leuchtet, ist animiert oder gibt Laute von sich, die von der eigentlichen Funktion der App ablenken: Ich will eine Sprache lernen und keine Disco-Show sehen.

Mit der Gratis-Version gehen sich pro Tag ein oder zwei Lektionen aus. Aber die meiste Zeit verbringe ich nicht damit, Japanisch zu lernen, sondern damit, abzuwarten, bis die lästigen Unterbrechungen vorübergehen. Ich verstehe beim besten Willen nicht, wie man so eine App entwerfen kann. Und man kann die Animationen, soweit ich das feststellen konnte, nicht reduzieren. Mit Sprachenlernen hat das wenig zu tun. Mal sehen, ob ich einen Monat bezahle, um zu sehen, ob es dann besser wird, aber in dieser Variante ist es zum ernsthaften Lernen einer Sprache nicht zu gebrauchen. Alles andere steht im Vordergrund oder lenkt zumindest vom Kernthema ab. Schade, vielleicht finde ich eine andere, bessere Ergänzung.