Es gibt den Mythos der Pizza mit Käse im Rand. Das ist eine Idee, die sich durchaus verlockend, geil und ein wenig pervers anhört. Verboten und doch verführerisch. Gegessen habe ich diese sinnliche Variante italienischer Küche noch nie. Ich wüsste ehrlich gesagt auch gar nicht, wo ich eine solche Kreation herbekommen würde. Manchmal ist es beim Italiener, wenn man Pizza bestellt, eine Option, aber diese ignoriere ich meistens, da ich bei Pizza gerne klassisch unterwegs bin, mit gelegentlichen Experimenten.
Nun gibt es allerdings beim Spar neuerdings, oder auch schon länger, wer kann Sortimentswechsel im Supermarkt schon so genau beziffern, eine entsprechende Version in tiefgekühlter Variante. Natürlich musste ich sie probieren, vor allem, da meine Schwester begeistert davon war.
Also wurde die Pizza eines Tages beim Einkauf mitgenommen und gleich noch ein paar andere Marken zum Testen eingepackt. Immerhin möchte man sich durchprobieren und herausfinden, was denn das Beste ist. Oder zumindest eine, die man als Abendessen durchgehen lassen kann. Am selben Tag habe ich die Pizza auch gleich gemacht. Ofen entsprechend vorgeheizt, Backpapier lag bereit. Die erste Enttäuschung kam bereits beim Auspacken: Die Pizza ist zu klein. Sie füllt nicht einmal einen normal großen Speiseteller ordentlich aus. Das hat mich schon mal negativ auf die kommende Verköstigung gestimmt. Aber alles bekommt eine faire Chance. Natürlich lässt man die Pizza etwas länger im Ofen, man kennt sich schließlich aus und wartet, bis beim Käse die schöne goldbraune Färbung anfängt.
Film in die PS5 geschoben, Pizza aus dem Ofen genommen, mit dem Pizzaschneider zerteilt und schon konnte es losgehen. Der Teig schmeckt gut, der Belag – es gibt aktuell nur eine Margherita-Version – passt. Eine passable Tiefkühlpizza, nichts Besonderes. Dann kam der spannende Teil: der Rand. Dieser fällt entsprechend der Füllung natürlich etwas dicker aus, und ich bin jemand, der einen knusprigen, luftigen Rand bei einer Pizza mag. Es ist die Krönung und sorgt für Abwechslung beim Essen. Ich möchte nicht nur Belag. Der Rand gehört einfach dazu.
Also biss ich rein. Die ersten Bissen schmeckten gut. Sehr käsig, überraschenderweise, aber eine gute Zusammenstellung aus Teig und Käse. Dann aß ich das nächste Stück und das nächste. Alles war mit Käse überbacken oder gefüllt, der Gaumen verlangte nach einem herzhaften Bissen in den knusprigen, luftigen Rand, wurde aber jedes Mal mit Käse misshandelt.
Es ist, das muss ich leider sagen, zu viel Käse. Ich hätte nie gedacht, dass ich das einmal über eine Pizza sagen würde, aber es gibt tatsächlich so etwas wie zu viel Käse. Diese Pizza hat es mir gezeigt. Eine Welt brach zusammen. Käse im Pizzarand darf also weiterhin ein Mythos bleiben, dem man nachjagen kann, den man aber nie erwischen sollte. Die Idee ist geiler als ihre Umsetzung. Dieses Mal zumindest.
