Everything X-Men | Apocalypse

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Es ist wieder Donnerstag und damit Zeit für einen weiteren Blick zurück. Im dritten Jahr meines Blogs bereite ich ein Projekt aus meinem Medienwissenschaftsstudium in Tübingen neu auf. Unter dem Titel »Everything X-Men« habe ich mich damals mit den X-Men-Comics, ihren Figuren, Themen und gesellschaftlichen Bezügen beschäftigt. Die Texte entstanden ursprünglich auf Englisch. Für die heutige Veröffentlichung übertrage ich sie ins Deutsche, zunächst mithilfe von DeepL. Anschließend überarbeite ich sie natürlich noch.


Nachdem »Days of Future Past« das X-Men-Universum quasi zurückgesetzt und den berühmt-berüchtigten dritten Teil von Brett Ratner hinfällig gemacht hatte, warteten viele Fans gespannt auf Bryan Singers nächsten Coup. Prominent in der After-Credit-Szene angekündigt, war klar, dass es sich um nichts Geringeres als den gottgleichen ersten Mutanten Apocalypse selbst handeln sollte. Die Trailer waren vielversprechend gestaltet, mit fantastischen Effekten, einer tollen Rede und einer globalen Zerstörungswut, die Roland Emmerich stolz machen würde. Doch kann der Film all das einhalten und dabei noch ein paar neue Charaktere einführen?

Fangen wir am besten mit der Geschichte an. Hier steigen wir etwa zweieinhalbtausend Jahre vor unserer Zeitrechnung ein und erleben hautnah, wie sich Apocalypse, gespielt von Oscar Isaac, in einen neuen Körper transferieren möchte. Wie lange der Mutant tatsächlich schon auf der Erde wandelt, erfahren wir leider nicht, nur dass er sehr alt ist und die Fähigkeit besitzt, seinen Geist in einen anderen Körper zu übertragen und dabei seine gesamten bisherigen Kräfte mitzunehmen. Das macht ihn zu einem der gefährlichsten Gegner, denen die X-Men je gegenüberstanden. Denn über die Jahrtausende hinweg sammeln sich so einige Kräfte an. Unter anderem kann er die Fähigkeiten anderer verstärken, aber dazu später mehr.

Dass Apocalypse eine Gefahr darstellt, haben auch schon die alten Ägypter erkannt. Bei einem sehr imposant dargestellten Putsch begraben sie den Gott unter Trümmern, jedenfalls bis er im Jahr 2016 von Anhängern wieder befreit wird. Zurück unter den Lebenden hat er nichts von seinem Eifer verloren. Er erkennt, dass sich die Welt nicht gerade zum Besseren gewendet hat, und macht sich auf die Suche nach seinen vier Reitern, um den Planeten dem Erdboden gleichzumachen und die stärksten Überlebenden anschließend in ein neues Zeitalter zu führen.

Seine vier Reiter der Apokalypse wählt er dabei mit großer Bedachtsamkeit aus, denn sie sollen die mächtigsten Mutanten darstellen. Ob er wirklich so bedacht vorgeht, sei mal dahingestellt, denn ehrlich gesagt sind diese zu 50 Prozent sehr gut ersetzbar. Als Erstes hätten wir eine Ninja-Jedi-Kombination, gespielt von Olivia Munn, deren Potenzial eher verschwendet wird. Besser kommt Angel, gespielt von Ben Hardy, weg. Dieser wird auf sehr coole Weise eingeführt, bevor er ebenfalls in den Hintergrund tritt. Zumindest dürfen wir an ihm erleben, was Apocalypse bei anderen Mutanten anrichtet und wie er ihre Kräfte verstärken kann. Die Standardflügel tauscht er gegen metallene aus, die messerscharfe Klingen schleudern können. Da er im Trailer sehr prominent dargestellt wurde, habe ich mir etwas mehr von ihm erwartet. Außerdem sieht er mit seinen Federn und ohne Kostüm viel besser aus als in seiner seltsamen transformierten Gestalt.

Die Dritte im Bunde ist schon viel interessanter und durchläuft im Laufe des Films auch eine gute Entwicklung: Storm, gespielt von Alexandra Shipp. Sie fängt als kleine Diebin in Ägypten an und wendet sich dann immer weiter den X-Men zu, als sie sieht, was für ein Monster Apocalypse tatsächlich ist.

Der vierte Reiter ist Erik »Magneto« Lensherr, gespielt von Michael Fassbender. Er hat sich in den vergangenen zehn Jahren eine Familie in Polen aufgebaut und arbeitet in einer Metallfabrik. Diese Ironie muss man erst einmal verdauen. Natürlich überlebt seine Familie ihre Einführung nicht, was sehr schade ist, da es mal eine nette Abwechslung gewesen wäre, ihn auf der Seite von Charles kämpfen zu sehen. Um ihm dann den Rest zu geben und ihn endgültig auf seine Seite zu ziehen, bringt Apocalypse ihn an den Ursprung all seiner Schmerzen: Auschwitz.

Was folgt, ist die wohl eindrucksvollste Szene des Films. Der Gott zeigt Erik, wie er mit seinen Kräften bis ins Innere des Planeten vordringen und dessen Magnetfeld beeinflussen kann. Seine Qualen und sein Schmerz führen zur Zerstörung der gesamten Umgebung, und man sitzt gebannt im Kinosessel und weiß nicht, ob man das, was einem gezeigt wird, cool finden darf. Es ist zumindest ein emotionaler Höhepunkt, der erst einmal verarbeitet werden will.

Kommen wir nun zur anderen Seite. Hier haben wir unsere altbekannten, aber dennoch ziemlich guten Charaktere rund um Xavier (James McAvoy), Mystique (Jennifer Lawrence), McCoy (Nicholas Hoult), und Quicksilver (Evan Peters), der inzwischen zur Stammbesetzung gehört. Sein Auftritt in »Days of Future Past« war grandios und wohl die beste Sequenz des Films. Man durfte also durchaus bezweifeln, ob es den Machern gelingen würde, das noch einmal zu wiederholen. Ohne zu übertreiben, kann ich an dieser Stelle versichern, dass sie Quicksilvers Einführung zumindest sehr nahekommen. Es ist eine ebenso faszinierende Szene, die man sich öfter ansehen kann und sollte. Seine Beziehung zu Magneto, denn er ist sein Sohn, wird kurz angedeutet, aber nicht aufgeklärt. Hier kann man auf die kommenden Filme hoffen.

Neu im Team ist Nightcrawler alias Kurt Wagner (Kodi Smit-McPhee). Er ist eine der stärksten Figuren im Film. Das ist meine persönliche Meinung, die vor allem dadurch geprägt ist, dass er dieselbe rote Lederjacke trägt, die auch schon Michael Jackson in seinem »Thriller«-Video anhat. Aber er ist auch so ziemlich cool. Man erinnere sich nur an seinen legendären Auftritt in »X-Men 2«.

Scott (Tye Sheridan), der Mann mit den Laseraugen, wird ebenso gut eingeführt wie sein aus den letzten Filmen bekannter Bruder. Wir dürfen zum ersten Mal erleben, was passiert, wenn Scott seine Augen für längere Zeit offen hat. Lasst euch überraschen. Jean Grey (Sophie Turner) ist ebenfalls wieder mit von der Partie, und wie alle anderen darf sie ihre volle Kraft entfesseln, wenn es um den finalen Kampf gegen Apocalypse geht. Ich habe die Phoenix-Saga in den Comics noch nicht gelesen, aber es könnte durchaus sein, dass zumindest der erste Teil hier im Film behandelt wird.

Wer leider nur einen Cameo-Auftritt hat, ist unser geliebter Hugh Jackman als Wolverine. Er feiert demnächst in seinem dritten Solo-Film seinen Abschied, und es bleibt zu hoffen, dass dieser dem Charakter gerecht wird. Immerhin ist dieser R-rated, was schon ein Schritt in die richtige Richtung ist.

Bei einem Film wie »X-Men: Apocalypse« darf man wohl erwarten, dass die Effekte entsprechend gut aussehen, und bis auf ein, zwei Szenen tun sie das auch. Bryan Singer und sein Team schaffen es tatsächlich, die unfassbare Macht eines gottgleichen Mutanten wie Apocalypse greifbar oder zumindest vorstellbar zu machen. Mit einer gelungenen Kombination aus Mythos, der seine Unsterblichkeit und Grausamkeit erst erläutert, und nachfolgenden Taten, die diesen Mythos wahrhaftig machen, bauen sie ihn gut aus. Die tolle Musik trägt ihr Übriges zum Blockbuster bei.

Das Einzige, was vielleicht zu kurz kommt, sind ruhigere Szenen zwischen den Charakteren. Der Film hat ein hohes Erzähltempo, und unsere Helden jagen von einem Action-Schauplatz zum nächsten. Zwar wird ihre persönliche Geschichte klar, wobei hier eindeutig die vergangenen Filme helfen, doch ab und zu wären weiterführende Gespräche gut gewesen.

Alles in allem bietet der Film gute Unterhaltung und wird den Erwartungen gerecht, die durch die Trailer geweckt wurden. Insgesamt würde ich ihm den dritten Platz unter den drei »First-Class«-Filmen zusprechen. Es bleibt zu hoffen, dass die folgenden Filme weiterhin auf dieser Qualität aufbauen können, auch wenn der Verbleib von Bryan Singer noch nicht sicher ist.

Leider ist auch die Zukunft der Hauptdarsteller rund um Jennifer Lawrence, Nicholas Hoult, James McAvoy und Michael Fassbender ungewiss, da deren Verträge nun ausgelaufen sind. Beruhigend ist jedoch die Tatsache, dass sie scheinbar eine Art Pakt geschlossen haben: Entweder werden alle vier Verträge verlängert oder keiner. Man darf hoffen, dass FOX sich dazu entschließt, alle vier Schauspieler zu behalten, denn auch wenn die Neuzugänge sehr gut sind – nichts geht über die vier Original-Darsteller. Sie haben sich in diesem Universum etabliert und es aufgebaut. Es heißt also: Daumen drücken.

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