Die kleinen Dinge

Dieses Jahr habe ich keinen konkreten Urlaub geplant. Vergangenes Jahr war ich mit Freund C. auf Island, was einer der besten Roadtrips war, die ich je machen durfte. Mit Freund J. war ich ein paar Tage in Steyr, Enns und Mauthausen unterwegs (siehe Pause ohne Unterbrechung). Zwar sind auch dieses Jahr noch der ein oder andere Tagesausflug oder kleinere Trip geplant, allerdings eben nichts Größeres. Ich habe Pläne und Ideen für die nächsten Jahre, aber bis diese Früchte tragen, dauert es noch etwas.

Klassische Urlaube – Italien, Kroatien und Co. – sind an sich ganz nett, aber ich brauche sie auch nicht wirklich. Das reicht mir alle paar Jahre. Ich lade meine Batterien lieber regelmäßig auf. Vergangene Woche hatte ich beispielsweise Urlaub, bin aber nirgends hingefahren. Was nicht bedeutet, dass ich die Zeit nicht genutzt hätte. Zur Einstimmung in den Urlaub war am Freitag das Volbeat-Konzert am Residenzplatz. Ich habe einen neuen persönlichen Fahrradrekord mit 69 km aufgestellt, bin einen Halbmarathon spaziert, habe sehr viele Texte geschrieben, etwas gelesen, mich um die Wohnung gekümmert und war des Öfteren in Salzburg unterwegs. Jeder Tag war anders und auf seine ganz eigene Weise besonders.

Es müssen nicht immer die großen Dinge sein, die den Alltag versüßen. Das ist ein Mythos aus Social Media, wo Influencer*innen herzeigen, was man angeblich alles machen sollte. Wenn dann das eigene Leben nicht ganz so fancy und glamourös ist, hat man scheinbar versagt. Dabei sind die Freuden des Alltags jederzeit greifbar, man muss nur gewillt sein, hinzusehen.

Als ich etwa die gut 20 km spaziert bin, habe ich immer wieder erstaunt die Umgebung betrachtet. Die Bäume strahlten in allen saftigen Grüntönen, die Berge sah man, als wären sie nur einen Hügel weit weg, und es roch an jeder Ecke anders nach Blumen, Wiesen und Feldern. Für manche mag es langweilig erscheinen, immer wieder dieselben Strecken zu spazieren. Ich finde das fantastisch. Es ist jedes Mal anders und immer habe ich einen anderen Podcast im Ohr, dem ich gespannt lausche.

Eine andere Kleinigkeit, die ich mir während meines Urlaubs gegönnt habe: Kuchen. Die Bäckerei Rösslhuber in Bergheim habe ich zweimal aufgesucht und jedes Mal nicht nur Brot für ein leckeres Frühstück mitgenommen, sondern auch ein paar Stücke Kuchen. Jeden Tag gab es eines davon. Das mag auf den ersten Blick nicht viel sein, aber wann isst man schon guten Kuchen frisch vom Bäcker? Und wann macht man das schon jeden Tag? Der Urlaub war die perfekte Ausrede, um sich durch das Sortiment zu probieren.

Oder die Ausflüge in Salzburg. Natürlich war viel los. Es ist Urlaubszeit und ab dem Frühsommer ist ohnehin immer einiges los in der Stadt. Durch die Gassen zu schlendern, hier einen Eiskaffee zu genießen (auch wenn keiner an denjenigen von der Gartenlust herankommt) und dort den Ausblick auf die Stadt zu genießen: Es gibt so viele Möglichkeiten, sich eine schöne Zeit zu machen, ohne dass man viel Geld ausgeben oder weite Strecken zurücklegen muss.

In meiner Urlaubswoche waren all diese Dinge geballt innerhalb kurzer Zeit möglich. Es sind aber genau diese Dinge, die ich normalerweise auch im Alltag suche. Eine Woche Urlaub zu haben und sich eine Auszeit von der Arbeit zu gönnen, ist wunderbar. Die Batterien wieder vollständig aufladen, wenn man so will. Allerdings sollte man darauf achten, auch zwischendurch immer wieder die schönen Seiten des Lebens zu genießen. Manchmal vergessen wir das und sind im Trott des Alltäglichen gefangen. Das passiert mir ebenfalls.

Vielleicht ist das auch die eigentliche Erkenntnis aus so einer Urlaubswoche: Man muss nicht unbedingt wegfahren, um sich zu erholen. Manchmal geht es eher darum, wieder genauer hinzusehen: auf den Spaziergang, den Kaffee, die gute Gesellschaft, die vertrauten Straßen und die kleinen Abweichungen vom Alltag. Die großen Reisen bleiben schön. Aber manchmal reicht es auch, wenn der Kuchen gut ist und die Berge ein bisschen näher wirken als sonst.