Sportliches Wochenende

Vergangenes Wochenende habe ich meine körperlichen Grenzen getestet. Seit einigen Monaten laufe ich regelmäßig. Wobei man sagen muss, dass ich im Mai eine zweiwöchige Pause eingelegt habe. Doch währenddessen habe ich andere Dinge fortgesetzt, wie Krafttraining, Yoga und HIIT. Letzte Woche habe ich dann wieder angefangen und es lief erstaunlich gut (pun intended). Manchmal sind Pausen beim Training nicht schlecht – immerhin braucht der Körper Zeit zur Regeneration. Donnerstag habe ich dann mit Apple Fitness Plus ein anstrengendes Oberkörpertraining eingelegt, bis ich kaum mehr die Hanteln heben konnte. Es ist schon cool, immer mal wieder an die Grenzen zu gehen; man sollte es nur nicht übertreiben.

Dann kam der Samstag. Mein Plan war, gleich morgens zum Bäcker zu fahren und gutes Brot zu holen. Leider hat der beste Bäcker in der Umgebung nur samstags geöffnet, entsprechend schnell sind die leckeren Sachen vergriffen. Doch kurz nach sieben ist von allem noch genug da. Um 10 Uhr hatte ich ein Telefonat mit einem besten Freund eingeplant, das heißt, bis dahin musste alles erledigt sein. Also lief ich nach dem Besuch beim Bäcker eine Runde. Ich mag es, am Wochenende recht früh unterwegs zu sein, und Ausdauersport mache ich gerne auf nüchternen oder zumindest fast leeren Magen. Und am Wochenende kann man sich ein spätes Frühstück richtig gut schmecken lassen.

Ich sah von meiner üblichen Laufrunde ab, die so etwa eine halbe Stunde dauert, und habe eine größere probiert. Zwar bin ich diese schon in der Vergangenheit gelaufen, aber das ist etwas länger her. Mein Ziel war es, auf 7 km zu kommen. Das habe ich auch knapp geschafft. In gerade einmal 45 Minuten. Ein durchaus guter Schnitt, da ich den Lauf als Regenerationslauf sah. Es war die ein oder andere Tempostrecke dabei, aber die meiste Zeit lief ich gemütlich vor mich hin. Auch hier ist es toll, die eigenen Fortschritte zu erkennen und zu sehen, wie man sich im Vergleich zu vor ein paar Monaten entwickelt hat. Da das gesamte Wochenende von warmem, herrlichem Wetter geprägt war, verbrachte ich den Samstagnachmittag auf der Terrasse, wo ich auch ein paar Texte schrieb. Doch die eigentliche Herausforderung kam am Sonntag.

Die Radtour am Sonntag hatte ich ebenfalls schon eingeplant. Freitag war Putz- und Kärcher-Tag. Nicht nur der Balkon wurde gekärchert, sondern auch mein Rad. Das stand seit Herbst im Keller und wollte auf die kommende Saison vorbereitet werden. Gekärchert, gewischt und die Ketten geölt, war dieses also ebenfalls für einen Ausflug bereit. Konkrete Planungen mache ich für meine Radtouren nie. Ich fahre einfach darauf los und lass mich überraschen, wo es mich hinzieht. Was ich allerdings gerne mache, ist, auf der Bundesstraße einige Kilometer zurückzulegen und dann links oder rechts abzubiegen und einen Weg nach Hause zu suchen. Das habe ich auch dieses Mal gemacht. Nur dass allein der erste Abschnitt über 20 Kilometer in Anspruch nahm, da ich mich nicht entscheiden konnte, wo ich hinwollte.

Irgendwann sah ich ein Schild Richtung Mattighofen. Das passte ganz gut, da ich entweder bis dorthin fahren könnte und dann wieder nach Hause – wobei das die Radtour deutlich verlängert hätte – oder ich würde schon vor Mattighofen kleinere Zwischenziele finden. Diese boten sich dann auch an. Ich bin sehr froh, diese genommen zu haben, da bei Kilometer 36 meine Beine angefangen haben zu zittern. Erschöpfung machte sich breit. Ich hatte allerdings noch mindestens 20 Kilometer, bis ich zu Hause sein würde. Bei Moosdorf legte ich eine kleine Pause ein – die erste nach 49 km. Dann kam der finale Abschnitt.

Die letzten 10 km waren ein echter Kampf. Nicht nur physisch, sondern auch psychisch. Würde ich es noch nach Hause schaffen? Irgendwann wollte ich schon keine Hügel mehr erklimmen, aber in unserer Gegend bleiben diese nicht aus. Sitzen konnte ich schon lange nicht mehr, aber da muss man als Radfahrer nun einmal durch. Eine Radhose hält auch nur so lange durch. Die Beine konnten nicht mehr, ich konnte nicht mehr, aber auf den letzten Kilometern wollte ich nicht aufgeben.

Erholung gab es etwa ab Lamprechtshausen, da es von da aus viel bergab ging. Trotzdem waren noch zwei kleinere Anstiege zu überwinden, inklusive desjenigen zum lang ersehnten Zuhause. Nach knapp über 63 Kilometern war es geschafft. Das Absteigen war ein Segen, die Treppen zu meiner Dachgeschosswohnung die Hölle. Ein Wechselbad der Gefühle. Trotzdem bin ich froh und stolz, es durchgezogen zu haben. Für die erste Radtour in diesem Jahr vielleicht etwas viel. Am Ende hat es sich aber ausgezahlt. Ich habe viel gesehen, bin über meine Grenzen gegangen und trotzdem immer drangeblieben. Mal sehen, wo es mich beim nächsten Mal hinzieht.