Das Alter

Eigentlich mag ich es nicht, wenn man das Alter als Ausrede für etwas benutzt. Sei es, dass man diese Sache nicht mehr kann oder sie einem etwas schwerer fällt oder es sich nicht mehr lohnt oder was auch immer. Menschen fallen sehr schnell sehr viele Ausreden ein, um gewisse Dinge nicht mehr machen zu müssen. Kaum hat jemand die 50 überschritten, ist das Thema „Pension“ Dauerbrenner und dann wird man selbst als junger Mitte-30er angesprochen mit: „Wie viele Jahre hast denn du noch?“ Um ehrlich zu sein, halte ich solche Diskussionen für sehr müßig. Dann doch lieber schweigend nebeneinander sitzen und die Stille genießen. Warum sollte ich mir über etwas Gedanken machen, das noch 30 Jahre weit entfernt ist und auf dessen genauen Zeitpunkt ich sowieso keinen Einfluss habe?

Ich weiß noch nicht einmal, was ich nächstes Jahr machen werde – sei es Urlaub oder Hobbys. Ich weiß auch nicht, ob mein gesundheitlicher Zustand auf demselben guten Niveau ist wie heute. Hätte mir vor einem halben Jahr jemand gesagt, dass ich anfange, Pokémon-Karten zu sammeln oder auf Anhieb 63 km mit dem Fahrrad fahre, hätte ich diese Person für verrückt erklärt. Aber es macht mir Freude, und darauf kommt es an. Werde ich noch Rekorde brechen, was das Laufen eines Marathons anbelangt? Eher unwahrscheinlich, da gerade jemand vor Kurzem die 2-Stunden-Marke unterboten hat, wo das doch eigentlich mein Ziel war. Um aber bei der Realität zu bleiben: Klar will ich mal einen Marathon laufen. Habe ich bisher noch nie gemacht und ist eines meiner sportlichen Ziele. Auf das Alter gebe ich da nicht wirklich viel. Es kommt auf die eigene Fitness und Gesundheit an.

Manche Verletzungen hätte man sich vielleicht vor 5 Jahren nicht zugezogen, die nun altersbedingt erscheinen. Aber selbst diese Begründung lasse ich nicht zu. Wenn man halbwegs auf sich achtet und sich sportlich betätigt, sinkt das Risiko von Verletzungen. Und wenn mal doch etwas passiert, ist die Regenerationsphase kürzer. Aber manchmal hat man auch einfach nur Pech. Nicht mehr und nicht weniger. Ich habe fast schon chronisch wiederkehrende Verspannungen in den Schultern und im Nacken. Die kommen und gehen, wie es ihnen gefällt. Das hat mich vor 5 Jahren nicht davon abgehalten, Krafttraining, Yoga und Co. zu betreiben, und das wird es in 5 Jahren auch nicht tun.

Ausreden, die das Alter betreffen, sind leicht. Und alle rundherum nicken fleißig und stimmen zu. Bullshit. Entweder man macht etwas oder man macht es nicht. Sprachen kann man immer lernen, es gibt zig Sportarten, die man testen kann, und für Gaming ist man auch nie zu alt. Man sollte gar nicht erst anfangen, sich in diesen Strudel an Gedankengängen hineinziehen zu lassen. Die Zeit und Energie kann man für etwas Besseres nutzen.